Auch wenn der Lack in den vergangenen Episoden ein wenig abgeblättert war: Splinter Cell galt lange als der Inbegriff moderner Schleich-Shooter. Doch dann kam die E3 2012 und ein Video-Trailer, der vielen suggerierte, der sechste Teil würde komplett ins Actiongefilde abdriften. Bevor ihr euch zum Fazit durchklickt, sei euch mitgeteilt: Das ist nicht der Fall. Splinter Cell: Blacklist vereint moderne Mechaniken mit klassischen Schleich- und Aufklärungstechniken.

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"Wir kommen nach Amerika", sagt ein finsterer Terrorist, bevor er einem US-Soldaten das Licht ausknipst. Angst vor der Supermacht hat die Blacklist-Organisation nicht - im Gegenteil. Sie will den Krieg in die USA tragen, wenn diese ihre Truppen nicht aus der ganzen Welt abzieht. Eine Forderung, der die selbstproklamierten Weltpolizisten nicht nachkommen wollen.

Versetzt in die 4. Klasse

Dieser Bedrohung soll sich ein gewisser Sam Fisher entgegenstellen. Bisher kannten wir den tödlichen Spion in der Rolle des ausführenden Elements von 3rd Echelon. Doch das ändert sich. Jetzt. Statt nur ein austauschbares Mitglied zu sein, macht ihn die US-Präsidentin zum Leiter von 4th Echelon. Noch verdeckter als zuvor agiert diese - natürlich - hochgeheime Organisation zwar mit dem Segen der amerikanischen Staatsapparate. Doch sie ist überwiegend autark hinter den feindlichen Linien unterwegs.

Möglich wird das durch die "Paladin" - eine fliegende Operationsbasis, mit der das Team rund um den Erdball strategische Einsätze unternimmt. An Bord des Flugzeugs plant Fisher seine Missionen, greift auf das Spezialwissen seiner Kameraden zurück und lässt sich von ihnen mit neuen Waffen, Ausrüstungsgegenständen und Gadgets versorgen. Für gelungene Einsätze und Aktionen während der Aufträge erhaltet ihr virtuelle Kohle, die ihr für diese Dinge ausgebt. Oder ihr pimpt den Flieger, dessen Radar dann beispielsweise über einen feiner aufgelösten Scanner verfügt. Ihr ortet dadurch eure Feinde besser.

Doch das sind eigentlich nur die Randerscheinungen, die mich motivieren, den Punktestand in den Missionen nach oben zu treiben und lukrative Nebenaufgaben (unter anderem Laptops hacken, VIPs fangen) zu erledigen. Im Mittelpunkt steht noch immer Mr. Fisher, der sich durch die Levels schleicht und ballert oder Hightech-Werkzeuge einsetzt, um dem Terror ein Ende zu bereiten.

Splinter Cell: Blacklist - Schleichen. Ballern. Oder beides

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Der Schatten ist dein Freund. Auch in "Blacklist" könnt ihr immer noch auf leisen Sohlen durch die Level schleichen, um die Missionen unentdeckt abzuschließen.
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Das muss nicht unbedingt tödlich aussehen - ihr könnt oft entscheiden, ob Sam seine Kontrahenten lediglich ausknockt oder sie final aus dem Spiel nimmt. Wer sich für die nicht-tödliche Variante entscheidet, geht jedoch das Risiko ein, dass bewusstlose Gegner von ihren Kumpanen entdeckt und geweckt werden.

Packshot zu Splinter Cell: BlacklistSplinter Cell: BlacklistErschienen für PC, PS3, Wii U und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Geist, Panther oder Angreifer

Die Spieldesigner bieten euch in "Blacklist" meist mehrere Möglichkeiten, wie ihr durch die Level gelangt. Ein Lämpchen an Sams Kampfanzug zeigt euch, ob ihr von der Dunkelheit oder dem Schatten gut getarnt werdet. Das heißt - wenn euch das überhaupt wichtig ist. Ihr könnt euch auch entscheiden, Splinter Cell wie einen brachialen Deckungs-Shooter zu spielen und auf die ganzen Schleichspielchen zu verzichten.

Splinter Cell: Blacklist - Schleichen. Ballern. Oder beides

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Sam kann aber auch zur Waffe greifen und per "Execute"-Option bis zu drei Feinde gleichzeitig ausschalten.
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Ubisoft hat dazu ein System implementiert, das drei unterschiedliche Spielstile unterstützt - wobei alle parallel ablaufen. Ich kann also in einem Moment schleichend und ohne Kills durch die Levels gelangen ("Geist"), zu einem Mix aus Tarnung und Tötung greifen ("Panther") oder im nächsten Moment mit hochgeklappten Visier tätig werden ("Attacke"). Nur um kurz darauf auf eine der anderen Taktiken zurückzufallen. Das Spiel registriert eure Aktionen und verteilt am Ende der oft fordernden und meist mindestens etwa 60 Minuten langen Aufträge die oben erwähnten Punkte/Geldeinheiten.

Die KI-Feinde sollte man dabei nicht unterschätzen - sie reagieren etwa auf tote oder ausgeknockte Terroristen oder suchen nach verschwundenen Kameraden und lösen dann Alarm aus. Das erschwert selbstverständlich das verdeckte Beenden von Aufgaben. Wenn es brenzlig wird, umgehen sie auch die eigene Position und greifen aus unterschiedlichen Richtungen an. Außerdem setzen sie, wie Sam, immer wieder Störsender oder Drohnen ein, um Eindringlinge aufzuspüren. Wer nicht schnell eine neue Deckung aufsucht, beißt in direkten Feuergefechten schnell ins Gras.

Kinder(sch)leicht

Gelegentlich macht es mir "Blacklist" dann in der etwa zehn Stunden langen Kampagne aber doch zu einfach. Das "Execute"-Feature erlaubt es euch zum Beispiel, drei Gegner gleichzeitig zu markieren. Wer zuvor eine erfolgreiche Aktion abgeschlossen hat, darf dann mit einem Knopfdruck diese drei Gesellen per Headshot beseitigen. Das funktioniert übrigens nicht nur mit Pistolen, sondern auch mit einem Scharfschützengewehr und lässt sich in vielen Situationen zum Vorteil nutzen. Aber: Niemand muss das verwenden.

Sam Fishers Rückkehr ist ein Aufbruch in die technologische Moderne. Dieser Tarnanzug steht ihm verdammt gut!Fazit lesen

Ähnliches gilt für die Deckungsfunktion: Mit nur einem Knopfdruck kriecht, springt und schlittert Sam von einem Hindernis zum nächsten. Das geht kinderleicht von der Hand, funktioniert in den meisten Situationen butterweich - und geht häufig zu einfach. Doch ein Actionreißer wird aus den oben genannten Gründen aus "Blacklist" deshalb noch lange nicht.

Ihr könnt immer noch Lampen ausknipsen, euch an Rohren entlanghangeln, Wachen umgehen, euch die Schatten zum Freund machen, die Lage hinter verschlossenen Türen ausspähen und dürft keine Zivilisten töten. Wasser und Glasscherben verursachen selbstverständlich Geräusche, die euch ebenfalls das Leben schwerer machen.

Splinter Cell: Blacklist - Schleichen. Ballern. Oder beides

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Trotz modernen Design-Schnickschnacks ist Sam Fisher auch noch mit etlichen klassischen Talenten gesegnet - und das ist auch gut so.
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Splinter Cell: Blacklist glänzt abgesehen vom astreinen spielerischen Aufbau mit einem modernen Design. Hinweise, Levelziele und Beschriftungen werden etwa mit virtuellen Einblendungen an Wänden dargestellt – schick. Die Bewegungen des Agenten leuchten butterweich über den Bildschirm und die Licht- und Schattenspiele machen der Serie alle Ehre. Viel mehr ist aus der auslaufenden Konsolengeneration wohl kaum herauszuholen. Die tadellose Vertonung fügt sich in dieses Bild ein - nur die teils gewollt auf lustig getrimmten Kommentare eines gewissen Protagonisten sind fehl am Platze.

Ubisoft will mit "Blacklist" auch die Koop- und Multiplayer-Modi wieder stärken. Die oben erwähnten Individualisierungsmöglichkeiten auf der Paladin gelten deshalb auch für euren Mehrspielercharakter, die sich ebenfalls an eurem Spielstil anpassen lassen. Der Multiplayer-Modus "Spione gegen Söldner" will zudem erneut mit einem "asymmetrischen Gameplay" locken. Soll heißen: In den Vier-gegen-Vier-Gefechten zocken Spione in der Third-Person-Perspektive, während ihre Gegenparts, die Söldner, ihre Figuren in der Ego-Ansicht steuern.

Die beweglichen und flinken Spione hacken Terminals nach Informationen und schleichen durch die Levels, während die im Nahkampf toughen Söldner mithilfe von technischen Gadgets sie daran zu hindern versuchen. Die anspruchsvollen Koop-Missionen dürft ihr mit menschlicher oder KI-Hilfe übrigens auch im Splitscreen bewältigen - cool.