Es ist nich mehr lange hin bis zur Messezeit, wenn Nintendo Neuankündigungen für Switch in die Welt posaunen und Fachbesucher von der Qualität eines Super Mario Odyssey überzeugen kann. Early Adopter der neuen Konsole sollen bis dahin durch drei Hit-Titel bei Laune bleiben, deren Wurzeln in die vorherige Konsolen-Generation reichen, nämlich Zelda: Breath of the Wild, Mariokart 8 Deluxe und Splatoon 2. Sollte letzteres nicht mit einer völlig neuen Einzelspieler-Kampagne und weitreichenden Änderungen bei den Online-Spielmodi aufwarten, dürfte die Zwei im Titel kaum gerechtfertigt sein. Aber das ändert sicher nichts am hohen Spaßfaktor.

Splatoon war (und ist noch immer) ein Überraschungs-Hit auf der nun scheidenden Wii U und eine bemerkenswerte Innovation im Genre der Third-Person Shooter. Ein Ballerspiel ohne Mord und Totschlag, das trotz seiner Familienfreundlichkeit herausfordernd ist, taktisches Vorgehen verlangt und derweil ungemein viel Spaß bereitet. Für alle die noch etwas von diesem Spiel gehört haben, lautet die Zusammenfassung wie folgt: Spritze ein ganzes Kampfareal mit der Farbe deines Teams voll. Im Rudel-Match vier gegen vier gewinnt das Team, das nach drei Minuten mehr von der eigenen Farbe im Raum verteilen konnte. Frags durch das komplette vollspritzen eines Gegners sind zwar möglich stehen im primären Spielmodus aber nicht im Vordergrund.

Splatoon 2 - Kleckern statt klotzen

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Splatoon 2 bietet farbenfrohe Action für alle Altersklassen
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Klingt simpel, ist aber durch die Natur der Farbkanonen komplexer als man zuerst meinen könnte, denn sie verfügen allesamt über unterschiedliche Reichweiten, Deckkraft und Tintenvorrat. Geht die Farbe zuneige, muss das kindlich gestaltete Teammitglied zum Nachtanken in bereits versprühte Farbe eintauchen und kann derweil in irrer Geschwindigkeit durch das Kampfareal wuseln.

Ein grandioser Arcade-Spaß in quietsch buntem Anstrich, dessen J-Pop-Soundtrack für Hektik und gute Laune sorgt – oder für Stirnrunzeln, wenn man der Fraktion der bierernsten Kriegsspielfanatiker angehört.

Wie gut Splatoon 2 auf der neuen, wahlweise mobilen Plattform Switch funktioniert, konnten wir in zwei Gelegenheiten vorab prüfen. Die erste hatten wir während des offiziellen Vorstellungs-Events zum Jahresanfang, die zweite in mehreren Ein-Stunden-Sitzungen anhand der offenen Beta am vergangenen Wochenende, im sogenannten „Global Testfire“ Programm.

Nach bisherigem Stand eher ein Update als eine Fortsetzung, aber nach wie vor eine sehr spaßige Farben-Ballerei.Ausblick lesen

Leider mussten wir bei beiden Gelegenheiten sehr genau hinschauen, um Neuerungen zu finden, die aus der ursprünglichen Idee eine Fortsetzung machen. Sowohl die grafische Gestaltung als auch die Spielregeln blieben bei allen Anspiel-Gelegenheiten unangetastet, sofern man von kleineren Details wie noch knalligeren Spiegelungen absieht.

Die einzige echte neue Waffe besticht durch ihre doppelte Anzahl, denn der sogenannte „Klecks Doppler“ wartet mit zwei kleineren Kanonen und dem entsprechend zwei Fadenkreuzen auf. Sein Schussfeld ist damit weiter als das der anderen Waffen, allerdings geht auch die Farbmunition schneller zuneige. Die drei anderen Waffen, die wir ausprobieren konnten, entsprachen mehr oder minder dem bekannten Repertoire. Der Kleckser ist eine Standardkanone mit Automatik-Funktion, der Klecks-Konzentrator muss hingegen manuell bedient werden, schießt dafür aber auch sehr weit und deckt mit einem Schuss ganze Flure ab. Weiterhin stärkste Waffe im Repertoire bleibt der Klecksroller, dessen Reichweite gering ausfällt. Dafür trägt er Farbe schön breit auf und schickt Gegner schon bei kurzem Körperkontakt ruckzuck ins Frag-Nirvana.

Splatoon 2 - Kleckern statt klotzen

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Auch über den Wolken schießt ihr Gegner ab, dank den Fähigkeiten des Jetpacks!
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Zwei Sonderfunktionen bringt jeder der Tintenverteiler mit. Darunter eine wurfbereite Granate und eine Spezialattacke, die man erst nach dem Ansammeln von zweihundert Punkten innerhalb eines Anlaufs zünden darf. Der neue Klecks-Doppler bringt die interessanteste mit Sie erinnert ungemein an den Wasserstrahler aus Super Mario Sunshine, denn nach der Zündung schwebt man mithilfe zweier starker Tintenturbinen für einige Zeit über dem Boden und verteilt dabei jede Menge Farbe auf dem Boden. Alle anderen Spezialattacken stellen mehr oder minder Abwandlungen besonders konzentrierter Farbstrahler dar, die sich in Radius und Abschussvorrichtung unterscheiden. Kenner des Erstlings finden hier keine großen Überraschungen vor.

Die Sonderattacke des Klecks-Dopplers sollte bis zur Veröffentlichung im Sommer noch entschärft werden, denn wer den „normalen“ Kleckser schwingt, hat kaum eine Chance, einen hoch schwebenden Kontrahenten as der Luft zu holen, ohne in dessen Farbstrahl zu geraten. Ebenfalls anpassungsbedürftig: Der Klecksroller ist nach wie vor zu stark. Etwas feinfühligeres Balancing könnte der Spannung zuträglich sein, Überhaupt erscheinen drei Minuten je Match etwas kurz. Angesichts der zu färbenden Fläche kann kaum eine Schlachtdynamik zustande kommen, in der die Dominanz der Teams hin und her schwappt. Eine optionale Fünf-Minuten-Partie wäre jedenfalls nicht die schlechteste Idee.

Positiv fällt hingegen die erhöhte Agilität der Streiter auf. Kurze Hechtsprünge nach links oder rechts verhindern plötzliches Ableben und machen sogar Klecksroller-Veteranen das Leben schwer. Gutes Timing vorausgesetzt. Es gibt also selbst für Könner und Kenner Lernmatierial. Insbesondere was den Umgang mit der Übersichtskarte angeht.

Früher genügte ein Klick auf dem Touchscreen des Wii-U-Gamepads, um von einer Position zum nächstbesten Mitstreiter zu springen. Ohne zweiten Bildschirm bleibt nur das zusätzliche Einblenden der Karte samt einer etwas fummeligen Cursor-Steuerung per Neigungssensor. Die Kipp-Steuerung wird man hoffentlich deaktivieren dürfen, so wie im Vorgänger, denn sie kann in manchen Momenten etwas hinderlich sein.

Anderweitig ist kein Grund zur Beschwerde vorhanden, Splatoon 2 lief im Online-Testlauf lagfrei und zumindest in unseren Sitzungen ohne Verbindungsabbrüche. 1080p bei stets sauberen 60 Bildern pro Sekunde garantieren optimale Koordination in putziger Comicgrafik, die auch im mobilen Switch-Modus stets kontrastreich und gut zu erkennen bleibt.