Echte Fortsetzung statt Deluxe-Variante: Im Gegensatz zu Mario Kart bekommt Splatoon auf der Switch einen echten Nachfolger – und die Arbeit hat sich gelohnt. Splatoon 2 macht vieles noch besser als der 2015 für die Wii U veröffentlichte Erstling.

Splatoon 2 - Nintendo Switch - Trailer

Die Wii U mag ein Flop gewesen sein, mit dem Spätwerk Splatoon hat Nintendo es dennoch geschafft, eine neue Marke zu etablieren. Noch weiß niemand, wie erfolgreich die Switch nach starkem Start dauerhaft sein wird, aber diesmal gehört der Farbenkrieg schon früh zum Spielearsenal. Da die Erwartungen nach dem Erfolg von Teil eins ungleich höher sind, belässt Nintendo es nicht bei einer leicht überarbeiteten Neuauflage des Erstlings, sondern präsentiert eine vollwertige Fortsetzung.

Am Spielprinzip hat sich freilich nichts geändert: Inklinge, putzige Mischwesen aus Comic-Menschlein und Tintenfisch, bekriegen sich mit Farbe verspritzenden Waffen, die typische Shooter-Standards interpretieren: Aus dem Scharfschützen-Gewehr wird der Klecks-Konzentrator, aus zwei Uzis Doppel-Kleckser und für Nahkämpfe nehmen Inklingen keine Messer, sondern große Farbrollen, die unaufmerksame Gegner kurzerhand plattmachen.

Vier im Revier

Schwerpunkt des zentralen Multiplayer-Modus’ sind die Revierkämpfe, in denen zwei Viererteams innerhalb von drei Minuten möglichst viel Arenafläche mit der eigenen Farbe verzieren. Wie viele Gegner dabei abgeschossen werden, ist letzten Endes zweitrangig, aber natürlich kommt es ständig zu Duellen. Wer zu viel feindliche Farbe schluckt, respawnt wenige Sekunden später und hat wertvolle Färbezeit verloren. Am Ende einer Runde bekommt jeder Mitspieler Münzen und Erfahrungspunkte für seine individuelle Leistung und arbeitet sich so die Level-Leiter empor. Glücklicherweise schenkt Nintendo auch den Verlierern Punkte, der Aufstieg dauert bei Niederlagen nur eben etwas länger.

Splatoon 2 - Grandiose Farbschlacht

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Splatoon 2: Wilde Farbschlachten
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Dieses Belohnungssystem hält die Motivation hoch, denn in den ersten Partien sieht man zwangsläufig kaum Land. Mit den ersten erfolgreichen Runden kommen dann aber die ersten Levelaufstiege und diese schalten Neuzugänge im Waffen-Shop frei. Mit den erspielten Münzen erkauft man sich nach und nach ein Arsenal, in dem man hoffentlich schnell sein favorisiertes Set findet. Neben einer Hauptwaffe gehören eine Sekundärwaffe – in der Regel eine Bombenvariante – sowie eine Spezialwaffe zu einem Set. Die Spezialwaffen sind neu und reichen von hagelnden Schwarmraketen über das Tintendüser-Jetpack bis hin zum Tintenschock, der Gegner in der unmittelbaren Nähe aufmischt. Die Zusammensetzung der Dreiersets ist fest vorgegeben, es kann also eine Weile dauern, bis ihr die für euch optimale Ausstattung gefunden habt.

Splatoon 2 - Grandiose Farbschlacht

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Riesige, originelle Farbkanonen sorgen für Spaß im Spiel
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Klecksen und Schwappen

Auf der Suche nach den Waffen eurer Wahl stellt ihr fest, dass Nintendo es geschafft hat, nahezu alle Waffen interessant und effektiv zu gestalten. Nehmen wir den Schwapper, im Grunde nichts anderes als ein Farbeimer, aus dem man Farbe schleudert. Kann man sich anfangs gar nicht vorstellen, wie man damit gegen Feinde mit Feuerwaffen etwas ausrichten soll, entpuppt sich der Schwapper nach einiger Übung als großartige Nahkampfwaffe.

Die neuen Maps wirken in den ersten Runden etwas verwirrend, sind aber sehr durchdacht aufgebaut und bieten viele taktische Möglichkeiten. Die drei Minuten vergehen wie im Flug und schnell setzt der „Noch eine Runde“-Effekt ein. Durch die kurze Rundendauer kann es allerdings schwer werden, eine schlecht gestartete Runde noch zu drehen, was spielmechanisch bedingt ist: In Tinte der eigenen Farbe kann man sich in Tintenfischform nicht nur schneller bewegen, man lädt dabei auch seinen Tintenvorrat – also seine Munition – wieder auf. Wenn das gegnerische Team zu Beginn der Runde besser trifft und so schnell große Bereiche der Arena einfärbt, fällt ein Comeback nicht leicht.

Operation Goldfisch

Nach einigen Spielstunden erreicht ihr schließlich Level 10 und schaltet Rangkämpfe frei, wodurch drei neue Spielmodi hinzukommen. Bei „Herrschaft“ kämpft ihr um bestimmte Map-Bereiche, beim „Turm-Kommando“ müsst ihr einen Turm besetzen, damit dieser ins Gegner-Gebiet schippert. Bei „Operation Goldfisch“ ist es hingegen die namensgebende Goldfischkanone, eine mächtige Megawaffe, die ins Feindesland gebracht werden will.

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Zusammenarbeit zählt
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Schlagt ihr euch in den Rangkämpfen ordentlich, warten noch die Ligakämpfe, die in Zweier- oder Vierer-Teams ausgefochten werden. Spätestens hier zahlt es sich aus, wenn ihr mit Freunden zusammenspielt, um geplant vorgehen zu können. Splatoon 2 unterstützt in diesem Zusammenhang eine neue Mobile-App namens „Nintendo Switch Online“ und bietet über diese auch Sprachchat, wir konnten die App allerdings nicht vorab ausprobieren. Das ausgiebige Testen aller Online-Modi war hingegen kein Problem, wir haben nahezu jederzeit Mitspieler gefunden. Auch mit mittelmäßiger WLAN-Verbindung war die Online-Performance sehr gut, wir haben keine Verbindungsabbrüche oder stotternde Partien erlebt. Lokale Mehrspieler-Partien und sogar LAN-Runden sind ebenfalls möglich.

Splatoon 2 baut die Stärken von Teil eins weiter aus und etabliert die Marke endgültig als außergewöhnliche Option im Shooter-Segment. Für uns tatsächlich der größte Hit des Switch-Sommers.Fazit lesen

Als neuer Koop-Modus ist der Salmon Run an Bord, eine Art Horde-Modus, in dem vier Spieler Salmoniden jeglicher Ausprägung erledigen müssen. Die erspielten Belohnungen lassen sich mit in andere Mehrspieler-Varianten nehmen. Komplett für sich funktioniert der Singleplayer-Modus – was ihr hier in knapp 30 Levels an Waffen erspielt, könnt ihr also nicht in den Mehrspieler-Duellen nutzen. Trotzdem ist dieser Modus eine wichtige Säule des Spiels, denn er macht schlicht wahnsinnig viel Spaß. Fast jeder Level wartet mit frischen Spielelementen und Aufgaben auf, wir fühlten uns angesichts der Ideenfülle manchmal an ein Mario Galaxy erinnert – ein größeres Lob kann man dem Ganzen kaum machen.

In der Regel gibt euch Waffenmeister Arty für den ersten Durchgang eine bestimmte Waffe vor, danach dürft ihr jeden Level aber auch mit dem Farbverteiler eurer Wahl angehen – der Wiederspielwert ist also hoch, zumal es erneut versteckte Items gibt. Wir empfehlen euch, den Singleplayer-Modus früh anzugehen, denn er macht euch nicht nur mit vielen verschiedenen Waffen vertraut, sondern natürlich auch mit grundsätzlichen Spielmechanismen und der Steuerung.

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Knallbunt & schnell: Gameplay macht nach nur kurzer Zeit süchtig
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Gute Hybridsteuerung

In der Standard-Konfiguration nutzt Splatoon eine Mischung aus konventioneller und Bewegungssteuerung – durch sanfte Bewegungen blickt ihr nach oben und unten. Das funktioniert im TV-Betrieb sowohl mit den Joycons als auch mit dem Pro-Controller. Am Anfang mag es verlockend sein, die Bewegungssteuerung komplett abzuschalten, tatsächlich funktioniert sie mit ein wenig Übung aber sehr gut, also lasst euch darauf ein. Das Zusammenspiel aus Farbenspritzerei und schneller Fortbewegung im Tintenfisch-Modus geht schnell ins Blut über und es setzt ein wunderbarer Flow ein. Natürlich könnt ihr Splatoon auch im Handheld-Modus spielen, dann wiederum ist die Bewegungssteuerung keine optimale Lösung. Ihr müsst die Switch sehr ruhig halten, sonst verändert ihr schnell ungewollt die Blickhöhe und müsst euren Blick auf Knopfdruck neu zentrieren – kein Weltuntergang, aber eben nicht perfekt.

Technisch gibt es an Splatoon 2 dafür nichts zu beanstanden, egal, ob ihr am TV oder im Handheld-Modus spielt. Es läuft immer mit festen 60 Bildern pro Sekunde, wir haben tatsächlich keinen einzigen Slowdown erlebt – klasse! Um das zu erreichen, arbeitet das Spiel mit einer dynamisch variierenden Auflösung, was aber nicht wirklich auffällt. Kantenflimmern sieht man hingegen deutlich, wenn man darauf achtet, uns hat es allerdings nicht gestört. Einzig am Inkopolis-Platz, der Hub-Welt, halbiert sich die Bildrate auf 30 Bilder, aber dort werdet ihr euch ohnehin nicht oft aufhalten, da alle Bereiche des Spiels auch direkt über Menüs aufgerufen werden können.