Egal ob Darth Vader, Sephiroth oder Chloe aus Life is Strange, sie alle sind charismatische Charaktere die viele Fans haben - zu Recht! Aber was macht eigentlich einen charismatischen Charakter aus? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich mich wochenlang mit dem Thema befasst, Einstiegskurse in Sachen Design belegt und mir Tipps von Künstlern geben lassen. Falls also auch ihr wissen wollt, wie man zumindest äußerlich einen Protagonisten so darstellt, dass gewisse Dinge über ihn von Anfang an klar sind, dann hab ich Antworten für euch.

Am Anfang war die Form

Egal um welches Medium es sich handelt, diese Regel gilt für Charaktere aller Art: Sie sind gezeichnet von Formen. Kreise, Vierecke und Dreiecke bestimmen die grobe Silhouette, manchmal sind auch zwei dieser drei Formen in einem Charakter enthalten.

Dabei hat jede dieser drei Formen eine psychologische Bedeutung, eine Assoziation unsererseits.

So steht der Kreis für Gutmütigkeit, Nettigkeit, Unschuld, Naivität, Abwesenheit von Gefahr.

Das Viereck bedeutet Verlässlichkeit, Tradition, Verantwortung.

Zu guter letzt hätten wir das Dreieck, das auf Kompetenz, Intellekt, aber auch Aggression Hinterlist und Tücke hinweist. Besonders wenn ein umgedrehtes Dreieck die Form eines Charakters zeichnet, handelt es sich oft um einen Bösewicht.

Spielekultur - Wie man besonders interessante Charaktere designt

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Um diese Regeln noch besser zu veranschaulichen, schauen wir uns ein Beispiel an, das jedem ein Begriff sein sollte: Darth Vader. Der dunkle Lord aus Star Wars ist bekannt wie wohl kein anderer Bösewicht und wenn wir uns seine Form anschauen, bemerken wir, dass er von Dreiecken gezeichnet ist. Dank seines Capes ist seine Silhouette dreieckig, auch sein ikonischer Helm folgt diesem Muster. Zu guter Letzt hat er sogar ein Dreieck mitten im Gesicht, da wo bei den meisten Menschen ein Mund ist, hat Papa Skywalker einen trigonalen Atemfilter.

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Auf der anderen Seite hätten wir dagegen R2D2, C3PO und Chewbacca. Während gerade letzterer aufgrund der hohen Statur besonders bedrohlich wirken müsste, sieht er dank seiner Konturen eher ungefährlich aus. Hängende Schultern, ein rundes Gesicht, da möchte man doch gleich Streicheleinheiten verteilen. All diese Charaktere definieren sich über eine viereckige Grundform und werden durch Kreise abgerundet und in allen drei Beispielen findet man die Charakterzüge Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Naivität wieder.

Ein weiteres Beispiel kommt aus dem Bereich der Videospiele: Auch Sephiroth sollte jedem Zocker ein Begriff sein, ist der “Engel mit einem Flügel” aus Final Fantasy 7 doch einer der meistgehassten Antagonisten der Videospielgeschichte. Dank breiter Schultern und einer sehr dünnen Taille ist auch sein Körperbau dreieckig definiert, während sich erneut durch ein Cape ein dreieckiger Umriss hervortut.

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Dass gewiefte Charaktere allerdings nicht immer bösartig sein müssen, beweist Vincent Valentine: Der Vampir aus FF7 ähnelt von der Grundform her stark seinem Widersacher mit den grauen Haaren.

Auch für Cloud und Aerith gelten diese Regeln: Das Liebespaar versucht schließlich die Machenschaften von Shinra zu stoppen, kann aber nur selten den Fallen von Sephiroth entweichen. Wozu das innerhalb der Geschichte führt, sollten alle Freunde des Videospiels wissen.

Zu guter Letzt hätten wir Tifa: Die quietschfidele Boxerin sticht nicht nur durch ihre beiden Rundungen auf dem Brustkorb hervor, ihre fröhliche Art wird auch sonst durch das abgerundete, wenig kantige Design gezeigt. Ein rundes Gesicht, kein durchtrainierter und durchgedrückter Rücken, der hervorsticht. Dies spiegelt sich nicht zuletzt auch in ihren Boxhandschuhen wider.

Natürlich muss man diese Formen im Kontext des Universums und des Zeichenstils sehen: Auch Cloud hat genau genommen eine Figur die eher einem Dreieck ähnelt, im Vergleich zu den extrem weiten Schultern von Sephiroth und Vincent Valentine wirkt sein Kreuz allerdings unfassbar klein. Deshalb ist die viereckige Form hier deutlich passender.

Man stelle sich nun einmal vor die Rollen wären vertauscht, Sephiroth wäre ein totaler Muskelprotz oder einfach nur kugelrund? Unsere Assoziationen zum Charakter würden sich stark verändern. Statt Intelligenz würden wir ihn mit Stärke und Kraft assoziieren, seine Genialität nicht als definierenden Faktor wahrnehmen.

Diese Regeln gelten zwar für viele Videospiele, Filme und gerade Anime, doch meistens nur in Universen, in denen unrealistische Charaktere Sinn ergeben. Die fast bienenhafte Statur eines Sephiroths wäre in der echten Welt hingegen kaum möglich. Was also tun, wenn man ein realistisches Szenario gestalten möchte, bei dem die Charaktere an physikalische Gesetze gebunden sind?

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