Es fing in der letzten Konsolen-Generation an. Auf einmal erhielten große AAA-Spiele noch größere Collector’s- und Limited Editions, die oft dreimal so teuer waren wie das Spiel selbst. Aber das waren sie auch wert, denn sie waren etwas Besonderes. Aber mittlerweile ist der Markt vollkommen überschwemmt und auch die Qualität leidet darunter.

Am 25. September 2007, als die Xbox 360 und PS3 frisch auf dem Markt waren, erschien Halo 3. Ein fulminantes Spiel, das bis heute zu den besten First-Person-Shootern aller Zeiten gehört und damals entsprechend viele Preise und hohe Wertungen abräumte. Abgesehen davon, dass sich das normale Spiel sehr gut verkaufte, machte Microsoft doppelt Reibach. Denn Halo 3 erschien in drei verschiedenen Varianten: Das normale Spiel für 50€, eine Limited Edition im Steelbox-(nicht -Book)Design, inklusive Bonus DVDs für 70€ und einer Legendary Edition für 130€, bei der der Helm des Master Chiefs als Replika beilag. Gerade letzteres schien damals revolutionär, Statuen und Figuren zu den beliebten Videospielen gab es fast nie. Damals waren Limited Editions noch limitiert und Collector’s Editions das einzig Wahre.

Spielekultur - Was läuft bei den Collector's Editions von heute falsch?

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Damals etwas Besonderes: Die Halo 3 Legendary Edition
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10 Jahre später und Assassin’s Creed Origins erscheint in sage und schreibe acht (!) unterschiedlichen Versionen. Und da sind die verschiedenen digitalen Ableger, die sich nach in-game Inhalt unterscheiden, noch nicht einmal mit eingerechnet. Welcher normale Konsument soll denn da noch durchblicken? Und welcher Sammler hat bitte die Kohle, um eine komplette Assassin’s Creed Kollektion vorweisen zu können?

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Ob du wirklich die richtige Edition gewählt hast, merkst du wenn sich dein Bankkonto leert
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Aber abgesehen davon, dass die schiere Masse sowohl den durchschnittlichen Käufer als auch den beinharten Fan mittlerweile komplett überschwemmt, ist auch die Qualität selbst ein Grund zur Sorge. Die Mehrheit der Collector’s Editions besteht aus demselben Bums: Das Spiel im Steelbook, ein Artbook, eine Soundtrack-CD und eine minderwertige Plastik-Figur, die wahrscheinlich für wenige Cent in China hergestellt wurde, damit die Gewinnmarge schön hoch bleibt. Bäh. Wo ist die Kreativität, der eigene Touch? Einzig die “Take your Heart”-Edition von Persona 5 ist dieses Jahr lobenswert, hier bekommt ihr die Schultasche des Protagonisten, eine Stoff-Version vom Charakter Morgana, neben den genannten Standard in Form von Steelbook, Artbook und Soundtrack-CD. Schön!

Gut, jetzt kann man natürlich zynisch entgegnen, dass das ja eigentlich kein großes Problem sei. Schließlich gibt es mit unvollständigen DLCs, Lootboxen und schlechten Pre-Order-Praktiken genug zu diskutieren, aber das macht dieses Problem nicht unwichtiger. Denn gerade die Qualität der Statuen ist einfach so unterdurchschnittlich geworden, dass Collector’s Editions viel mehr an Abzocke statt gutem Inhalt erinnern.

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Der Gipfel des schlechten Geschmacks: Die Dead Island Riptide Edition
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Diese Collector’s Editions waren mal cool. Sie waren mal etwas Besonderes. Aber wie vieles in der Branche, ist auch dieser Bereich dem Markt und geldhungrigen CEOs zum Opfer gefallen. Jedes Bumsbuden-Spiel bekommt eine schlecht gemachte Collector’s Edition. Weil es offenbar Geld macht. Hoffentlich wird es hier bald einen Umbruch geben. Aber die Sterne stehen schlecht.

PS: Ich wollte im finalen Absatz eigentlich einen Witz darüber reißen, dass ich mir die fiktive Collector’s Edition des Landwirtschaftssimulators vorbestellen würde. Aber die gibt’s auch schon. Na ja, schade.