Verleger und Produzenten schimpfen seit Jahrzehnten über Raubkopien aller Art. Zurecht, denn wenn kein Geld durch Abverkäufe eingespielt wird, war alle Mühe umsonst und Nachfolgewerke rücken außerhalb jeglicher Reichweite, völlig egal in welcher Branche. Trotzdem hatten Raubkopien bislang nicht nur negativen Einfluss. Sie war schon immer ein zwielichtiger Begleiter des digitalen Zeitalters und nicht selten Wegbereiter für kommende Entwicklungen.

Raubkopien waren in vielen Sparten der Unterhaltungsindustrie mal ein heiß diskutiertes Thema. Heute, in Zeiten des digitalen Rechte-Managements, mag die Brisanz dahinter abgeflaut sein, aber die Problematik verschwand nie. Sie wurde höchstens verlagert. Man könnte meinen, es bestehe ein gewisser Bedarf an unerlaubt kopierten Inhalten. Oder geht es gar um reine Gewohnheit unter manchen Konsumenten?

Spielekultur - Raubkopien - Kopiert wurde schon immer!

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Nun, eine Sache ist jedenfalls klar: Die ganze Angelegenheit ist eine Frage der Wertschätzung. Von beiden denkbaren Seiten. Die einen schätzen das Objekt der Begierde ungemein, wollen es unbedingt auskosten, auch wenn sie es sich nicht leisten können. Die anderen schätzen es gar nicht und kopieren im Glauben, sie hätten es ja sowieso nicht gekauft. Nennen wir sie „Jäger und Sammler“. Die Motive beider Gruppen sind nachvollziehbar, wenn man die Entwicklung der digitalen Medien betrachtet.

Wertschätzung analoger und digitaler Medien

Als das digitale Zeitalter in den 1980er Jahren endgültig Manifestation auf dem Massenmarkt erreichte, veränderte es gleich mehrere Industriezweige auf einmal. Verlockend schienen die Vorteile von Datenträgern, die im Gegensatz zu vielen analogen Medien wie etwa Schallplatten, Audio- und Videokassetten nie an Qualität verloren, selbst wenn man sie Tausende Male abspielte. Überwältigend wirkten Klang und Farbkraft auf CD und Laserdisc, während Computer- und Videospiel-Konsolen auf immer größere Datenmengen zurückgreifen konnten.

Spielekultur - Raubkopie – der geliebte Feind

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Der weite Weg von der Wachswalze bis heute ist nicht nur einer des Fortschritts, sondern auch der Wertschätzung.
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Aber es gab auch Nachteile von besonderer Prominenz. Allem voran die Tatsache, dass eine digitale Kopie nicht von ihrem Original zu unterscheiden ist. Egal ob technisch oder inhaltlich betrachtet: Liest man digitale Daten aus und überträgt sie auf einen anderen Datenträger, so ergibt dieses exakte Abbild haargenau dasselbe Produkt. Wobei das Produkt streng genommen nicht vorliegt. Selbst das vermeintliche Original ist lediglich eine Kopie eines Datenstrangs, der nur durch Interpretation irgendetwas ergibt, egal ob ein Song auf einer CD oder ein Videospiel. Klingt seltsam, nicht wahr? Wird aber etwas verständlicher, wenn wir ein wenig ausholen, um den Unterschied zu analogen Medien zu verdeutlichen.

Im Gegensatz zu Videospielen, die von vornherein digitaler Natur waren, hatten viele andere Medien eine analoge Ära, in der zu gewissen Zeiten zwar genauso viel kopiert wurde wie heute, aber ein Original erheblich wertvoller war - sei es aus idealistischen Gründen oder schlicht aus dem Fakt heraus, dass ein Original den Genuss erhöhte.

Ein besonders ansehnliches Beispiel findet man in den frühen Tagen der Musikaufzeichnung, gegen 1890. Damals wurden die Schallwellen in einem analogen Verfahren per Nadel auf Wachswalzen geritzt. In ihrer Funktionsweise waren sie mit späteren Schallplatten vergleichbar, litten aber unter einem heftigen Problem: Das weiche Wachs nutzte sich bei mit jedem mal Abspielen unter der harten Nadel weiter ab und leierte die Furchen aus, bis die Musik völlig unkenntlich wurde. Kopieren konnte man solche Walzen nur schwerlich, und so war jedes Original ein Luxusobjekt, das man nur zu besonderen Gelegenheiten nutzte. Die Möglichkeit, einen Sänger oder gar ein Orchester im heimischen Wohnzimmer zu vernehmen, war alles andere als alltäglich – aber sensationell und somit hoch begehrt.

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Noch mit der Schallplatte und Audio-Tapes gab es Hindernisse beim Raubkopieren.
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Wie bei jedem Produkt, das eine hohe Nachfrage generiert, führte der Bedarf an haltbareren Tonaufnahmen zu einer Verkettung industrieller Fortschritte, für die Verleger Unsummen investierten. Schallplatten aus Schellack waren später nicht mehr so viel wert wie Wachswalzen, obwohl die Aufnahmen viel besser klangen. Allerdings waren sie noch sehr zerbrechlich, sodass man irgendwann auf das flexible Vinyl auswich, das sowohl beim Transport als auch im Umgang beim Endkunden Vorteile hatte. Obendrein erlaubte das präzise formbare Vinyl das Pressen zweier Tonwellen innerhalb einer Tonspur – und somit Stereoton.

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