Ich kann es nicht mehr hören. Diese ewige Zankerei um Nichtigkeiten und Präferenzen, diese Haarspalterei und Dehnung absurder Theorien. Schluss! Aus! Ende! Werdet endlich erwachsen, alle beide! Ob ihr an der Konsole spielt oder am PC ist in vielerlei Hinsicht völlig egal und bräuchte den Rest der Welt nicht zu interessieren, wenn nur dieser kleinkarierte Zickenkrieg nicht ständig Kommentarspalten zum Platzen brächte.

Im Grunde meines Herzens bin ich Idealist und es tut mir weh, Leuten beim Streiten um Nichtigkeiten zuzusehen, wenn es doch viel wichtigere Themen auf der Welt gibt, die eure Aufmerksamkeit verdient hätten. Noch dazu halte ich es für absurd, dass zwei Parteien miteinander zanken, die gar keinen Grund zum Zank haben, weil sie voneinander profitieren.

Beobachtet man die Entwicklung des Spielemarkts und wagt einen Blick an den Horizont, so offenbart sich sogar die Erkenntnis, dass Konsoleros und PC-Gamer auf derselben Seite stehen. Sie stehen einem gemeinsamen Feind entgegen. Ein Feind, der euch eurer liebgewonnen Hardware, dem Besitz einer Spielesoftware und der Eigenverantwortung entledigen will.

Wenn sich Cloud-Gaming und Streaming erst einmal durchsetzen, habt ihr überhaupt keine Maschinen mehr für eure Zockrunden vor Ort, sondern nur noch kleine Empfänger. Optimierungsmöglichkeit? Null! Dafür ohne Ende Latenzen. Verzögerungen durch das Netz, Verzögerungen durch kabellose Controller und noch mehr Verzögerungen durch Bildschirme, die das Eingangssignal digital nachberechnen. Und wenn der Hersteller entscheidet, dass 30 Frames per Second völlig ausreichen, habt ihr keine Ausweichmöglichkeit mehr. Dann heißt es friss oder stirb. Von diktierten Preisen, abgeschalteten Servern und unbeabsichtigten Serverausfällen braucht man da gar nicht erst anfangen.

Spielekultur - PC vs. Konsole: Schlichtung zwischen Gegnern, die keine Gegner sind

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Gestramte Games werden in Sachen Grafikleistung sogar den PC weit hinter sich lassen, bringt aber jede Menge Nachteile mit, die ambitionierten Spielen nicht schmecken.
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Im Moment profitieren PC-Spieler wie auch Konsolenbesitzer von einem gigantischen Vorteil: Der Vielfalt. Wir haben das Heft in der Hand und können durch unser Kaufverhalten bestimmen, was angesagt ist. Und das tun wir fleißig, siehe Xbox One und PlayStation 4. Microsoft hat sich mit dem ursprünglichen Vermarktungsplan der Xbox One sämtliche Kritiker eigenhändig an den Hals gefaselt, während das Spieleportfolio einfallslos vor sich hin dümpelt. In Konsequenz geht die PlayStation 4 zur Zeit wie geschnitten Brot über den Ladentisch, obwohl das Angebot an Spielen zur Zeit keine zwingenden Argumente liefert.

Dazwischen hopsen PC-Gamer herum und genießen eigenen Aussagen nach die Creme de la Creme des Spielgenusses, können aber in gewissen Kreisen nicht davon ablassen, jedem Konsolero vorzubeten, was er denn für ein Idiot sei. Warum denn nicht gleich ein PC? Ist doch viel leistungsfähiger! Die Frage lässt sich prima umdrehen: Warum denn nicht gleich eine Konsole? Ist doch viel komfortabler! Es geht um zwei völlig unterschiedliche Spiel-Philosophien, die man nicht gegeneinander aufwiegen kann. Äpfel und Birnen.

Punkt ist: Jeder kann genau das haben, was er will. Eine Konsole liefert gute Leistung und hohen Komfort zu einem niedrigem Einstiegspreis. Man zahlt im Laufe einer Hardware-Generation sicherlich mehr für Spiele als ein PC-Gamer, muss sich dafür aber auch um nichts abseits des Spiels selbst kümmern. Ab auf das Sofa, einen Knopf drücken, loslegen.

Der PC ist dagegen in den Augen vieler die Power-Maschine schlechthin, und es sei den Fans auch gegönnt, wenn sie diesen Vorteil ausschöpfen. Aber er hat nun mal einen höheren Einstiegspreis für die entsprechende Leistung und kann selbst mit Umleitung per HDMI an den Fernseher nicht den üblichen Konsolen-Komfort generieren. Allein schon, weil PC-Spiele meist winzig kleine Schrift verwenden. Am Schreibtisch vor dem Monitor prima lesbar, zwei Meter vor dem HDTV schon nicht mehr. Jetzt mal Hand aufs Herz, wer von euch spielt Starcraft, ein MMO-RPG oder MOBA auf dem Sofa?

Runter vom hohen Ross

Wenn wir den Streit auf seine Essenz herunter kochen und elitäre Plattitüden außen vor lassen, dann geht es um den Konflikt „Komfort gegen Power“, inklusive allem, was durch die Eigenheiten beider Seiten an vermeintlichen Nachteilen für die gegenüberliegende Partei zusammenkommt. Der Witz an der Sache ist, dass es gar nicht so viele Nachteile sind.

Von PC-Gamern zu sprechen, ist zudem nicht ganz korrekt. So sehr ich Linux einen Platz in dieser Diskussion einräumen möchte, ich kann es angesichts der Fakten (noch) nicht. Es geht also bei der PC-Fraktion um Windows-Gamer.

Das Geschimpfe gegen Microsoft kennt man aus allen erdenklichen Foren, aber am Ende hängt ein PC-Gamer doch an der Redmonder Zitze und profitiert von deren Ambitionen, ein Stück vom Gaming-Kuchen abhaben zu wollen. Drei Xbox-Konsolen resultierten daraus, und es dürfte kein Zufall sein, dass die Entwicklung der Direct X-Schnittstelle parallel zu diesen verlief, wenn man den schnellen Sprung von DX 9 zu Version 11 als einen Schritt versteht. Kaum erscheint die Xbox One, flattert die Ankündigung für DX 12 auf Windows ins Haus.

Das beliebte Argument, Konsolen würden die Entwicklung der Spieleszene verlangsamen kommt allein deswegen schon nicht hin. Expertise entsteht durch Praxis, durch die Kreativität der Entwickler beim Umgang mit gewissen Standards. Der Blick über den Tellerrand zeigt, dass auch Open GL und Web GL auf einer einzigen Fragestellung fußen: Wie holt man mit wenig Leistung so viel wie möglich aus einer Hardware heraus?

Liebe Leute, es gibt Engines, die sollen zukünftig Echtzeit-Raytracing generieren. Das war vor ein paar Jahren noch undenkbar, und ihr glaubt doch nicht wirklich, das wäre auch nur im Traum machbar, wenn nicht der Rest der Grafikdarstellung bis in die letzte Zeile optimiert wäre? Dummerweise kann man Optimierung am PC nicht besonders effizient herauskristallisieren, denn „den PC“ als festgeschriebene Größe gibt es nicht. Optimiert wird auf Konsolen, wo man es sich nicht leisten kann, weniger als den Branchenstandard abzuliefern. Und der wächst mit dem Anspruch, begrenzte Rahmenbedingungen zu überwinden. Oder durch Konkurrenz. Oder durch beides.

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Die besten Optimierungstricks lernt man dort, wo man zum Optimieren gezwungen wird: Auf Konsolen.
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Um zu verdeutlichen, worauf ich hinaus möchte, verweise ich gerne auf das ulkige Verhältnis zwischen Steam, Uplay und Origin. Drei hermetisch abgeriegelte Vertriebs-Programme, die letztendlich das gleiche Produkt auf derselben Plattform verkaufen. Das Konkurrenzverhältnis bringt keinen Vorteil in der Entwicklung, dafür jede Menge Umstand für den Verbraucher. Das Ganze wird interessanter, wenn Steam irgendwann konsequent auf Linux zugeht, aber viel ändern dürfte auch dieser Schritt nicht. Im Dreieck Xbox gegen PlayStation gegen WiiU werden nach wie vor erheblich mehr Kräfte freigesetzt, obwohl auch hier das gleiche Produkt feilgeboten wird. First Partys und Dritthersteller stehen bei den Konsolen unter Zugzwang, die vorhandene Technik mit all ihren Macken unter die Lupe zu nehmen, was zu neuen Erkenntnissen und Expertise auf dem Gebiet führt. Auf dem PC ist das eher selten der Fall. Angesichts der unendlich breiten Palette an Komponenten fällt es sogar unheimlich schwer, bei jedem neuen Spiel einen „kleinsten gemeinsamen Nenner“ zu finden. Am Ende heißt es einfach: Friss oder stirb.. äh rüste auf oder lebe mit den Nachteilen.

Selbstverständlich kann man nun argumentieren, genau dieser Umstand führe zu miesen PC-Umsetzungen. Da ist etwas Wahres dran, und man kann auch nicht leugnen, dass manche Genres darunter leiden. Etwa die frühere PC-Domäne „First Person Shooter“ , deren Entwicklung seit einiger Zeit vornehmlich zugunsten von Konsolen stattfindet. Schlichtweg, weil sie dort im Schnitt öfter über den Ladentisch gehen.

Auf der anderen Seite besteht die breite Genre-Auswahl auf Steam auch nur deswegen. Warum sollte Sega einen Fun-Racer wie Sonic & Allstars Transformed für den PC-Entwickeln, wenn dessen Haupt-Zielgruppe vornehmlich an der Konsole hockt und keinen Wert auf Grafikkapriolen legt? Angesichts des Maus-Und-Tastatur-Fetischs musste man PC-Gamer vor einigen Jahren noch an ein Joypad prügeln, sonst hätten die meisten Fifa mit trägen Keyboardtasten gezockt (so viel zur ach so anspruchsvollen PC-Master-Race) . Beat 'em Ups? Jump and Runs? Wer ist jemals in einen PC-Shop gestiefelt, um mit geschwellter Brust zu verkünden, er bräuchte einen Hammer-PC für den neuesten Super-Mario-Klon?

Zwei Zielgruppen, eine Richtung

Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Der Windows-PC profitiert von der blühenden Konsolen-Szene und der ständigen Annäherung an PC-Standards, weil Konsolen-Titel das Genrespektrum erweitern. Der PC wird dadurch attraktiver! Genauso umgekehrt. Konsolen sind kein PC-Ersatz, aber wäre es nicht bescheuert, für einen bestimmten Shooter oder ein gewisses exklusives MMO einen spieltauglichen Rechner zu kaufen? Reicht da nicht eine Adaption für Konsolen?

Die Trennung beider Zielgruppen macht ohnehin Sinn. Welcher anspruchsvolle PC-Schütze steckt 700 Lappen in einen Power-Rechner, um einen Sofa-Zocker / Ex-Konsolero im Team zu ertragen? Da treffen zwei völlig unterschiedliche Spiel-Philosophien aufeinander, darum versteh ich nicht, warum die selbsternannte „PC-Elite“ so sehr darauf erpicht ist, Konsolennutzer zu denunzieren, ja gar zu bekehren. Gibt es nicht schon genug Gamer-Kiddies auf euren Servern? Wollt ihr im nächsten Battlefield wirklich Teammitglieder, die ihre Grafikeinstellungen höher ziehen, als es für die Hardware angemessen wäre, weil die offiziellen Screenshots so aussehen?

Spielekultur - PC vs. Konsole: Schlichtung zwischen Gegnern, die keine Gegner sind

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Genrevielfalt auf dem PC. Das war vor einigen Jahren noch nicht so und wäre es ohne die Konsolenszene noch immer nicht
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Ich meine das gar nicht abwertend gegenüber Konsoleros. Die müssen sich an ihrer üblichen Spielkiste nicht mit der Grafik auseinandersetzen und ich verstehe jeden, der sich nach einem harten Arbeitstag nicht in die Materie hineinarbeiten, sondern einfach nur spielen will. Gemütlich, auf dem Sofa. Lasst ihm doch seine Konsole, verdammt!

Denn eines ist klar. So löblich die Bemühungen der Grafikkartenhersteller sein mögen, Ein-Knopf-Konfiguration und Großmuttertaugliche Menüs anzulegen, sie werden den Durchschnittskunden nicht nachhaltig erreichen. Otto-Normal-Spieler kennt schon das Gegenteil, die Apple Philosophie: Anschalten und los geht es. Da kann man noch so viel lamentieren, es gäbe ja kaum noch Differenzen zwischen den Parteien, wenn sogar schon monatliche Softwareupdates anstehen. Am Ende unterscheidet es sich doch durch seinen Automatismus; durch den Fakt, dass man eben nicht wissen muss, für welche Hardwarekomponente das Update gebraucht wird.

Lassen sich Konsolenspieler dadurch entmündigen? Ja, in gewisser Weise schon, und wer den (leicht versnobten) Anspruch pflegt, er müsse ständig die Kontrolle über seine Maschine haben, der kann damit natürlich nicht leben. Andere können sehr gut damit leben, genauso wie es sie nicht stört, leicht abgespeckte Grafik vorgesetzt zu bekommen. So lange es noch immer schön aussieht, muss das doch keinen jucken.

Wir haben eine Wahl. Wir können uns für eine multimedial starke Xbox One mit dem wohl besten Controller auf dem Markt entscheiden, oder für eine PlayStation 4, mit einem runderen Spiele-Angebot und der etwas stärkeren Grafikleistung. Oder eben für einen PC mit wunschgemäß abgestimmten Bauteilen, der von allem das meiste mitbringt, außer beim Komfort. Alles besser als die monothematische Streaming-Kultur, die uns bevorsteht, wenn wir nicht langsam mal an einem Strang ziehen.

Spielekultur - PC vs. Konsole: Schlichtung zwischen Gegnern, die keine Gegner sind

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Wer will schon Sofa-Gamer in Starcraft? Wer braucht schon PC-Snobs bei Smash Brothers? Zielgruppengerechte Hardware erleichtert uns heutzutage einiges
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Die Gamer-Gemeinschaft ist so sehr damit beschäftigt, sich untereinander zu zerfleischen, dass sie ihre eigene Stimme entkräftet. Dieser geradezu religiöse Fanatismus aller Parteien, mit Loyalitätsdogmen, von denen Kirchen träumen, führt nirgends hin. Weder Sony noch Microsoft oder Nintendo sind heilbringende Wunderpopheten. Keine noch so große Armee heftig gepimpter PCs wird Studios dazu bewegen, Konsolen liegenzulassen. Zumal die Frage offenbleibt, ob das wünschenswert wäre. Tablets und Smartphones mögen Nachteile in der Steuerung haben, aber auch hier gibt es bereits Lösungsansätze wie speziell angelegte Joypads. MobileHardware wird permanent stärker. Ohne Konsolen dürfte sich ein großer Teil der Zielgruppe also eher auf mobile Plattformen zubewegen als auf den PC. Bye Bye Vielfalt, und Tschüss Querfinanzierung für teure Projekte.

Darum müssen beide Gruppen an einem Strang ziehen und sich gegenseitig stützen. Konsoleros profitieren von der PC-Szene, so wie PC-Spieler Vorteile aus der Konsolenentwicklung ziehen. Wer das nicht kapiert, unterstützt jene Kräfte, die beides abschaffen wollen.