Alle Tage wieder kommt der Shitstorm auf das Internet nieder. Diesmal hat ein Tech-Journalist namens Dean Takahashi eine wütende Menge von Videospielern auf sich gezogen. Denn der Flegel wagte es, sehr schlecht im kommenden Jump & Run Cuphead zu sein. Die Rüge kam prompt, gescholten wurde der Tech-Journalist für seine Inkompetenz. Dabei muss man kein guter Spieler sein, um ein guter Videospieljournalist zu sein. Meistens.

In allererster Linie muss man sich der Aufgabe eines Videospieljournalisten bewusst sein. Dieser muss nämlich, und das vergessen viele, seine Spielerfahrung wiedergeben und ein möglichst generelles Fazit ziehen, von dem alle Spieler etwas lernen können. Alle, nicht nur die, die beispielsweise die Star Road aus Super Mario World blind meistern können. Das inkludiert Spieler im Alter von 50+, die möglicherweise ähnliche Probleme wie Takahashi hätten.

Der Stein des Anstoßes: Das Cuphead-Video von Dean Takahashi

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Takahashi ist offensichtlich nicht sonderlich talentiert was Jump & Runs angeht. Das sage nicht ich, das sagt er selbst. Zitat: “Ich spiele eigentlich keine Jump & Runs oder Sidescroller. Da ich aber der einzige VentureBeat-Redakteur auf der gamescom war, wurde ich dazu aufgefordert, Cuphead zu spielen.” Dass diese Situation ungewollt eine Darstellung des modernen Videospiel-Journalismus ist, der mit immer kleiner werdenden Redaktionen fertig werden muss, ignorieren wir an dieser Stelle. Viel wichtiger ist, dass Takahashi mit seinem fehlenden Skill nicht alleine ist.

Videospiele sind längst Mainstream und nicht Neuland. Egal ob League of Legends oder Candy Crush, sie sind in den Köpfen und Händen von mehr als einer Milliarde Menschen weltweit. Sicherlich, die meisten, die Videospiel-Seiten verfolgen und lesen, sind schon etwas länger dabei. Aber eben auch nur die meisten. Wenn ich als relativ talentierter Spieler durch die Level husche wie ein junger Gott, dabei aber vergesse, dass auch eine frisch gebackene Rentnerin sich möglicherweise für das Spiel interessiert, verfehle ich meine Tätigkeit. Als ich noch freizeitlich über Videospiele bloggte, legte sich meine 80-jährige Großtante einen Nintendo DS zu. Damals hab ich versucht, so zu schreiben, dass auch sie meine Reviews verstehen würde. Vielleicht würde dieser Ansatz auch heute noch weiterhelfen.

Spielekultur - Müssen Videospieljournalisten auch talentierte Zocker sein?

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Spätestens seit Pokémon Go sollte jedem bewusst sein, dass Zocken nicht nur was für Teenager ist.
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Wenn ein Videospieljournalist Probleme mit einem Spiel hat, besteht die Chance, dass mindestens 80 Prozent der Spieler diese ebenfalls hätten. Nicht über die eigenen Probleme zu schreiben, sondern zu erwarten, dass jeder auf einem hohen Niveau spielen kann, wäre falsch.

Gameplay ist nicht mehr alles

Abgesehen davon bieten Videospiele heute viel mehr als schieres Gameplay. Spiele haben sich seit den 80ern verändert, der Großteil der heutigen Neuerscheinungen fokussiert sich deutlich mehr darauf, eine starke Geschichte zu erzählen anstatt mit einem schweren Einzelspieler-Modus aufzufahren. Spiele wie Life is Strange, Phoenix Wright oder Professor Layton kann man kaum “falsch” spielen. Es gibt teilweise richtige Antworten und falsche, aber mit genug „Trial and Error“ kommt jeder Spieler ans Ziel.

Die wenigsten Lieblingsspiele des Autors erfordern viel Geschick. Welche das sind? Schaut doch mal rein!

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Selbst etablierte Rollenspiel-Franchises wie The Elder Scrolls oder Persona bieten einstellbare Schwierigkeitsgrade an. Cuphead ist eine Ausnahme, eine bewusste Erinnerung an eine vergangene Zeit dieses Mediums. Das ist das, was das Spiel ausmacht. Dean Takahashi hat vielleicht Probleme mit diesem einen Spiel, mit dem Großteil der heutzutage erscheinenden Titel sollte er allerdings keine Probleme haben. Ihm seine Kompetenzen als Journalist abzusprechen, weil er bei einem einzigen Spiel Probleme hat, ist unaufrichtig.

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