Mittelerde: Schatten des Krieges, Assassin's Creed: Origins, Star Wars: Battlefront 2 – drei der größten Spiele-Franchises haben sich im Jahr 2017 für Lootboxen entschieden und zwei dieser Titel sind noch nicht einmal Online-Games. In Overwatch dagegen gibt es die Kisten schon länger, allerdings beinhalten sie nur kosmetische Items. Die belgische Glücksspiel-Kommission testet SWB2 sowie Overwatch und wird sich womöglich entscheiden: Glücksspiel in beiden Fällen!

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“Lootboxen” sind das Wort des Jahres für uns Videospieler, dachte ich zumindest. Jetzt glaube ich eher, das Wort 2017 ist “Lootboxen-Verbot”. Wäre die Entscheidung der belgischen Kommission der erste Schritt zu einem generellen Lootboxen-Bann in Europa? Für weitere Informationen zum Thema könnt ihr unsere Berichte zur Kommission (News) und zu den Folgen (News) lesen. Wie in einem Reddit-Thread diskutiert wird, ist die Untersuchung bezüglich Star Wars: Battlefront 2 und Overwatch scheinbar noch nicht abgeschlossen.

Thema der Woche: Lootboxen ade? - Ist 2017 das Jahr, in dem Lootboxen verboten wurden?

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Kosmetische Inhalte in Overwatch-Lootboxen: Glücksspiel?
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Nur in Belgien? Keinesfalls.

Was hieße so ein Entscheid in Belgien nun eigentlich? Zunächst einmal nur, dass die Lootboxen in Star Wars Battlefront 2 und Overwatch illegal sind, da Glücksspiel in Belgien eine staatliche Lizenz erfordert. Würden EA und Blizzard die Erlaubnis zum Vertrieb einholen, könnte sich der Jugendschutz einschalten und das Mindestalter für die Spiele auf 18 Jahre heraufsetzen. Es ist fraglich, ob das Folgen für Blizzards eSport-Bestreben haben könnte.

Allerdings spricht die belgische Kommission nicht nur für das eigene Land, sondern möchte den Entscheid über die Grenzen hinweg nach Europa tragen. Der föderale Justizminister Koen Geens fordert ein EU-Verbot, also nicht nur eine Einordnung von Lootboxen als Glücksspiel. Sein Argument ist in diesem Fall, dass derartige Mikrotransaktionen eine reale Gefahr für Kinder darstellen: Die Zielgruppe der meisten Videospiele.

Hawaii steigt in die Diskussion ein: Auf Reddit äußert sich der hawaiianische Abgeordnete Chris Lee zu Star Wars Battlefront 2 und vergleicht EAs Strategie hinter den Mikrotransaktionen mit Casinos: “Diese Lootboxen und Mikrotransaktionen sind extra dafür gemacht worden, die menschliche Psyche ebenso auszubeuten, wie es Casinos tun.

Demnach hätten dieserart Strategien keinen Platz in Videospielen. Inwieweit er diese Meinung in Hawaii durchdrückt und auch gesetzliche Änderungen vorgenommen werden, bleibt der Zukunft überlassen. Fakt ist, dass die kommende Entscheidung der belgischen Kommission auch für uns Konsequenzen haben könnte; und wenn es nur erneute Diskussionen zum Thema anregt. Immerhin haben sich verschiedene Stimmen bereits in der Vergangenheit zum Thema gemeldet, wie etwa die USK- und der EU-Jugendschutz, die Lootboxen offiziell nicht als Glücksspiel definieren. Bis jetzt.

Thema der Woche: Lootboxen ade? - Ist 2017 das Jahr, in dem Lootboxen verboten wurden?

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Ob die Lootboxen in Star Wars Battlefront 2 tatsächlich zurückkehren werden?
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Lootboxen-Verbot bald in Deutschland?

Ich halte ein direktes Verbot von erwerbbaren Lootboxen eher für unwahrscheinlich.. Allein, da sich die freiwillige Selbstkontrolle der Computerspielewirtschaft in Deutschland bereits zum Thema geäußert hatte, und zwar mit demselben Ergenbnis, wie das des EU-Jugendschutzes: Kein Glücksspiel. Als ich ein Interview angefragt habe, kam keine Antwort.

Der wichtigste Faktor: Zeit. Ein Gang über die EU-Kommission ist langwierig und wird länger als ein paar Tage oder Wochen dauern. Demzufolge werden uns eventuelle Folgen erst dann treffen, wenn die Medien den Fall schon halb vergessen haben. Wenn Geens kein Verbot durchdrücken kann, dann vielleicht eine härtere Regulierung von Mikrotransaktionen. Diese wiederum könnte die großen Entwicklerstudios davon abschrecken, die Strategie überhaupt weiterzuverfolgen.

Dem Trend entgegenwirken

Nachdem Singleplayer-Spiele wie Assassin's Creed: Origins Lootboxen eingeführt haben, um etwa Einhörnern an den Spieler zu bringen, wird nun dem Trend auf politischer Ebene entgegengewirkt: Das sind für mich die tatsächlichen Folgen der letzten Ereignisse, und ich befürworte sie natürlich. Denn nein, wir brauchen keine Lootboxen in diesem Ausmaß; nicht jedes Spiel muss auf Mikrotransaktionen zurückgreifen und damit das Gefühl mindern, für gewisse, starke Items jede Menge Anstrengung ins Spiel stecken zu können und zu sollen.

Allerdings hat das Ganze auch eine Kehrseite: Was ist mit Boostern für Sammelkartenspiele? Glücksspiel, ja oder nein? Natürlich erzeugt es Spannung, die kleinen Päckchen aufzureißen und die enthaltenen Karten zu evaluieren. Und natürlich ist genau das eine Strategie der Spielemacher, um uns ein paar Cents mehr aus den Taschen zu ziehen. Wollen wir das verurteilen? Oder besser: Wollen wir darauf verzichten? Was ist mit Ü-Eiern? Die Mechanik hinter den Lootboxen ist keine Neue und wird weitläufig angewandt; oft auch ganz in unserem Sinne.

Lootboxen werden uns noch bis ins Jahr 2018 hinein begleiten, ob wir nun wollen oder nicht. Glaubt ihr, ein Verbot dieser Inhalte in Deutschland wäre möglich – oder gewünscht? Kennt ihr Menschen, die süchtig danach geworden sind, sich inGame-Inhalte zu kaufen? Wir halten euch auf dem Laufenden, falls doch noch ein paar Antworten seitens der deutschen USK eintrudeln.