Streamer, die allein in ihrem Kämmerlein sitzen und 16 Stunden oder mehr am Tag arbeiten, sollen nun Rundfunklizenzen kaufen und als vollwertiger Sender agieren. Ist das teuer? Ja. Können das viele ‘normale’ Streamer bezahlen? Nein. Ist das ein Schritt in Richtung einer “digitalen Spitze”, wie sie Angela Merkel (News) zur gamescom 2017 noch anstreben wollte? Nein.

Streamer & Let’sPlayer Erik “Gronkh” Range bringt es in seinem Vlog zur Rundfunklizenz auf den Punkt: Der Zwang zur Lizenz ist ein Rückschritt für das digitale Deutschland:

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Was hat die Rundfunklizenz mit Streamern zutun?

Falls ihr das Debakel rund um Gronkh, PietSmiet und die Landesmedienanstalt in NRW verpasst habt, werden euch meine Nachrichten “Kampf gegen die Rundfunklizenz” und “Gronkh wird Fernsehsender” besser über die Ereignisse ins Bild setzen. Jetzt nur die Kurzfassung:

Vor etwa einem Jahr wurden unter anderem der Streamer Gronkh sowie die Gruppe PietSmiet, die beide zu der Zeit noch aktiv auf Twitch streamten, der Landesmedienanstalt gemeldet. Es müsse den gesetzlichen Regelungen nach eine Rundfunklizenz her, eine Lizenz, die eigentlich Sender im Fernsehen einholen müssen, um, nunja, senden zu dürfen.

Wie kommt es eigentlich, dass Kanäle plötzlich zu Fernsehsendern mutieren? Gerade Streamer sind häufig (nicht immer) Privatpersonen, die keineswegs mit einem vollwertigen Sender vergleichbar sind. Die Gesetze sehen das jedoch anders, denn eine Pflicht zur Rundfunklizenz besteht, wenn folgende Kriterien (GamesWirtschaft) erfüllt sind:

  • es handelt sich um einen Live-Stream, dem es technisch möglich ist, 500 Menschen (oder mehr) zu erreichen
  • er wird redaktionell aufgearbeitet (Kommentar des Moderators reicht)
  • er wird live übertragen
  • ein Sendeplan wird eingehalten (Stream kommt jeden Montag um 20 Uhr etc.)

Gerade erster Punkt sorgt gerne für Verwirrungen, denn nein, es handelt sich nicht um Streams, die mindestens 500 Menschen erreichen. Sondern um Inhalte, die so viele Zuschauer erreichen können, was somit auf jeden Twitch-Kanal zutrifft. Wie Gronkh in seinem Vlog ausführt, können bald aber auch Live-Streams auf YouTube, Facebook, Twitter, und so weiter, betroffen sein.

Gronkh selbst, momentan bekanntester Let’sPlayer und Streamer in Deutschland, hat sich zunächst gegen die Medienanstalt gewährt; gerade um einer erzwungenen Rundfunklizenz für alle Live-Streamer nicht den Weg zu ebnen. Vergebens, denn schließlich musste er nachgegeben, um seine Streams zu retten. Denn ohne Lizenz wären die offiziell illegal geworden.

Gronkh kann sich die Lizenz leisten, PietSmiet dagegen hat schon vor Monaten seinen Twitch-Kanal aus Protest abgeschaltet. Was passiert, wenn die Landesmedienanstalt nun weitere Briefe verschickt? An kleinere deutsche Streamer, die keine mehrere tausend Euro auf Tasche haben?

Thema der Woche: Gronkh und die Rundfunklizenz - Ein Rückschritt für das digitale Deutschland

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Angela Merkel zur gamescom 2017
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Angela Merkel: “Wir wollen zur digitalen Spitze werden”

Es ist noch gar nicht so lang her. Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte im August 2017 die gamescom in Köln und ließ in ihrer Rede optimistisch verlauten, sie wolle Deutschland an die “digitale Spitze” treiben. In Anbetracht unserer nicht sehr hohen digitalen ‘Spitzigkeit’ sowie der momentanen Entwicklungen wirken die Worte der Kanzlerin doch recht leer.

Denn welche Möglichkeiten bleiben kleineren Streamern, wenn sie sich die Lizenz nicht leisten können oder wollen? Sie würden ins Ausland ziehen, eine durchaus rationale Entscheidung. Für Deutschland heißt das jedoch nur, dass der digitale Markt weiter verdorrt, wie ein Fleck Rasen im ewigen Schatten.

Thema der Woche: Gronkh und die Rundfunklizenz - Ein Rückschritt für das digitale Deutschland

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Gronkh ist nun auch ein Fernsehsender: Freude kommt dabei jedoch nicht auf
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Noch dazu werden Steuereinnahmen wegfallen, wie Gronkh es im Video bestätigt: Streamer zahlen steuern; selbst Spenden von Zuschauern an die Twitcher werden recht großzügig besteuert – was alles wegfällt, schließen die Kanäle. Illegal streamen ist auch keine Möglichkeit, denn dann winken die wirklich großen Bußgelder:

Wenn man diese wild agierende Landesmedienanstalt NRW weiter agieren lässt, dürfte es bald weniger Steuereinnahmen geben. Denn die Streams, die ja von allen angeschrieben werden, sind steuerpflichtig. Denn alle Subscriber, alle Donations, die da auflaufen, entgegen aller Gerüchte, sind steuerpflichtig”, sagt Gronkh in seinem Vlog zur Rundfunklizenz.

Wie sieht die Zukunft der Streamer-Kultur in Deutschland aus?

Die eigentliche Frage ist also, ob die Rundfunklizenz das Aus deutscher Streamer bedeuten könnte; oder zumindest einen derben Rückschlag für Twitch & Co. in Deutschland. CDU-Politiker Peter Tauber hat sich bereits vor einem Jahr für Streamer eingesetzt, wir ihr in seinem Blogeintrag nachlesen könnt: “Anstatt Innovation zu nutzen, um mit einer ausgewogenen Deregulierung neue Angebote zu ermöglichen, verharrt man im alten Denken.

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Sollte es eine Gesetzesänderung geben? Und wenn ja, wie genau wird die aussehen? Wie lange dauert es, bis sie in Kraft tritt? Als wir Tauber um ein Interview gebeten haben, wurden wir nur weitergeleitet. Aber auch auf die zweite Anfrage hin haben wir keine Antwort erhalten. Wie die CDU zu all dem steht, bleibt demnach im Unklaren. Es erscheint mir, als würde Deutschland der digitalen Spitze und dem Fortschritt mit verstauchtem Bein und einer typischen Schlafmütze hinterherhinken. Wie schon so oft, leider.