Es ist bewundernswert, dass es das Thema Computerspiele hin und wieder auf eines der größten deutschen Nachrichtenportale, Spiegel Online, schafft. Da werden sogar Spiele besprochen, auch wenn man sicher nicht von einem echten Test sprechen kann. Aber immerhin, Computerspiele sind Kulturgut geworden, verstehen sich manchmal sogar als Kunst, manche bezeichnen echte Perlen gar als Kunstwerk.

Das ist für die Spieleindustrie sicherlich ein Erfolg. Aus dem einstigen Nischendasein ist ein ernsthafter Industriezweig geworden, mit einem Umsatz, der selbst Hollywood zum Nachdenken bringt.
 
Vielen Verlagen und noch mehr reinen Online-Portalen bringt dieser Boom Arbeit und Arbeitsplätze. Redaktionen wurden in den letzten Jahren kräftig aufgerüstet. Vom ausgebildeten Journalisten bis hin zu guten Autoren, die ihr Hobby und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben, ist alles zu finden. Vom Quereinsteiger bis zum Magister Artium – die Spanne reicht weit und die Qualität der abgelieferten Arbeit ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Und dabei rede ich nur von den rein kommerziellen Portalen, die mit ihrer Existenz andere Existenzen ernähren wollen. Von all den Hobby-Blogs ganz zu schweigen, unter denen auch die eine oder andere Perle zu finden ist.
 
Autor Christian Schmidt, ehemals stellvertretender Chefredakteur der Printausgabe der Gamestar, hat nun in seinem Beitrag "Mehr Geist bitte, liebe Games-Tester" auf Spiegel Online die Qualität der Spieletests und der Spieletester kritisiert. Auch prangert er das Lohnniveau an, das in den einschlägigen Redaktionen vorherrsche. Ich darf zitieren:
 
"Die Aufgabe eines Journalisten schließt ein, sich Detailwissen anzueignen, indem man Spezialisten befragt. Aber Journalisten, die das beherrschen, sind teuer, Laien günstig. Manche Publikationen werden inzwischen zu einem großen Teil von Praktikanten befüllt. Freie Autoren erreichen bei einem Durchschnittshonorar von 200 Euro für einen Test nicht selten einen Stundensatz, der unter dem Mindestlohn für Reinigungskräfte (8,55 Euro) liegt."
 
Lieber Herr Schmidt,
es wäre schön gewesen, wenn Sie vor dem Verfassen Ihres Artikels aus Gründen der sorgfältigen Recherche mal in unseren Büros vorbeigeschaut hätten. Unser Chefredakteur hätte sich sehr gefreut, Ihre Auffassung über Lohnniveau ins rechte Licht zu rücken. Sie hätten festgestellt, dass die gamona-Redaktion aus einem studierten Germanisten (Chefredakteur) besteht und aus zwei weiteren erfahrenen Redakteuren, die ihr Handwerk im Rahmen eines klassischen Volontariats erlernt haben. Und dass all die freien Autoren, die gamona unter Vertrag hat, ebenfalls erfahrene Journalisten sind.

Einer schreibt seit vielen Jahren für mehrere Publikationen, ein weiterer arbeitet als Redakteur bei n-tv, ein dritter ist vollberuflicher Kinokritiker. Zugegeben, da gibt es tatsächlich den einen oder anderen Praktikanten. Einer sogar ebenfalls mit Magister Artium. Und sie machen ein Praktikum, weil sie ihr Handwerk erlernen möchten, weil sie tieferen Einblick in den Online-Journalismus gewinnen möchten. Ist das schlimm?
 
Keiner der aufgezählten Redakteure arbeitet auf „Reinigungskraft-Lohnniveau“. Viele Unternehmen zahlen Praktikanten gar nichts, wir schon. Aber selbst wenn das Lohnniveau auf Basis einer Reinigungskraft liegen würde: Warum würdigen Sie ehrenwerte Arbeit herab, Herr Schmidt? Sind Reinigungskräfte wirklich so weit unten auf der gesellschaftlichen Skala angesiedelt, dass man ihren Lohn als Vergleich mit einem Spielejournalisten heranziehen muss? Viele Reinigungskräfte machen ihren Job gut, verdienen sie aber zu wenig? Viele Spielejournalisten machen ihren Job gut, verdienen sie auch zu wenig? Da geraten wir doch glatt in eine politische Diskussion. Ich schweife ab.
 
Was schreibt mir ein liebgewonnener Kollege eines unserer Mitbewerber dazu: Wenn mir ein Leser 5 EUR PRO ARTIKEL bezahlt und den 5000 Leute lesen, dann zahl ich auch 1000 EUR für dessen Erstellung - kein Thema. Vielleicht ein wenig barsch, aber in der Sache sehr richtig. Spieleportale können inzwischen vernünftige Gehälter bezahlen, Traumgagen allerdings sind nicht drin. Dazu ist die Abhängigkeit von der Werbeindustrie einfach zu groß.
 
Aber lassen wir das Thema Löhne mal beiseite. Herr Schmidt kritisiert auch die Betrachtungsweisen vieler Spielejournalisten. Sie müssten aufhören, Spiele als Summe einzelner Teile zu begreifen, und lieber ihren Blick auf das Ganze richten und den Kontext kennen. Auch müsse Spielekritik intelligenter werden, weniger Funktionsbeschreibung sei gefordert und lieber mehr ökonomische, ethische, politische, künstlerische und gesellschaftliche Urteile.
 
Da haben Sie Recht, Herr Schmidt. Genau das ist unser Anspruch und genau das tun wir. Manchmal gelingt das sehr gut, ein andermal nicht so. Es ist eben wie in jedem künstlerischen Beruf: Mal wird ein Bild sehr schön, mal misslingt der Pinselstrich.
 
Es ist nicht in Ordnung, dass Sie ein äußerst pauschales Urteil über den Spielejournalismus in Deutschland fällen. Unser Anspruch, gamonas Anspruch und der vieler Mitbewerber ist es, hochwertige Texte zu liefern, kritische Betrachtungsweisen einzuhalten und sich als modernes und weltoffenes Medium im Unterhaltungsbereich zu positionieren. Und ich weiß, dass es andere, mit uns vergleichbare Portale ähnlich sehen und ihnen die Qualität ihrer Arbeit sehr wichtig ist.
 
Die Herausforderung, ein Spieleportal zu betreiben, das Löhne und Gehälter abwirft, ist eine sehr große. Man braucht Enthusiasten, die ihren Beruf lieben, man braucht aber auch Idealisten, die hinter Spielen auch einfach nur das sehen wollen, was so wichtig ist: den Spaß am Spielen.

Wenn Sie den Spaß an der Sache nicht aus den Augen verloren haben, Herr Schmidt, dann sind Sie schreiberisch sicher in der Lage, entsprechend hochwertige Rezensionen zu verfassen. gamona.de ist an solchen Texten immer interessiert. Ob wir allerdings über Reinigungskraftniveau zahlen können, ist am Ende Verhandlungssache.