So schlecht kann es um unser Hobby nicht bestellt sein, wenn dieser Artikel überhaupt möglich ist. Immer wieder wägen wir aufs Neue ab, entscheiden uns zugunsten eines Spiels gegen ein anderes, nur um derweil unseren Stapel der Schande beim Wachsen zuzusehen. Uns geht es da nicht anders als euch, nur stehen wir auch beruflich vor diesem Für und Wider, bei dem unweigerlich Games auf der Strecke bleiben. Zeit, einige von ihnen noch einmal zu würdigen.

177 Tests haben wir dieses Jahr auf gamona veröffentlicht. Alle zwei Tage habt ihr im Schnitt mit uns über ein aktuelles Spiel diskutiert, was kein schlechter Schnitt und trotzdem kaum mehr als ein Kratzen an der Oberfläche ist. „Nun kommt es in einer Drei-Mann-Redaktion unweigerlich vor, dass Spiel XY erst dem engen Zeitplan zum Opfer, schließlich der Vergessenheit anheimfällt“, schrieb ich Anfang September noch als Einleitung meines King's-Quest-Tests – drei Monate später hat sich daran kaum etwas geändert.

Wir versuchen stets unser Bestes, euch einen möglichst breiten Blick auf das Medium Videospiel zu ermöglichen, haben neben riesigen Mainstream-Produktionen deshalb auch regelmäßig Indies wie das großartige Undertale, Jotun oder Titan Souls im Programm. Das klappt mal besser, mal schlechter, kann bei dem digitalen Überangebot aber nur eine knappe Auswahl möglicher Geheimtipps sein, bei der es zwangsläufig auch Verlierer geben muss.

Um kurz vor knapp nun doch noch einige besonders sympathische Projekte ins Rampenlicht zu zerren, widmen wir diesen Artikel all jenen (oder zumindest einer Auswahl an) Spielen, für die es 2015 leider nicht auf gamona gereicht hat. Beachtet dabei, dass die Reihenfolge dieser Liste beliebig ist und keinem Ranking entspricht. Und genau wie in unserer Artikelplanung können auch hier nicht alle Games berücksichtigt werden. Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir eurer Meinung nach Spiele vergessen haben – aber dafür gibt es ja die Kommentare. Was sind eure Geheimtipps des Jahres? Lasst es uns wissen.

Die größten Geheimtipps 2015 - Diese Spiele habt ihr dieses Jahr (vielleicht) verpasst

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Viel mehr bekommt ihr in Her Story kaum zu sehen, das ist aber auch gar nicht nötig.
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Her Story

Neben Undertale die womöglich größte Indie-Überraschung des Jahres und seit den Game Awards Anfang Dezember völlig zurecht ein doppelter Preisträger. Her Story verwischt die Grenzen zwischen Spiel und Film, überträgt euch die Aufgabe, anhand der Polizeibefragung einer jungen Frau den Fall ihres vermissten Ehemanns aufzuklären – und tut dies auf brillante Weise. Minimalistisch und zugleich höchst effektiv entwirrt sich vor euren Augen eine komplexe Detektivgeschichte, die mit euren Erwartungen spielt, diese clever unterläuft und zu den einzigartigsten Erfahrungen des Jahres gehört. Großes Kino.

Kerbal Space Program

Ein „Don't judge a book by it's cover“-Kandidat, von der ersten spielbaren Version im Juni 2011 bis zur finalen Veröffentlichung im April diesen Jahres. Kerbal Space Programm ist hässliches Entlein und kreativer Höhepunkt der stark ausgedünnten Weltraumsimulationen zugleich. Das Sandbox-Spiel gibt euch statt konkreten Zielen einen großen Baukasten an die Hand, mit dem ihr Raketen konstruieren, historische Ereignisse nachstellen oder eigene Mission basteln könnt. Eine mit 40 Euro nicht ganz günstige Spielwiese, die sogar von namhaften Weltraumunternehmen wie der NASA und SpaceX interessiert verfolgt wird. Ein größeres Kompliment kann man einem Spiel dieser Art kaum machen.

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Hässliches Entlein, wie gesagt. Lohnt sich aber.
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N++

Ein Strichmännchen, 2360 Level und unendlich viele Möglichkeiten für Masochisten: N++ ist so etwas wie der Mario Maker in klein, ein perfider Baukasten, mit dem ihr so ziemlich alles bauen, was ihr euch vorstellen könnt. Das ursprüngliche Konzept setzte sich bereits vor rund zehn Jahren als simples Flash-Spielchen durch, während es 2008 erstmals auch kommerziell auf DS, PSP und vor allem Xbox Live Arcade vermarktet wurde. Während diese Versionen aber noch so ihre Problemchen mit dem Teilen von erstellten Leveln hatten, nimmt N++ diese Hürde mit Bravour und bietet euch eine schier unendliche Auswahl verschiedenster Kreationen. Kann man nächtelang daddeln – glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung.

Broforce

Wir könnten euch jetzt erklären, dass Broforce ein völlig abgedrehter 2D-Sidecroller-Shooter mit Pixel-Actionstars und Multiplayer-Ausrichtung ist. Oder wir zeigen euch einfach diesen offiziellen Trailer:

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The Beginner's Guide

Er hat es schon wieder getan. Nachdem Davey Wreden bereits mit The Stanley Parable das Internet gewonnen hat, ging er 2015 mit seinem neuesten Spiel erneut auf digitale Selbstfindung. Und wie schon zwei Jahre zuvor, ist es auch diesmal nahezu unmöglich, über das Spiel zu sprechen, ohne es euch gleichzeitig nicht kaputtzumachen, wenn ihr es bislang noch nicht selbst ausprobiert habt. Die vage Adventure-Schublade ist hier ebenso unnütz wie der schon konkreter schraffierte „Walking Simulator“-Oberbegriff, unter dem Spiele wie Gone Home, Dear Esther oder eben The Beginner's Guide versammelt sind. Ein konkretes Ziel gibt es kaum, auch kein „Gameplay im eigentlichen Sinne“; Wredens Indie ist in erster Linie ein narratives Projekt – und eines der interessantesten, die ihr dieses Jahr spielen konntet.

OlliOlli 2

„Das bessere Tony Hawk“ hätten wir noch vor einem Jahr augenzwinkernd gemeint – nach dem Desaster von Pro Skater 5 hingegen sind wir uns nicht mehr so sicher, wie viel Wahrheit tatsächlich in dieser Aussage stecken könnte. Fakt ist: OlliOlli ist mit Abstand der gelungenere Zeitvertreib, auch wenn beide Spiele bis auf die Skateboard-Thematik wenig gemein haben. Während ihr im aktuellen (und hoffentlich letzten) Tony Hawk flucht, weil das Spiel, Entschuldigung hierfür, ganz schrecklich beschissen ist, werft ihr das Pad bei OlliOlli ob des unmenschlichen Schwierigkeitsgrades in die Ecke – und habt dabei trotzdem jede Menge Spaß. In der Fortsetzung brettert ihr nach wie vor mit wenigen Tasten, dafür umso mehr Feingefühl an schicken Kulissen vorbei und zieht mit präzisen Tricks vom Leder. Eines jener „Nur noch ein Versuch“-Spiele.

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Stylish, coole Mucke und bretthart (ihr versteht, Brett? Wie ein Skate...ach, lassen wir das).
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BoxBoy!

Viel reduzierter als der schwarz-weiße Puzzle-Plattformer BoxBoy! kann sich ein Spiel kaum präsentieren, viel effektiver aber auch nicht. Mit dem Minimum an technischem Aufwand, aber einer cleveren Idee haben die Kirby-Entwickler von Hal hier einen kleinen eShop-Geheimtipp gezaubert, in dem ihr euch mit einer vorgeschrieben Anzahl jederzeit erzeugbarer Blöcke einen Weg durch etliche Level bahnen müsst. Das klingt genauso unspektakulär wie es aussieht und ist nichtsdestotrotz ein Zeitfresser und perfekter U-Bahnfahrt-Begleiter.

Crypt of the NecroDancer

Ein mehrfach ausgezeichnetes Roguelike-Dungeon-Crawler-Pixel-Rhythmusspiel – Wortkombinationen, von denen wir bislang selbst nicht wussten, sie unbedingt einmal schreiben zu wollen. Und tatsächlich trifft das den Nagel auch ziemlich auf den Kopf, denn genau das ist Crypt of the NecroDancer, bei dem ihr euch im Takt zum Soundtrack oder sogar eurer eigenen Musik durch düstere Höhlen klöppelt, bis eure Ohren oder alternativ Nerven bluten, denn eine sonderlich einfache Angelegenheit ist das hier nicht.

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Blues and Bullets

Nicht unbedingt ein Goldaward-Geheimtipp, aber doch ein außergewöhnlicher. Blues and Bullets ist ein episodisches Adventure und als solches keine Offenbarung, durch seine Noir-Ästhetik, dichte Atmosphäre und Entscheidungsfreiheit aber in jedem Fall nicht von der Art Spiel, das man allzu oft unter die Nase bekommt. Pressestimmen reagierten uneins auf dieses ungewöhnliche Projekt, Steam-Nutzer hingegen sind sich deutlich einiger und geben auf zehn positive nur eine negative Bewertung ab. Außerdem #1: Geralt-von-Riva-Sprecher Doug Cockle leiht Detektiv Eliot Ness seine markante Stimme. Außerdem #2: Die erste Episode kostet gerade mal einen Fünfer auf Steam. Kann man nicht viel falsch machen.

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Auch so ein Stilgenre, das es viel zu selten gibt: Noir.
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Helldivers

Zwei-Stick-Shooter sind wie Tower-Defense-Spiele ein Genre, von denen es gefühlt nie genug geben kann – von Brettern wie Helldivers schon gar nicht. Die PC- und PS4-Ballerei pfercht euch gemeinsam mit bis zu drei Freunden und einem Sechserträger Bier eurer Wahl auf die Couch, bis ihr die „Super-Erde“ von futuristischem Gesocks befreit habt. Im Gegensatz zum Gros anderer Twin-Stick-Lückenfüller ist Helldivers überraschend taktisch, knallt euch schnell einen Game-Over-Bildschirm vor den Latz, wenn ihr eure Sinne nicht beisammen hat.

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