Immer wieder kommt unter Gamern die Frage auf: Wieso sind Asiaten eigentlich so gut in Videospielen? Eine gute Frage, wenn man sich einmal die Resultate populärer eSport-Disziplinen anschaut. Doch je länger man sich mit diesem Thema befasst, desto offensichtlicher wird, dass es sich um einen generalisierenden Stereotypen handelt. Denn nicht jeder Inder, Japaner oder Koreaner ist gut in Videospielen. Und wenn von “Asiaten” gesprochen wird, werden meistens zwei bestimmte Länder damit gemeint: Südkorea und China. Warum gerade Südkoreaner in vielen PC-Hits die Oberhand behalten, das erklären wir euch heute.

Obwohl Südkorea von der Population her kleiner ist als viele europäische Länder (wie beispielsweise Deutschland oder Frankreich), dominieren Südkoreaner in eSport-Disziplinen wie League of Legends, Overwatch oder Starcraft 2 so sehr, dass Gegenwehr fast vergeblich scheint. Sie sind eine schiere Übermacht in der Welt des kompetitiven Gamings. Woran liegt das? Nun, dafür müssen wir uns mit der Geschichte des Landes befassen und ein wenig die Zeit zurückdrehen.

Die technische Revolution Südkoreas

Anfang der 1960er ging es Südkorea nicht gut. Aufgrund der Kriege und internen Revolutionen der Vorjahre war Südkorea gebeutelt, eines der ärmsten Länder der Region. Dann kam der Diktator Park Chung-hee an die Macht, welcher mit einer rigorosen Politik den Wirtschaftsaufschwung Südkoreas antrieb - gebaut auf der Entwicklung moderner Technik. Firmen wie Samsung und LG wurden durch diesen Aufschwung groß. Und diese Marken symbolisieren bis heute den südkoreanischen Wandel zu einem der technikaffinsten Länder der Welt. Was für den Deutschen sein Volkswagen ist, ist für den Südkoreaner sein Samsung-Bildschirm.

Dieser finanzielle Wandel hinterließ auch in der Kultur seine Folgen: Computer und Internet waren in Südkorea die Norm, lange bevor Deutschland oder andere europäische Länder diesbezüglich aufschließen konnten. Ein südkoreanischer Trend, der gerade für die Gaming-Gemeinschaft des Landes wichtig war, sind die “PC Bangs”: Internet-Cafés speziell für Gamer. Gegen einen kleinen Obolus von etwa einem Euro pro Stunde konnten Gamer dort ihre Lieblingsspiele wie Starcraft: Brood War oder DotA auf High-End-Geräten spielen, sich mit anderen Spielern treffen und brauchten keine Angst vor der Frau Mama haben, die möglicherweise den Stecker des Internet-Routers ziehen könnte. Zudem gibt es für das Nutzen der PC-Bangs spielinterne Boni, wie EXP-Boosts oder die Freischaltung aller Champions im Spiel. Während das Spielen auf High-End-Geräten hierzulande immer noch als Privileg gilt, ist der Zugang zu solch hochgezüchteter Hardware für südkoreanische Gamer dank der PC Bangs immer und überall verfügbar.

Und wurde eigentlich bereits erwähnt, dass Vollpreis-Spiele, wie beispielsweise Starcraft 2 oder Overwatch, komplett kostenlos sind, wenn man sie auf den Computern der PC Bangs spielt? Nein?! Nun, genau das ist der Fall. Auch wenn viele jetzt denken, dass EUR 40,- für ein Spiel eigentlich kein Problem darstellen sollten, gibt es hierzulande genug Gaming-begeisterte Menschen, die sich dieses Budget leider nicht leisten können. Auch hier schaffen die südkoreanischen PC Bangs Abhilfe - und gleichzeitig eine komplett neue Gaming-Subkultur, die nicht vom sozialen Stand sondern lediglich der Motivation der Spieler abhängig ist.

Spielekultur - Deshalb sind Asiaten so viel besser in Videospielen

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Gamer bei der Arbeit in einer PC Bang
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Das Resultat der PC Bangs

Sowohl die kulturelle Akzeptanz als auch der Umstand, dass Gaming in Südkorea keineswegs ein Privileg ist, führt zu unverhältnismäßig großen Massen an Gamern innerhalb des Landes: Wenn man den zahlreichen Statistiken Glauben schenken mag, spielen mehr als 10% der dortigen Bevölkerung League of Legends. Das sind prozentual gesehen etwa so viele südkoreanische League of Legends Spieler, wie Deutsche, die aktiv Fussball spielen.

Dies spiegelt sich dann natürlich auch innerhalb der kompetitiven Szene wieder: Je mehr Spieler innerhalb eines Landes einen bestimmten Titel spielen oder eine Sportart betreiben, desto besser können die Spieler trainieren, verschiedenste Taktik-Kniffe ausprobieren und starke Teams formen. Die Strukturen und generelle Haltung gegenüber einer Sportart ist hier entscheidend. Ein simples Beispiel: Genauso wie Deutschland, trotz seiner deutlich kleineren Population als etwa Indien, eine der besten Fussballnationen ist, dominiert Südkorea im eSport aufgrund gleicher Umstände und Verhältnismäßigkeiten.

Da habt ihr’s: Die Erklärung weshalb Asiaten Südkoreaner so verdammt gut in Videospielen und besonders in den populären eSport-Disziplinen sind. Wir hoffen, euch hat diese kleine, soziologisch angehauchte Reise in die Welt Südkoreas gefallen. Falls euch also jemand fragen sollte, weshalb Asiaten so gut in Videospielen sind, wisst ihr nun Bescheid. Und könnt umgehend für Aufklärung sorgen...