Wir brechen in die Zukunft auf, also alles zurück auf Start! Ein Widerspruch in der Konsolen-Welt? Und ob! Microsoft und Sony haben offenbar vergessen, wie und warum Konsolen einst den Markt eroberten. Anderweitig ist die Entwicklung der letzten Monate in diesem Markt nur schwer zu erklären.

Erinnert ihr euch an die Steam Machines? Von Valves Konzept ist bislang nur wenig zu sehen. Genau genommen braucht niemand mehr eine, denn wir haben längst ein Gerät, das alle diese Anforderungen erfüllt. Nennt sich Xbox One und krepelt seit zweieinhalb Jahren hinter der PlayStation 4 her.

Dass Microsofts Konsole diesen Stand einnehmen würde, war den allermeisten nicht klar – inklusive meiner Wenigkeit. Wie denn auch, sie wurde schließlich als eigenständiges Produkt angepriesen. Dass sie die Rolle der Steam-Box einnehmen würde, wurde erst deutlich, als Microsoft die Umsetzung aller wichtiger Systemseller auf den PC verkündete.

Allein die Meldung, sämtliche zukünftigen Ableger der Forza-Rennspielserie auch auf dem PC herausbringen zu wollen, darf als Bankrotterklärung gewertet werden. Damit wird der Konsole eines der wichtigsten Verkaufsargumente genommen. Microsoft gräbt sich selbst das Wasser ab. Und nicht mal auf geschickte Weise, denn nüchtern betrachtet hat Forza auf dem PC wenig Chance, sich gegen die mächtige Konkurrenz im Rennspielsektor durchzusetzen. Eine Marktlücke füllt allerhöchstens der Horizon-Ableger mit seiner frei befahrbaren Welt. Die Sim-Ableger dürften im Vergleich mit Assetto Corsa, Project Cars und den ganzen Ultra-Sims hingegen den Kürzeren ziehen, egal ob finanziell oder inhaltlich. Gewonnen hätte Turn 10 damit nichts, und Microsoft sowieso nicht.

Spielekultur - Das Ende der Konsolen?

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Forza erscheint also auch auf dem PC, schön und gut. Dumm nur, dass Microsofts Vorzeige-Rennserie schon immer der Xbox auf den Leib geschneidert wurde.
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Klar, in dieser Aussage steckt ein wenig Spekulation. Aber besonders weit lehne ich mich damit nicht aus dem Fenster. Warum sonst sollte die verkürzte Fassung von Forza Motorsport 6 mit dem Anhängsel Appex auf dem Windows-10-Marktplatz verschenkt werden? Das Einzige, was Hersteller und Vertrieb damit erreichen, ist eine Vergrößerung des Bekanntheitsgrads. Die Kritik der knallharten Rennspielfans wird damit aber keineswegs verstummen. Sollte die Forza-Serie also keine revolutionäre Neuerung mitbringen, die alle bisherigen Verhältnisse auf dem Kopf dreht, dann hat man in Redmond gerade einen Konsolen-Systemseller zum nächstbesten dahergelaufenen Rennspiel degradiert.

Die Rückkehr zur DirectX-Box

Die Methode und der Zeitpunkt mögen schlecht gewählt sein, aber der Grund für das alles ist offensichtlich. Den Kampf gegen die PS4 hat die Xbox One schon jetzt verloren, und zwar so derbe, dass es selbst beinharten PlayStation-Fans wehtut. Ähnlich wie beim legendären Halbfinale der letzten Fußball-WM, als Deutschland den Gastgeber Brasilien mit 7:1 niedermähte, empfindet man Mitleid für den Verlierer, der unter besseren Umständen für einen spannenden Schlagabtausch und wettbewerbsfördernde Umstände gesorgt hätte. Nun sitzen die Redmonder auf ihrer (von mir noch immer geschätzten) Loser-Kiste und rätseln, wie sie das Kind wieder aus dem Brunnen heben könnten.

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Konkurrenz belebt das Geschäft: Auch Sony-Fans könnten unter Microsofts Misserfolg leiden.
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4K-Videos? Neuer Controller? Vielleicht sogar ein Slim-Modell auf der E3? Alles nur Fassade! Microsofts neue Spielwiese für Marketing-Blabla heißt Xbox Live, weil es so schön schwammig ist und keine Differenzierung zulässt. Darum ist auch die Erweiterung des Portfolios Richtung PC so wichtig. Mit Spielen des Kalibers von Forza 6 möchte Redmond Zahlen des eigenen Spiele-Netzwerks aufblähen. Bedauerlich nur, dass Sony gar nicht erst daran denkt, numerische Vorteile breitzutreten. 40 Millionen PlayStation-4-Konsolen stehen geschätzten 15 Millionen Xbox-One-Geräten gegenüber. Egal wie sehr Microsoft um den heißen Xbox-Live-Brei herumtanzt, diese Zahlen lassen sich nicht zu eigenen Gunsten drehen. Schon gar nicht, wenn nun dem Xbox-360-Support der Hahn abgedreht wird, der nach wie vor das Gros des XBL-Schinkens stellt.

Natürlich ist nichts in Stein gemeißelt, doch als Denkanstoß taugt folgende These allemal: Die Xbox One muss über kurz oder lang zum Bindeglied zwischen Konsole und PC mutieren, sonst war es das bald mit jeglichen Ambitionen, im Spiele-Sektor mitzumischen. Sie muss wieder zur DirectX-Box werden, praktisch zu dem, was sie einst sein sollte, als der Name Ende der 1990er erstmals in der Presse herumgeisterte.

In dem Fall würde Microsoft über Nacht 15 Millionen Pseudo-Nutzer ihrer PC-Plattform dazugewinnen, was keine schlechte Ausgangssituation wäre. Denn auch auf dem PC ist Microsoft alles andere als konkurrenzlos. Der größte Dorn im Auge hört auf den Namen Steam. Ringt man Valves Baby keine Prozentpunkte durch Megaseller ab, dann war es das auch in diesem Segment.

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