Es scheint, als hätten physische Kopien von Filmen, Büchern und auch Videospielen praktisch ausgedient. Kaum jemand kauft noch DVDs, wenn es doch Netflix gibt. Warum sein Schlafzimmer mit unzähligen Büchern zustellen, wo es doch an jeder Ecke eReader gibt? Und Videospiele im Laden erwerben? Im Jahre 2017, trotz günstiger Alternativen wie Steam? Das können sich Konsumenten kaum noch vorstellen. Doch physische Versionen sind wichtig für uns, wichtig für die Erinnerungen.

Die Psychologie hinter dem Besitz

Die Kernfrage ist: Warum tun wir uns physische Kopien immer noch an? Warum warten wir bis die physischen Versionen per Post kommen oder wir in den Laden rennen können um selbige zu erwerben? Wo Retail-Spiele doch nur Platz wegnehmen und kaputt gehen könnten? Weil unser Gehirn besser arbeiten kann, wenn es Ideen und Erinnerungen mit Objekten verbindet.

So fanden Studien heraus, dass Leser von normalen Büchern sich besser an den Inhalt erinnern konnten als Leser von eBooks, ähnliches ist auch bei Videospielen und anderen Medien der Fall. In einer Studie, an welcher über 1200 Gamer teilnahmen, beschrieb ein “Großteil der Befragten das Gefühl, dass digitale Spiele nicht dieselbe Erfahrung bieten wie physische Versionen“. Warum? Es fehlt die Assoziation. Die Möglichkeit, Erinnerungen mit etwas Physischem zu verbinden, ist wichtig, damit unser Gehirnkasten die Erinnerungen auch gut sortieren kann. Ansonsten verschwinden diese Informationen in einer Flut aus Daten.

Dies gilt natürlich nicht nur für Bücher oder Videospiele. Es ist ein grundsätzliches Prinzip, welches unsere Denkfabriken nutzen, um die Übersicht zu behalten. Deshalb wissen wir Antiquitäten oder die Gegenstände unserer Großeltern zu schätzen, obwohl die Teekanne oder die Puppe selbst möglicherweise gar keinen Wert oder Nutzen besitzen - die Erinnerung ist das eigentlich wertvolle, gebunden an ein physisches Objekt: “Plastische Objekte symbolisieren etwas, was weit über ihre offensichtliche Symbolik hinausgeht. Diese tiefere Symbolik bleibt über Jahre erhalten, wird an weitere Generationen weitergegeben, welche ihrerseits diesen Reifeprozess und die Erinnerungen wertschätzen”.

Ein weiterer Faktor für dieses Denken, scheint das Gefühl des Besitzes zu sein: Viele der Befragten meinten, dass “digitale oder heruntergeladene Spiele nicht das gleiche Gefühl des Besitzes aufkommen ließen”. Denn geladene Spiele lassen sich meistens nicht verkaufen, verleihen oder tauschen. Dieses Phänomen findet sich bereits bei Kindern: In einer Studie fand Yale-Professors Paul Bloom heraus, dass auch Kinder eine tiefere Bindung gegenüber ihren “eigenen” Objekten haben, als gegenüber Objekten, welche die exakt gleichen sind. Sobald wir etwas physisch besitzen, beginnen wir, unsere Erfahrungen und Erinnerungen mit genau diesem Objekt zu assoziieren. Im Fall von Videospielen heißt das: Meine Xbox 360-Version von Skyrim, mag genau gleich aussehen, wie die meines Freundes, sie ist subjektiv betrachtet trotzdem meine Version, meine Spielerfahrung, die ich mit genau dieser DVD verbinde.

Natürlich steht es jeder Person frei, sich zwischen physischen und digitalen Versionen ihrer Spiele zu entscheiden. Und wenn wir mal ehrlich sind, gibt es gute Gründe, sich die digitale Version zu holen. Aber die Psychologie spricht eine eindeutige Sprache: Die Erinnerung, welche ihr vom Spiel haben werdet, lässt sich besser mit einer physischen Version bewahren.