Immer öfter wird davon geredet, dass das sogenannte Crowdfunding zu einer Revolution der Kreativwirtschaft führen könnte. Was aber hat es auf sich mit dem Spendensammeln im Internet? Und was bedeutet Crowdfunding für Games?

Autor: Dennis Kogel

Plopf! Der kleine Pixel-Berserker haut einen kleinen Pixelpiraten zu Klump, schnappt sich eine neue Axt und stürmt in den nächsten Raum zum nächsten Pixelmonster zum nächsten Level-up. Cardinal Quest ist ein einfaches, kleines, witziges Roguelike für Zwischendurch. Nichts Besonderes?

Nicht ganz. Cardinal Quest war nicht, wie so viele Indie-Games, ein Hobby-Projekt. Das Geld für Cardinal Quest kam nicht von einer Bank, nicht von einem Publisher, nicht aus dem persönlichen Sparschwein, sondern von ganz gewöhnlichen Internetnutzern. Fast 5000 Dollar hat der Wiener Spieleentwickler Ido Yehieli auf der Crowdfunding Plattform 8-Bit Funding dafür gesammelt, dass er in Ruhe ein kleines Spiel programmieren kann.

Crowdfunding ist eines der aktuellsten Themen in der Finanzierung von Kulturprodukten wie Filmen, Musik und eben auch: Spielen. Crowdfunding steht zunächst einmal für das Sammeln von einer vorher festgelegten Spendensumme für ein kreatives Projekt. Anstatt aber Unterstützern eines Projekts nur ein Dankeschön anzubieten, bringt die Unterstützung eines Crowdfunding-Projekts immer auch eine Reihe an Belohnungen, gestaffelt je nachdem wie viel man gespendet hat.

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Unterstützer, die für Cardinal Quest 5 Dollar gespendet haben, kriegen das Spiel als Download, für 100 Dollar gibt es Konzeptzeichnungen, eine Erwähnung in den Credits, T-Shirts und die Möglichkeit einen magischen Gegenstand im Spiel zu benennen. Crowdfunding kann damit in gewisser Weise auch als Vorbestellung mit einem Twist benutzt werden. Du möchtest dieses Spiel in den Händen halten? Dann hilf den Entwicklern es fertig zu kriegen.

Auch wenn Crowdfunding im Grunde genommen nicht auf das Internet angewiesen ist: Plattformen wie Kickstarter, RocketHub oder das deutsche MySherpas machen den Prozess massentauglich. Für einen Anteil an den Spendeneinnahmen (üblicherweise zwischen 5-10%) bieten Crowdfunding-Plattformen eine gewisse Grundsicherheit bei der Abwicklung der Zahlungen, lassen das Erstellen von Projekten so einfach werden wie das Formatieren eines Blogeintrags und stellen Besuchern besonders interessante Projekte vor.

Je nach Plattform kriegen Projektgründer dabei entweder nur die vollen Spendeneinnahmen bei Erfolg des Projekts und nichts, falls die vorher festgelegte Summe nicht gespendet erreicht wurde, oder die Spenden dürfen behalten werden, egal ob nur magere 10 Dollar gesammelt wurden oder stolze 10 000.

Hätte Ido Yehieli zum Beispiel sein Spiel nicht über 8-Bit Funding laufen lassen, sondern über das weitaus populärere Kickstarter: Er hätte kein Geld für Cardinal Quest bekommen. Es gibt also genug Gründe, um auch weniger bekannte Seiten für Projekte zu benutzen. Reicht es also, einen Spendenaufruf mit ein paar Belohnungen auf eine Crowdfunding-Plattform zu stellen und zu warten bis Geld für das beste Spiel aller Zeiten aufs Konto tropft?

„Nicht ganz. Einfach nur ein Projekt online stellen wird nicht funktionieren“, sagt Ido Yehieli „Man muss wirklich Arbeit reinstecken und Leute davon überzeugen, dass sie dir ihr hartverdientes Geld geben sollen.“ Noch gibt es nicht viele Erfolgsgeschichten für Spiele finanziert von der Crowd, von den bisher 10.000 erfolgreichen Kickstarter-Projekten waren nur 100 Games. Egal ob man sich auf Kickstarter oder 8-Bit Funding nach Spielen umschaut: nur die wenigsten Projekte kriegen überhaupt Spenden.

Der Grund: Bei der Masse an Projekten, die um die Gunst von Spendern buhlen, tut ein Filter Not. Wer mit einem Spiel auf Crowdfunding-Plattformen erfolgreich sein will, muss die richtigen Leute davon überzeugen, ein Projekt zu unterstützen. Im Fall Games heißt das: wichtige Blogs, Webseiten und Magazine und Persönlichkeiten. Noch wichtiger aber scheinen die richtigen Communities zu sein.

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Über 15 Jahre lang hat Andrew Plotkin umsonst an Spielen für eine kleine, internationale Community aus Liebhabern von Text-Adventures gearbeitet, bevor er Ende 2010 über 31.000 Dollar von Kickstarter dafür bekommen hat, dass er ein ganzes Jahr lang an neuen Spielen arbeiten kann.

Andere Erfolgsgeschichten lesen sich, wenn nicht ganz so beeindruckend, dann doch in Grundzügen ähnlich: John Harris hat über Kickstarter 5000 Dollar für sein Höhlenerforschungsspiel In Profundis gesammelt. Zuvor hat er sich in der Roguelike- und Indiegame-Community einen Namen gemacht als Kolumnist. Sein Projekt wurde von Bloggern wie Darius Kazemi und Journalisten wie Leigh Alexander und Simon Carles unterstützt.

„Crowdfunding ist eine großartige Art, um kleine Spiele zu finanzieren“, sagt Ido Yehieli. Aber es ist immer auch der Liebesbeweis einer Community. Insofern ist wahrscheinlich der beste Ratschlag, den man angehenden Crowdfunding-Projektgründern auf den Weg geben kann, gleichzeitig Ent- und Ermutigung: Aus dem Nichts Erfolg zu haben mit einem Spiel als Crowdfunding-Projekt, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wer aber anfängt, aktiv in Indiegame-Communitys zu sein und auch ohne Unterstützung Spiele zu machen, wird erfolgreich sein – selbst mit Text-Adventures.