Shadow ermöglicht alles, was man gerne macht. Nur besser.” – Der recht generische Werbespruch auf der Homepage des Streaming-Dienstes Shadow beschreibt tatsächlich genau das, was Shadow verkörpert: Es ist kein Spiele-Netflix, kein PC Now, Shadow funktioniert noch nicht einmal ausschließlich auf Rechnern oder Laptops, sondern gleichsam auf eurem Notebook, eurem Tablet und eurem altbackenen Smartphone, das wenigstens einen röchelnden 5mb/s-WIFI-Zugang hat. Überall dort könnt ihr euren eigenen High-End-PC streamen und das für 1 Euro am Tag.

PC streamen - ist das die Zukunft?

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Mit “Streaming” verbinden wir zumeist Dienstleister wie Netflixoder PS Now, das erst seit geraumer Zeit die heiligen Hallen der Videospielgötter durchschreitet. Sony ist mit PS Now der Vorreiter einer Streaming-Kultur, die ihre Krallen langsam über alle Medienbereiche ausfährt; während also Spiele-Streaming noch ein recht jünger Gedanken ist, geht Shadow zehn Schritte weiter und bietet keine Trägermedien mehr feil, sondern die Hardware: Der unsichtbare, schattenhafte High-End-Gaming-PC, der irgendwo in Frankreich, in den USA oder bald auch in Amsterdam steht und auf eurem Hundertjahrelaptop gestreamt wird.

Die Hardware von Shadow

Wie geht denn das?

Die tatsächlichen Shadow-Computer stehen in diversen Rechenzentren auf der Welt; ab Ende Sommer 2018 auch in Amsterdam, was insbesondere die Leistung deutscher Shadow-Abonnements verbessern wird. Streamen werdet ihr die Hardware von Shadow, eine NVIDIA-Grafikarte, gleichwertig zur GTX 1080, einen XEON-Prozessor, einen Arbeitsspeicher von 12 GB Ram mit einer Taktrate von 2400 MHz, 256 GB Speicherplatz und eine Internetverbindung von 1 GBit/s (Glasfaser-Verbindung).

Um die App auf euer Endgerät zu zaubern, benötigt ihr eine 15 MBit/s-Leitung; Shadow testet jedoch im Moment auch eine Version, die bei nur 5 MBit/s gestreamt werden kann. Spielen, Filme schauen, downloaden und diverse andere Tätigkeiten erledigt ihr ab da mit einer 1GBit/s-Leitung; Shadow peppt demnach ebenso euer Internet auf.

Startet Shadow auf eurem Windows-PC oder Mac

Und wie sieht das aus?

Stromkabel in Endgerät, einschalten, anmelden. App starten. Erneut anmelden – auf eurem gestreamten Windows-10-PC. Was dann passiert ist einfach, denn diese Oberfläche unterscheidet sich nicht mehr von einem eigenen High-End-Rechner mit Windows 10. Ihr könnt installieren, was ihr möchtet, geht über eure neue Verbindung ins Internet, streamt Netflix und könnt alles zocken, was ihr in die Finger bekommt. Im Abo enthalten ist jedoch nur der Shadow-PC.

Was ist, wenn ich Shadow auf Shadow starte?

Das ist eine Frage, die ich nur zu gern die Entwickler gefragt hätte. Wäre sie mir zu diesem Zeitpunkt eingefallen. Verdammt! Um bei dem kleinen Gedankenspiel einmal zu bleiben: Ihr dürft Filme über Netflix auf eurem gestreamten PC streamen, oder auch PS4-Spiele über PS Now. Shadow arbeitet eng mit Microsoft zusammen – welch Wunder! – und ist gerade im Gespräch über eine Möglichkeit, Shadow auf der Xbox One zu streamen.

Ja. Ihr habt richtig gehört. Solltet ihr über eure Xbox einen Windows-10-PC streamen können, wäre es theoretisch möglich, auf eurer Xbox PS4-Spiele über PS Now zocken. Nicht, dass es ein lukratives Geschäft für euch wäre.

Shadow funktioniert mit oder ohne die Shadow-Box

Warum sollte ich jeden Tag bezahlen, wenn mich mein Rechner eine feste Summe kostet?

Das klingt nach einem ganz schäbigen Angebot: Klar, am Anfang ist es nur ein Euro am Tag, doch nach einer Weile bezahlt ihr mehr für Shadow, als für euren eigenen NASA-Computer. Richtig? Bei dem jährlichen Angebot legt ihr jeden Monat knapp 30 Euro auf den Tisch, was 360 Euro im Jahr macht. Wie viel ihr hochgerechnet jedes Jahr für euren Rechner ausgebt, damit er up to date bleibt, ist eine ganz individuelle Sache: Wahrscheinlich liegt der Betrag unter 360 Euro im Jahr. Shadow bietet jedoch noch mehr, als nur ein PC-Abonnement: Es bietet Sorgenfreiheit.

Die Idee zu Shadow kam ursprünglich bei der Arbeit mit Senioren auf: Könnte eine App kreiert werden, die Senioren einfach auf ihr Handy installieren, um dann eine komplett benutzerfreundliche, Senioren-geeignete Oberfläche zu erhalten? Einfachheit, Sorgenfreiheit, weg von der medienkompetenten 2000er-Generation zu all jenen, die keine Technik-Freaks sind oder sein wollen.

Als mir der Entwickler in Berlin die Idee hinter Shadow erklärte, dachte ich unweigerlich an meine persönliche Erfahrungen mit alten PCs, die jedwede Spiele nicht installieren wollten. Damals, als ich noch klein war und mich darüber wunderte, wie ich mit fremden Menschen in diesem Internet reden konnte, hatte ich keine Ahnung von Grafikkarten und Prozessoren: Schließlich kam die alte Xbox der ersten Generation in mein Kinderzimmer geflattert und siehe da: Keine Sorgen mehr, Spiel einlegen und los geht’s.

Shadow hat das Projekt für die ältere Generation hinter sich gelassen und richtet sich nun an all jene, die eine Konsolenerfahrung auf dem PC suchen. Die Hardware der Shadow-Rechner wird nach und nach verbessert, wobei auch die Community ein Wörtchen mitzureden hat. Letztendlich verspricht der Entwickler, Shadow bliebe stets auf dem High-End-Standard, ohne, dass der Abonnent einen Finger rühren muss.

Far Cry 5 auf eurem alten Smartphone spielen

Da Shadow nur ein gestreamter PC ist, könnt ihr ihn nicht nur auf Rechnern, sondern auch auf diversen anderen Geräten streamen; etwa auf eurem Handy. Ob das funktioniert? Sehr gut sogar. Gemeinsam mit den Shadow-Entwicklern habe ich selbst Far Cry 5 auf einem Smartphone gespielt, die Qualität war top. Einziges Manko: Zur Steuerung müsst ihr dann einen Controller anschließen.

Die kürzesten Spiele aller Zeiten (bis in unter einer Minute durchgespielt):

Mit anderen Worten: Shadow ist ein High-End-PC für unterwegs. Im Durchschnitt ist er zwar teurer als euer Rechner zu Hause, der halbwegs mit allen neuen Spielen mithalten kann – doch die Vorteile dürften schon jetzt einige unter euch interessieren. Ob Shadow im Test die Versprechen halten kann, die mir von den Entwicklern zugestanden wurden, bleibt schließlich abzuwarten. Eines ist jedoch gewiss: Streaming gehört zu unserer Zukunft, auf die eine oder andere Art.