BioShock, das ist Rapture, das sind Big Daddys und Little Sisters. Aber das hätte gleich mehrfach ganz anders und noch verrückter ausschauen können. So sollte sich die originale Geschichte um den „Kult-Deprogrammierer“ Carlos Cuello drehen, der das Kind eines Senators aus einer Sekte befreien und ins normale Leben zurückbringen soll.

Der Big Daddy … oder zumindest dessen Vorläufer. Als BioShock noch in einer ehemaligen Nazi-Forschungsanstalt unter Tage angelegt war, sollten eklige Mutanten die Gänge entlangpatrouillieren. Später, schon in Rapture, waren widerwärtige Killerkreaturen mit wuchtigen Armen geplant, die den Spieler, wie später der Big Daddy, mit purer Kraft ausknocken sollten.

„Ein Kult-Deprogrammierer, das ist jemand, der eine Person mit psychologischen Werkzeugen wieder geradebiegt“, erklärt BioShock-Erfinder Ken Levine die Idee, die unter anderem auf den Erzählungen des Psychologen Rick Ross und dem Film Split Image basiert. Als Szenerie entstand in einer frühen Demofassung im Jahre 2002 eine Raumstation, da Kreativkopf Levine den Geist und das Feeling der System-Shock-Spiels weiterführen wollte. Vor Fleischsaft triefende Mutanten, die sogenannten Jelly Men, waren unter anderem als Gegner gedacht. Doch lange hielt die Idee nicht.

Das erste offizielle Bild aus BioShock, das die Umgebung des Nazi-Bunkers zeigt. Alles ist ziemlich heruntergekommen und an der rechen Wand kriecht ein erschreckend großer Tausendfüßler entlang.

Zu seiner offiziellen Ankündigung im Jahre 2004 wurde BioShock nämlich als Rollenspiel-Shooter präsentiert, der in einer geheimen Untergrundforschungsanstalt des dritten Reiches auf einer tropischen Insel stattfinden würde. Dort hätten sich die genetischen Experimente und Maschinen nach dem Ende des Krieges verselbstständigt und ein abgeschlossenes Ökosystem geformt. Halb-Mensch-halb-Insekten-Soldaten sollten durch die kahlen Gänge schleichen. Und die Ur-Form der Little Sisters, seltsame Roboter, sollten umherrattern und Blut, Fleisch und Knochen einsaugen, um Ressourcen für neue Kreaturen zu sammeln. „Damals fanden wir diese Idee echt großartig“, sagte Levine dazu. Aber auch diese Kulisse hielt nicht lange und wich dem, was jetzt Rapture ist.

Aber auch hier kamen und gingen wahnwitzige wie krude Ideen. Die Little Sisters wurden nämlich von den anfänglichen Robotern mal zu Hunden in Rollstühlen, Zwergen mit Flüssigkeitssaugern, Fröschen mit Einmachgläsern auf dem Rücken, Riesenschnecken und auch mal zu Robotermädchen. Der Vorläufer des Big Daddy nannte sich hingegen Yam Hand und war ein verwucherter Muskelprotz, wahlweise mit einem Tentakel- oder Fleischarm, so dick wie ein Baumstamm.

Im ersten Prototyp sollte man sich auf einer Raumstation mit den „Jellymen“ und anderem Gesocks herumschlagen.

„Ich hätte bei einigen Sachen gerne gesehen, wie sie für die Spieler funktioniert und bei ihnen angekommen wären“, fragt sich Ken Levine. „Aber letztendlich muss eben ein Resultat, ein Videospiel entstehen, bei dem möglichst vieles stimmig ist und die Welt als Gesamtwerk glaubhaft funktioniert.“ Das ist mit BioShock, das dann 2007 erschien, durchaus gelungen, oder? Trotzdem, schade um die Nazi-Insekten-Soldaten.

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