Etwas ist faul im Staate Videospielhausen. Immer mehr Spiele setzen auf ein Lootbox-System, eine moderne Form des Glücksspiels - und niemanden scheint es zu interessieren! Dabei ist die Grenze des Akzeptierbaren weit überschritten.

Früher gab es Lootboxen nur in Multiplayer-Spielen wie Overwatch oder CS:GO. Spiele, die nicht zum Vollpreis verkauft wurden und bei denen das Lootsystem rein kosmetischer Natur war. Doch spätestens seit Mittelerde: Schatten des Krieges oder der Ankündigung, dass auch Assassins Creed: Origins Schatzkisten beinhalten wird, die zudem das Gameplay stark beeinflussen, muss man sich fragen: Geht’s noch, liebe Publisher?

Spielekultur - Abzocke pur: Löscht die Lootboxen!

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Lootboxen in Singleplayer-Kampagnen? Bald traurigerweise wohl Standard.
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Der Eklat

Abgesehen von den neuen Bestrebungen auch den Singleplayer eines Vollpreisspiels hinter einem Glücksrad zu verstecken, gibt es aber eine Firma, die schon seit Jahren mit Pay-2-Win ordentlich Kasse macht: Electronic Arts. Zunächst hätten wir Mass Effect: Andromeda das, abgesehen von der eklatant indiskutablen Unfertigkeit des Spiels an sich, viele Spieler enttäuschte, da der Multiplayer-Aspekt stark von dem Lootbox-System kompromittiert wurde. So konnten Fans die Fähigkeiten und Waffen ihrer Klassen nicht frei wählen, sondern mussten durch einen ewigen Grind, oder die Kreditkarte, Schatzkisten freischalten.

Fast schlimmer ist es im beliebtesten FIFA Online-Modus “Ultimate Team”: Hier stellt ihr aus Fußballern aus aller Welt ein Team zusammen, müsst die Chemie zwischen den Spielern beachten und könnt so euren eigenen Verein aufbauen - inklusive allen Lieblingsspielern. Gäbe es da nicht ein kleines Problem namens Kartenpacks. Ähnlich wie bei Fussballstickern, müsst ihr die digitalen Pendants aus Kartenpackungen ziehen.

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Als Free-2-Play-Spieler einen Topspieler wie Inform Kevin de Bruyne freizuschalten? Schier unmöglich!
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Die Chance hierbei Stars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi zu bekommen, sind in etwa so gering wie die Chance auf einen Sechser im Lotto. Dass Leute mit viel Geld einen krassen Vorteil im Online-Modus haben interessiert keinen. Noch weniger interessiert es EA, dass sie Minderjährige dazu verlocken mit den Kreditkarten ihrer Eltern Packungen zu erwerben.

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Links mein eigenes Team in FIFA 18 Ultimate Team. Rechts das Teams eines FIFA-Profis, der zum Release des Spiels vermutlich eine mindestens vierstellige Summe hat springen lassen.
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Es ging doch anders

Dabei gab es einmal eine Zeit, in der Bezahlmethoden in Spielen nicht eigenhändig das Spielgefühl zerstörten. Ein Beispiel hierfür wäre Call of Duty: Modern Warfare 2: Wer sich auf eine bestimmte Klasse spezialisieren wollte, konnte mit dieser so oft es geht antreten, um die besonderen Fähigkeiten der jeweiligen Klasse freizuschalten. Auch wurden Waffen und Zusatzgeräte für selbige durch das Sammeln von Erfahrung freigegeben. Optional konnte man diese aber auch mit Echtgeld erwerben - falls man keine Lust auf den Grind hatte.

Das klingt zunächst auch nicht ideal, trotzdem war es eine akzeptable Lösung für beide Spielerfronten: Die, die alles mit Spielerfahrung freischalten wollten und die, die Geld ihre Probleme lösen lassen. Die normalen Spieler hatten ein Ziel auf das sie sich fokussieren und mit Garantie hinarbeiten konnten.

Da das Waffen- und Klassen-System in Mass Effect: Andromeda aber mithilfe eines Glücksspiel-Systems betrieben wurde, mussten Spieler dutzende von Stunden an Zeit investieren, bis sie die Fähigkeiten und Waffen für ihre bevorzugte Klasse freigeschaltet hatten. Und mussten währenddessen natürlich Klassen spielen, die ihnen gar nicht in den Kram gepasst haben.

Das größte Problem daran? Lootboxen sind glorifiziertes Glücksspiel. In der Theorie hätten diese Spieler sogar noch einige dutzend Stunden mehr spielen müssen, um ihre bevorzugten Fähigkeiten und Waffen freizuschalten. Denn es gibt keine Garantie.

Modern Warfare 2 gab den Spielern die Möglichkeit ihr Ziel entweder über den Grind oder die Kreditkarte zu erreichen. Mass Effect Andromeda, und viele andere Titel, geben euch bestenfalls die Chance euer Ziel mit etwas Glück zu erreichen - egal wie viel Zeit oder Geld ihr investiert habt. Denn diese Publisher haben nur ein Ziel: Dass ihr möglichst lange auf euer gewolltes Loot warten und dementsprechend umso mehr Geld investieren müsst.

Was tun?
Die Antwort auf diese Frage ist tatsächlich erstaunlich einfach: Protest und Boykott. Nachdem zahlreiche VIP-Spieler in Forza 7, die neben dem Vollpreis von 60€ noch einmal extra 20€ für ihren VIP-Status bezahlt haben, sich beschwerten, dass ihre “exklusiven” Autos auch in Lootboxen auftauchen würden, entschuldigte sich Entwickler Turn 10 öffentlich und vergab vier Autos und 1 Million Credits an die wütenden Spieler.

Diese Publisher interessiert nur eines: Geld. Deshalb haben sie dieses System überhaupt erst ins Leben gerufen. Also trefft sie dort, wo es am meisten wehtut: In der Geldbörse. Gebt kein Geld mehr für Lootboxen aus. Überlegt euch zweimal, ob ihr überhaupt ein Spiel kaufen wollt, dass ein Glücksspiel-System enthält. Macht eurem Ärger online Luft, egal ob über email, reddit oder Twitter - hauptsache ihr macht es!

Auch liegt es an uns Videospieljournalisten, hier endlich einen Riegel vorzuschieben und uns nicht nur von Youtubern wie Jim Sterling oder Total Biscuit die Arbeit abnehmen zu lassen: Wenn ein Spiel mit einem penetranten Lootbox-System daherkommt, sollten diese Glücksspiele auch in einer Review beäugt werden. Dass mehrere Rezensionen von Mittelerde: Schatten des Krieges nicht beachteten, dass das finale Kapitel des Spiels nur mithilfe von Schatzkisten freizuschalten ist, dann ist das ein Armutsurteil. Zum Glück haben Seiten wie Opencritic.com bereits angekündigt zukünftig darauf zu verweisen, ob ein Spiel so ein Konzept nutzt - und gegebenenfalls Reviews, die dies nicht bemerken, nicht in ihre Datenbank aufzunehmen.

Doch solange Firmen wie Activision Blizzard mehr als 3.6 Milliarden Euro im Jahr mit Mikrotransaktionen beziehungsweise Lootboxen machen, wird sich an dieser Entwicklung leider nix ändern.