Duke-Nukem-Pixelberge auf einem PC mit Schwarzlichtgehäuse und eingebauter Mini-Nebelmaschine? Aber klar doch. Die Webseite www.gog.com ermöglicht, wovon Nerds schon immer träumen: alte Klassiker in ihrer vollen Pracht auf dem neuen Rennfaust-Computer zocken. Wir haben mit einem der Macher gesprochen.

gamona: Lukasz, ohne despektierlich klingen zu wollen – hat Good Old Games überhaupt ein echtes Büro?

Lukasz Kukawski: (lacht) Ja, in Warschau! Die Firma ist zwar in Zypern angemeldet, aber unser Office ist in Polen.

Spielekultur - “Abandonware sind Raubkopien”

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Verantwortlich für PR- und Marketing-Arbeit bei Good Old Game: Lukasz Kukawski.
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gamona: Warum in Zypern?

Lukasz Kukawski: Es war wohl eine geschäftliche Entscheidung des Managements ...

gamona:... wegen niedrigerer Steuern?

Lukasz Kukawski: Genau. Good Old Games ist Teil der CD-Projekt-Gruppe. Das Unternehmen besteht zum einen aus dem Spielevertrieb für Polen, die Tschechische Republik und andere osteuropäische Staaten. Auch ein Entwicklerstudio ist dabei. Das arbeitet momentan an "The Witcher 2". Und natürlich wir als Good Old Games, die sich auf digitalen Vertrieb konzentrieren.

gamona: Warum nutzt ihr nicht einfach Steam?

Lukasz Kukawski: Wir sehen uns als Konkurrent. Wir sind eine digitale Vertriebsplattform, weil wir alte Klassiker für Spieler wieder verfügbar machen wollen. Wir haben unsere eigenen Kontakte mit anderen Vertrieben und haben uns gedacht: Lass uns einfach mit den anderen Publishern reden - und ihre alten Hits als Downloads anzubieten. Es ist der ideale Weg, um das größtmögliche Publikum zu erreichen.

gamona: Welche Lizenzen habt ihr normalerweise?

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Das Paradies für Retro-Zocker: die Webseite von gog.com.
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Lukasz Kukawski: Die kompletten - also für jedes Land der Welt. Wir haben auch keine Beschränkungen für bestimmte Gebiete. Jedes Angebot kostet in unserem Shop entweder sechs oder zehn Euro. Dafür kommt es als Installationsversion für Windows 7, Vista und XP. Der Spieler kann das Spiel dann einfach über eine Verknüpfung starten.

gamona: Wie sieht es mit einem Kopierschutz aus?

Lukasz Kukawski: Es gibt keinen. Wir arbeiten auch ohne DRM (Digital Rights Management, Anm. d. Red.). Wenn der Kunde etwas kauft, gehört es ihm. Er kann es herunterladen, wann er will und so oft er es braucht. Die Anzahl der Installationen ist unbegrenzt und der Spieler braucht auch keine aktive Internetverbindung.

"Momentan machen wir den höchsten Umsatz bei CD Projekt"

gamona: Du sagst, ihr wollt Klassiker den Spielern wieder verfügbar machen. Gibt es auch einen weniger Sympathie heischenden Grund?

Lukasz Kukawski: Es ist ein Geschäft. Wir haben einfach die Nische gesehen. Unsere Spiele bekommt man nicht so einfach, weder im Handel noch als Download. Vielleicht auf Ebay, aber die alten Originalversionen sind häufig sehr teuer - und funktionieren auf einem Vista- oder Windows-7-PC schlicht nicht. Wenn es ein DOS-Spiel ist, bekommt man es zwar zum Laufen, muss aber mit der DOSBox herumfummeln. Und bei Windows-95- oder Windows-98-Titeln hat man noch größere Probleme.

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Wer kennt es nicht, das nervige Herumfummeln an der DOSBox?
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gamona: Mit wie vielen Spielen seid ihr gestartet?

Lukasz Kukawski: Wir haben im September 2008 mit dem Interplay- und Codemasters-Programm angefangen, also etwa 40 Spielen. Inzwischen sind es über 230, und jede Woche kommt mindestens eines dazu.

gamona: Macht Good Old Games Gewinn?

Lukasz Kukawski: Es geht uns sehr, sehr gut. Momentan machen wir den höchsten Gewinn bei CD Projekt. Das Entwicklungsstudio arbeitet derzeit noch an The Witcher 2. Wenn sie es veröffentlichen, werden sie mit ihrem Verdienst natürlich an die Spitze schießen.

gamona: Ist der durchschnittliche Spieler zu dumm, um Emulatoren zu benutzen? Oder zu faul?

Lukasz Kukawski: (lacht) Nein, zu dumm nicht. Aber nicht jeder weiß, wie etwa DOSBox funktioniert. Unser Kundestamm ist momentan gespalten: Auf der einen Seite stehen die Nostalgiker, die die Spiele gespielt haben, als sie aktuell waren. Und auf der anderen Seite gibt es eine riesige Gruppe neuer, junger Spieler, die sie nie angezockt haben. Sie haben davon gehört oder gelesen und wollen wissen: "Wie war es damals? Warum diese Aufregung um die alten Spiele?" Fallout 2 oder Master of Orion etwa...

gamona: ... über die Väter ständig geredet haben...

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"Gar nicht so einfach, Spieler mit alten Spielen anzulocken - schließlich gibt's ja Call of Duty und Co."
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Lukasz Kukawski:... exakt! Es ist gar nicht so einfach, Spieler mit alten Titeln anzulocken. Schließlich gibt es Call of Duty oder The Witcher 2 (grinst), und viele Leute sind daran mehr interessiert. Unser Angebot muss also schnell und fehlerfrei sein.

gamona: Welchen prozentualen Anteil am Geschäft haben die jeweiligen Käufergruppen?

Lukasz Kukawski: Wir unterteilen unsere Nutzer in drei Gruppen: 30 bis 40 Prozent ist die größte, nämlich die der Käufer zwischen 25 und 35 Jahren. Dann folgen die älteren Spieler ab 45 Jahren und schließlich die jungen unter 25-Jährigen.

"Es sind alles Raubkopien"

gamona: Gibt es Pläne, alte Spiele als DLC für Konsolen verfügbar zu machen?

Lukasz Kukawski: Nein. Aber wir wollen Konsolenklassiker auf den PC bringen. Oder auch Amiga-Spiele. Unsere Zielplattform ist der PC. Und selbst wenn: Für Xbox Live oder das Playstation Network haben wir gar keine Lizenzen.

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Eines der beliebtesten Spiele auf gog.com: Fallout von Interplay.
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gamona: Veröffentlicht ihr auch Abandonware?

Lukasz Kukawski: Der Begriff "Abandonware" ist nicht klar definiert. Entweder ist es Freeware oder jemand hat noch immer die Rechte. Allerdings verkauft es niemand mehr, also bieten Fans das Spiel zum Download an. Das wird dann "Abandonware" genannt.

gamona: Es gibt wirklich viele solcher Spiele...

Lukasz Kukawski: ... und es sind alles Raubkopien! Als wir mit Good Old Games begonnen haben, waren die Abandonware-Webseiten unsere größte Konkurrenz. Wir veröffentlichten das Spiel, aber sie haben es ebenfalls zum Download angeboten. Inzwischen sind diese Seiten unsere Partner. Sie verlinken uns und bekommen dafür einen prozentualen Anteil des Verkaufspreises. Logischerweise sind sie alle Fans alter Spiele und haben unser Auftauchen eher begrüßt. Wir kooperieren auch mit den Leuten hinter DOSBox, da wir ihren Emulator einsetzen.

gamona: Wenn ihr schon an den Spielen herumbastelt - wie sieht es mit Grafik-Updates, Patches oder zusätzlichen Missionen aus?

Lukasz Kukawski: In den meisten Fällen kommen wir leider nicht an den Quellcode, weil ihn sogar die ehemaligen Publisher häufig nicht haben. Das macht es uns natürlich schwer. Deshalb konzentrieren wir uns momentan darauf, dass die Spiele auf neueren Betriebssystemen funktionieren. Es gibt ein paar, an denen wir arbeiten könnten, aber die Prioritäten liegen derzeit woanders. Die Lizenzen sind teilweise über mehrere Firmen verteilt, sodass sich alle Parteien mit uns über eine offizielle Wiederveröffentlichung einigen müssen - das ist die Hölle. Bei den Broken-Sword-Adventures konnten wir dagegen mit dem Game-Designer direkt verhandeln, weil die Rechte an ihn zurückgefallen waren.

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... ebenso wie Cannon Fodder.
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gamona: Hand aufs Zockerherz, welches Spiel unter euren Wiederveröffentlichungen ist dein Favorit?

Lukasz Kukawski: Ich bin ein großer Fan von Point and Click: Simon the Sorcerer, Broken Swords, Cannon Fodder...

gamona: ... Cannon Fodder ist exzellent!

Lukasz Kukawski: Ja! Ich habe es früher auf meinem Amiga gespielt - großartig! Fallout und Heroes of Might & Magic sind auch super, aber leider sehr zeitraubend.

"Es gibt noch immer zweihundert Titel, die wir gerne hätten"

gamona: Welches ist das bestverkaufte Spiel bei euch?

Lukasz Kukawski: Fünfzig Prozent unserer Kunden leben in den USA, also sind die Spiele besonders populär, die auch früher viele Fans hatten: Fallout, Duke Nukem 3D, Heroes of Might & Magic, Freespace, Outcast, Arcanum oder Gabriel Knight.

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Zu Lebzeiten verschmäht, auf gog.com der Renner: das Rollenspiel Outcast.
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gamona: Das sind fast alles DOS-Titel. Inzwischen gibt es auch einige aus der Zeit von Windows 95, die auf neueren Betriebssystemen nicht mehr funktionieren.

Lukasz Kukawski: Mit Spielen aus den späten 90er-Jahren, also Software für Windows 95 oder 98, haben wir eine Menge Probleme.

gamona: Welches ist euer größtes Sorgenkind?

Lukasz Kukawski: An einem Spiel haben wir zwei Monate lang gearbeitet. Ich glaube, es war das Adventure Waxworks.

gamona: Was ist mit "Warhammer: Im Schatten der gehörnten Ratte" oder "Warhammer: Dark Omen"? Bislang kann ich es nur über eine Virtual Machine spielen, und das ist mit Code-Kanonen auf Software-Spatzen schießen. Wenn ihr es schafft, seid ihr meine Helden.

Lukasz Kukawski: Ja, mal sehen, ob wir da etwas machen können (lacht). Für manche Spiele erstellen Mitglieder von Fanseiten auch Patches, mit deren Hilfe sie etwa auf neueren PCs funktionieren oder einen Mehrspielermodus hinzufügen. Das ist wirklich fantastisch. Wenn wir die Erlaubnis haben, integrieren wir solche zusätzlichen Dinge. Und offizielle Updates sowieso.

gamona: Wohin wollt ihr mit Good Old Games noch?

Lukasz Kukawski: Es gibt noch immer zwei- bis dreihundert Titel, die wir gerne hätten, weil sie richtig gut sind. Wir haben es geschafft, ins Gespräch mit großen Unternehmen wie Ubisoft, Atari oder Activision zu kommen. Für viele Spiele fehlt noch eine Vereinbarung und bei manchen kämpfen wir noch mit der Technik. Es wird wahrscheinlich noch mindestens zwei weitere Jahre dauern, um alle zu bekommen.

gamona: Schenken euch die Käufer eigentlich etwas, weil Good Old Games ihr Lieblingsspiel wieder aufgelegt hat? Als Dankeschön?

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Uuuuh, sogar Kram wie Phantasmagoria findet man auf der Seite.
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Lukasz Kukawski: (Lacht) Nein, leider nicht! Sie schreiben zwar im Forum: "Wir schicken euch einen Kuchen" oder ähnliches. Aber passiert ist leider noch nichts! Trotzdem sind unsere Nutzer ziemlich aktiv. Wir nehmen ihre Wünsche ernst und versuchen auch, sie so schnell wie möglich zu erfüllen.

gamona: Wie lange muss ein Spiel normalerweise veröffentlicht gewesen sein, bevor der Publisher bereit ist, über eine Wiederveröffentlichung zu reden?

Lukasz Kukawski: Es ist eher unsere Entscheidung, ob es alt genug ist. Wenn wir ein Spiel wollen, bekommen wir es auch! (lacht) Es muss mindestens vier Jahre alt sein. Unsere Community ist da etwas empfindlich. Einmal haben wir ein Spiel von 2007 veröffentlicht, da gab es Proteste. Unser ältester Titel ist Personal Nightmare, ein 20 Jahre altes Text-Adventure mit ein paar Grafiken.

gamona: So wie bei Larry 1? "Benutze Kondom mit Bett"?

Lukasz Kukawski: (lacht) Genau!

gamona: Hört sich gut an. Danke für das Gespräch, Lukasz!