Über guten Geschmack lässt sich streiten, über 177 von Macadamia Soft nicht. Im wilden Dschungel der Jump’n’Runs verstecken sich so manche Perlen der Spielekultur; geliebte Marios und Donkey Kongs. Aber auch abstoßende, verdorrte Ranken lauern im Schatten der Konsolen-Hits. Das japanische Bishojo-Game 177 von 1986 gehört dazu.

177 Mal “Nein!” - Spiele, die uns an der Menschheit zweifeln lassen

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177: Das Spiel, in dem ihr eine Frau missbrauchen sollt
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177 klingt nicht sehr abstoßend

Die Zahl mag zunächst verwirren, doch der Hintergrund ist umso aussagekräftiger: 177 ist der japanische Polizeicode für Vergewaltigung und genau darum geht es in diesem kleinen Jump’n’Run auch. Rapelay lässt grüßen? Nur, dass 177 schon etliche Jahre vor dem kontrovers diskutierten Vergewaltigung-Spiel auf den Markt kam und keineswegs so ablehnend durch die Medien geboxt wurde.

Dabei hätte es 177 verdient. Bishojo ist ein japanisches Genre, das sich mit romantischen Interaktionen zwischen Männlein und Weiblein auseinandersetzt; Dating-Games, die insbesondere für ein männliches Publikum geschrieben werden. In 177 unterscheidet sich das “Date” jedoch von normalen Rendevouz - dahingehend, dass der Protagonist seine Auserwählte in einem dunklen Park verfolgt, ihr die Kleider vom Leib reißt und sie vergewaltigt.

Echt jetzt?

Oh ja. Und es wird noch schlimmer: In 177 ist es nicht nur das Ziel, eine junge Frau im Park in Jump’n’Run-Manier einzuholen und nebenbei Gegenstände auf sie zu werfen, damit sie langsamer wird. Nein, denn nach dem ersten Akt folgen natürlich noch zwei weitere Akte, um die traditionelle 3-Akt-Struktur zu vervollständigen.

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Während der Verfolgungsjagd begleitet euch das zunehmend verzweifelte Gesicht des Opfers
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Viel mehr ist jedoch nicht traditionell an 177. Im zweiten Akt wirft der Vergewaltiger die Frau nieder und ein pornografisches Minigame startet, bei welchem es das Ziel ist, sie so zu befriedigen, dass es ihr gefällt. Richtig gehört, denn in diesem Spiel kann ein derartiger Missbrauch tatsächlich gut enden, ohne entsetzliche, traumatische Folgen für das Opfer. Selbst das berüchtigte Rapelay, wenn auch keineswegs ethisch vertretbar, übt sich zumindest in einem negativen Finale, bei dem entweder der Täter umgebracht wird oder sich die Opfer das Leben nehmen. Kein Happy End á la “Und es wurde dennoch alles gut”.

Denn nein, es wird nicht alles gut. Nicht nach einer Vergewaltigung. Aber was ist denn nun mit Akt 3; was passiert, sobald das ‘Ziel’ von 177 erreicht wurde?

Die Moral von 177: Happy End mit Hochzeit

Sie heiraten. Die hässliche Moral der Geschichte? Eine Vergewaltigung ist völlig in Ordnung, solange es der Frau gefällt - und die Hochzeit folgt sogleich, mit einer glücklichen Braut und dem Täter auf dem Boden, ein schmollendes “Nun, du hast mich besiegt”, auf den Lippen.

Ab ins Gefängnis: Auch das ist ein mögliches Ende im Spiel, jedoch nur, wenn das Minigame in Akt 2 verloren wird. Sollte es der Frau also nicht gefallen, wird der Schänder zur Rechenschaft gezogen - und welche Botschaft verbirgt sich dahinter? Womöglich, dass es mehr als 177 Gründe gibt, warum dieses Game uns an der Menschheit zweifeln lassen sollte.

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Abstoßendes Happy End: Hochzeit?!
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Gewaltverherrlichende Inhalte, Folter, Tabu-Brüche und etliche Verbrechen werden in den unterschiedlichsten Videospielen präsentiert und kontroverse Titel wie Duke Nukem 3D sorgten zurecht aufgrund von misogynen Inhalten in den Medien für Aufruhr. Doch 177 glorifiziert geradezu eines der entsetzlichsten Verbrechen überhaupt; es beschönigt die sexuelle Unterwerfung der Frau und gibt dem Spieler die Möglichkeit eines Happy Ends - in Form der Hochzeit. Damit kann 177 gar nicht weiter von der Realität entfernt sein und auch, wenn es zum Release selbst in Japan gebannt wurde, bleibt doch die Frage: Was haben sich die Leute von Macadamia Soft dabei eigentlich gedacht?