Es lässt sich wundervoll darüber streiten, welcher Comic-Superheld der coolste ist. Es herrschen wahre "Glaubenskriege" zwischen Marvel- und DC-Anhängern. Momentan konkurrieren gleich zwei der beliebtesten Charaktere um die Gunst der Videospieler: Batman (Arkham City) und Spider-Man: Edge of Time. Der Sieg geht in dieser Runde aber ungeachtet aller Vorlieben ganz klar an den Dunklen Ritter.

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"Spider-Man: Dimensions ist ein unterhaltsamer Superheldenklopper", schrieb ich vor 13 Monaten über den direkten Vorgänger des aktuellen Spider-Man-Abenteuers. Leider lässt sich diese Aussage für Spider-Man: Edge of Time nicht wiederholen. Alles wirkt irgendwie geschrumpft, inhaltlich und spielerisch eingedampft. Hat das Budget diesmal nicht für einen vollwertigen Nachfolger ausgereicht?

Das fängt schon bei der Anzahl der Spinnenmänner an: Statt vier Protagonisten unterschiedlicher Epochen gehen nur noch zwei Helden an den Start. Amazing und 2099 - Ultimate und Noir müssen leider draußen bleiben. Versteht mich nicht falsch, ich verlange nicht Masse statt Klasse. Aber im Vorgänger hatte das Wechselspielchen meist hervorragend funktioniert und auch jetzt machen die Geschichtenerzähler sehr viel Gutes aus der Vorlage. Warum also diese Beschränkung?

FDH-Diät

Doch das ist gar nicht das zentrale Problem. Schwierig wird es, wenn sich diese selbst auferlegte Einschränkung auf das Spielsystem auswirkt. Edge of Time bietet euch leider sehr viel weniger Komboattacken und damit eingeschränkten spielerischen Tiefgang. Meist genügt es, sich lapidar per Buttonmashing durch die Horden der Feinde zu boxen, nur einige wenige Spezialfertigkeiten lockern diese monotone Klopperei gelegentlich auf.

Spider-Man: Edge of Time - Konkurrenz für Batman Arkham City?

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Da scheppert's. Zumindest die Kampfeffekte sind toll.
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Die KI-Gegner sind nichts weiter als stumpfe Sparringspartner, die sich äußerst vorhersehbar verhalten. Insgesamt hat die Anzahl der möglichen Upgrades bedeutend abgenommen, obwohl wir unterwegs massig Energiebällchen aufsammeln, mit denen wir Zusatzfertigkeiten einkaufen können. Dabei unterscheidet Entwickler Beenox auch noch zwischen geteilten und individuellen Superheldenfähigkeiten - beide Spideys spielen sich damit sehr ähnlich.

Spannung kommt im Verlaufe der etwa sieben Stunden nur selten auf, die gesamte Geschichte spielt innerhalb eines scheinbar kilometerhohen Gebäudes. Wo bei "Dimensions" noch offene Areale deutlich überwogen, sind hier die Räume dementsprechend häufig eng, die Wege meist linear. Das typische Netzschwingen, das mich sonst zu adrenalingetriebenen Jubelschreien veranlasst, fällt damit fast komplett unter den Tisch. Ständig sind wir nur dabei, uns halb automatisch von einem markierten Eckpunkt zum nächsten zu bugsieren.

Packshot zu Spider-Man: Edge of Time Spider-Man: Edge of Time Erschienen für PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Oder wir krabbeln mal wieder an irgendwelchen Wänden entlang oder durch enge Schächte hindurch und fluchen über die hakelige Steuerung, bei der man völlig die Orientierung verliert. Das gilt übrigens auch für die eingestreuten Freier-Fall-Momente von Spider-Man 2099, wo das Handling einfach nicht präzise genug funktioniert.

Es ist klar, dass man damit ein wenig Abwechslung in das öde Spielgeschehen bringen möchte, doch leider scheitert Beenox aus den genannten Gründen. Das ist schade, denn die Zeitreisegeschichte mit den beiden Marvel-Epigonen im Mittelpunkt ist oft sehr unterhaltsam inszeniert, die Zwischensequenzen sind sehr schick und die (englischen) Sprecher leisten hervorragende Arbeit. Im steten Wechsel springen wir von einem Zeitstrang zum anderen, von einem Spinnenmann und wieder zurück, der Soundtrack packt mit seiner stürmischen Art. Wir wollen etwas erleben, wollen sehen, wie sich die gesamte Chose um Peter Parker und Miguel O'Hara und den omnipotenten Alchemax-Konzern auflöst! Doch leider hält der langweilige Spielablauf mit den immer gleichen Handlungsmustern und austauschbaren Robotergegnern diesen Anforderungen nicht stand.

Spider-Man: Edge of Time - Konkurrenz für Batman Arkham City?

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Leider hangelt man sich meist nur von Punkt zu Punkt, munteres Netzschwingen fällt meist flach.
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Und die Zusatzbeschäftigungen in Form von Herausforderungen schon gar nicht. Ihr dürft diesen Nebenschauplätzen zwar jederzeit einen Besuch abstatten, doch die Motivation bleibt schnell auf der Strecke: In der Regel agiert man hier unter Zeitdruck, vermöbelt dabei so viele Feinde wie möglich oder versucht im Rekordtempo die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Das ist eher frustrierend und nutzt sich sehr fix ab. Spaß sieht anders aus, siehe Batman: Arkham City. Das ist umso enttäuschender, weil Edge of Time technisch seinem Vorgänger eigentlich gar nicht groß hinterherhumpelt.

Im Vergleich zu Batman zieht Edge of Time ganz klar den Kürzeren.Fazit lesen

Die Kamera nervt bisweilen immer noch mit ihrer störrischen Einstellung, aber die Animationen sind butterweicher Augenschmaus, die Levels sind überwiegend sehenswert, aber insgesamt ist Abwechslung dann doch ein Fremdwort. Öffnet sich plötzlich ein riesiger, begrünter Raum, keimt Hoffnung auf. Doch dieser dient nur als Relaisstation für viele weitere kleine Arenen, in denen das Gleiche passiert wie in allen anderen: alle Gegner plätten, Schlüssel und Energiekugeln aufsammeln, weiterziehen. Ab und zu erkunden wir versteckte Räume, in denen Bonusgegenstände untergebracht sind.