Spider-Man ist der Inbegriff des burschikosen Superhelden, der gerne flapsige Sprüche im Minutentakt raushaut und quasi nebenbei einen Bösewicht nach dem anderen zu Klump schlägt. Im neuesten Spidey-Abenteuer „Spider-Man: Shattered Dimensions" erwarten uns nun gleich vier Versionen des plapperhaften Netzschwingers. Zu viel des Guten?

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Die Ausgangslage: Spidey muss wieder mal die Welt retten. Der Grund: Das magische Artefakt „Tablet of Order“ zersplittert beim Diebstahl. Die Auswirkungen: Die Welt steht vor dem Kollaps, die Dimensionen verschieben sich und plötzlich befinden sich gleich vier Inkarnationen der berühmtesten Spinne aller Zeiten auf der Suche nach den Bruchstücken des mächtigen Gegenstands. Und außerdem? Dürft ihr euch mit Gangstern kloppen, was das Zeug hält!

Spider-Man: Dimensions - Die spinnen, die Spinnen

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Diesen Attacken sollten Fieslinge nicht zu nahe kommen!
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Der Spielaufbau ist denkbar einfach gehalten. Jeder der drei Akte von Spider-Man: Shattered Dimensions ist unterteilt in vier Levels, in denen jeweils einer der vier Spinnenhüpfer zum Zuge kommt. Die Reihenfolge bleibt euch überlassen, ihr könnt also innerhalb der einzelnen Kapitel selbst auswählen, welche Dimension ihr spielen möchtet.

Spider-Man Noir, dessen in den 1930er-Jahren angesiedelte Umgebung in dunklen, schattigen Sepia-Tönen gehalten ist, unterscheidet sich aufgrund seines ernsten Art-Designs und Schleicherspielablaufs drastisch vom bunten Look und den Haudraufmethoden der weiteren drei Protagonisten. Die Universen von Ultimate und Amazing-Spider-Man sowie Spider-Man 2099 gestalten die Entwickler dagegen im knalligen Cel-Shading-Look. Sie strahlen eine gänzlich andere, geradezu locker-flockige Atmosphäre aus.

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Bei Spider-Man-Noir kommt es mehr auf Hirn als auf Muckis an, ihr schleicht wie Batman durch die Schatten und schaltet Feinde lautlos aus.
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Das kalifornische Entwicklerstudio Beenox hatte sichtlich Spaß am Entwurf der unterschiedlichen Welten und verpasste jedem Spinnenmann einen individuellen Touch, der ihren Comic-Vorbildern gerecht wird. Das futuristische New York des Jahres 2099 grenzt sich mit seinen in Neonfarben gehaltenen Kulissen deutlich von den eher organischen Landschaften der beiden „herkömmlichen“ Helden ab. Das spielerische Momentum unterscheidet sich jedoch nur in wenigen Details, wobei der Noir-Charakter davon größtenteils ausgenommen ist.

Herausforderungen & Upgrades

Gemeinsam ist allen vier Dimensionen neben der ziemlich schicken und abwechslungsreichen Gestaltung eine äußerst lineare Levelstruktur, die höchstens in Ausnahmefällen aus ihrem Korsett ausbricht: Wir steuern den Superhelden jeweils 30 bis 45 Minuten lang durch eine Vielzahl von ruppigen Kämpfen, treffen unterwegs immer wieder in kurzen Sequenzen auf den Bossgegner, keilen uns dazwischen zur Abwechslung mit seinen Helfershelfern, retten ab und zu ein paar Zivilisten, bis wir schließlich den Endkampf bestreiten. Selbst die im Spielrhythmus völlig differierenden Noir-Missionen unterliegen diesem starren Muster, das sich innerhalb der neun bis zehn Stunden Spielzeit doch etwas abnutzt.

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Nein, das ist keine Einladung zum "All you can eat" beim Brasilianer!
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Den Ausweg aus diesem wiederholungsanfälligen Action-Einerlei deuten viele kleine Details, die den Spielablauf motivierend und abwechslungsreich arrangieren. Im Jahr 2099 sind die Feinde zwar genauso schießwütig wie in allen anderen Universen. Kloppereien wechseln sich hier jedoch beispielsweise mit Free-Fall-Einlagen ab, in denen wir dem Erzbösewicht im Sturzflug hinterherjagen und dabei nicht nur auf ihn eindreschen, sondern auch diversen Hindernissen und Objekten ausweichen. Darüber hinaus besitzt Spider-Man 2099 eine Zusatzfähigkeit namens „Schnellsicht“, mit der er den Ablauf der Zeit manipuliert und etwa Attacken seiner Kontrahenten kontert beziehungsweise ihnen ausweicht.

Auch Ultimate-Spider-Man verfügt über eine spezielle Fertigkeit, den Wutmodus. Einmal aktiviert fegt der insektoide Kampfflummi gnadenlos alle anwesenden Widersacher hinweg. Im Noir-Universum vertraut Spider-Man hingegen weniger seinen Muskeln als seiner außerordentlichen Geschicklichkeit. Wir schleichen und schwingen behände durch die Schatten der Levels und schalten Feinde möglichst geräuschlos aus. Das funktioniert zwar meist recht gut, wirkt aber wie ein blasser, oberflächlicher Abklatsch von Batman: Arkham Asylum. Auf Schlägereien mit dem Wachpersonal dürft ihr euch in dieser Dimension kaum einlassen, Widerstandskräfte und Klopperkunst tendieren leider gen null.

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Durch Upgrades erlernt Spidey eine Vielzahl mächtiger Fertigkeiten.
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Davon abgesehen soll ein Upgrade-System, das für alle vier Protagonisten gleichermaßen Gültigkeit hat, die Spieltiefe erhöhen. Zum einen schubst ihr mit den in Fights und Herausforderungen verdienten Punkten Charakterwerte wie Gesundheits- und Wutanzeige hoch. Zum anderen erweitert ihr die Basisfertigkeiten der „Spinne“. Normale Schläge, Tritte und Netzfähigkeiten werden infolge dieses Tunings deutlich aufgebohrt und in ein recht komplexes System mächtiger Kombo-Attacken verwandelt, das Spideys Flexibilität in den Scharmützeln erhöht.

Stärken & Schwächen

Den meisten Spider-Man-Fans dürfte aber wohl vermutlich die grundlegende Brawler-Mechanik völlig ausreichen. Sie liefert mit einem Mix aus harten und schnellen Schlägen sowie Basisnetzfertigkeiten (Schwung, Hieb und Schuss) bereits eine übersichtliche Palette an schlagkräftigen Argumenten. Wie im Comic geht’s dann nach dem Motto: „Bumm“, „Zack“, „Uff“ und fertig ist der Bösewicht.

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Free-Fall-Einlagen bringen willkommene Abwechslung in den Spielablauf.
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Nicht ganz so simpel laufen die meist mehrstufigen Bosskämpfe ab. Hier müsst ihr euch zunächst eine Taktik zurechtlegen beziehungsweise die Regeln des Kampfes durchschauen und den Fiesling dann so lange malträtieren, bis der Ego-Modus aufploppt - eine Art Quicktime-Event. Hier passiert allerdings nicht mehr, als dass ihr dem Obermacker mit einigen Hieben kräftig die Fresse poliert und dieser schließlich umkippt. Wahnsinnig spektakulär ist das nicht, schlecht sieht in Spider-Man: Shattered Dimensions aber anders aus.

Unterhaltsame Superheldenklopperei ohne 3-D, aber in vier Dimensionen.Fazit lesen

Schwächen offenbart beispielsweise die zusammengeschusterte, generische Handlung. Das liegt nicht unbedingt am ständigen Wechsel zwischen den vier Dimensionen. Auf diesem Gebiet wurde viel Potenzial verschenkt, vor allem bei der fehlenden Interaktion der vier Hauptcharaktere untereinander, die erst zum Schluss auf die Sprünge kommt.

All das wirkt ein wenig wie Flickenschusterei, obwohl die sympathischen Helden jede Menge Esprit, Spidey-Attitüde voller Wortwitz und Charme besitzen. Suboptimal ist wohl auch die korrekte Bezeichnung für die teilweise unausgegorene Kameraführung: Immer wieder fliegen wir beim Netzschwung gegen Wände oder Pfeiler, weil diese zuvor nicht für uns sichtbar sind. Völlig konfus wird das beim Wandkrabbeln, wo die Perspektive im Sekundentakt wechselt und man total die Orientierung verliert.