Kann sich noch jemand an Spellforce 2: Shadow Wars erinnern? Falls nicht, gibt es dafür zumindest einen sehr guten Grund: Das Spiel ist bereits vor über sechs Jahren erschienen. Was liegt da näher, als anno 2012 ein Addon zu veröffentlichen!?

Nun gut - den Zynismus außen vor gelassen - die lange Entwicklungszeit war sicherlich so nicht beabsichtigt und ist zumindest teilweise der JoWood-Misere (aka Insolvenz) geschuldet. Zudem kam auch 2007 noch das erste Addon Dragon Storm heraus. Am Ende sprang aber der schwedische Entwickler Nordic Games ein und vollendete das Werk unter wohl eher widrigen Umständen und minimalem Budget.

Wenn man diese Bedingungen in seine Überlegungen miteinbezieht - und nur dann - ist sogar noch ein halbwegs brauchbares Spiel herausgekommen. Allerdings dürft ihr nicht den Fehler machen, "Faith In Destiny" mit aktuellen Produktionen zu vergleichen. Denn in praktisch keiner Disziplin ist der Genremix aus Rollenspiel und Echtzeitstrategie der Konkurrenz gewachsen.

In vielen Bereichen nicht konkurrenzfähig

Die Grafik? Äußerst mau! Abgesehen von den pixeligen Charakteren wirkt die Landschaft sehr steril und leblos, die steifen Animationen tragen ihr übriges zur schwachen Darstellung und kaum vorhandener atmosphärischen Dichte bei. Ähnliches gilt für die Zauber- und Kampfeffekte, die selbst mindestens 90 Prozent aller Browser- und F2P-Spiele mittlerweile schöner auf den Bildschirm pinseln. Über die trübseligen Artwork-Zwischensequenzen hülle ich lieber gleich den Mantel des Schweigens.

Spellforce 2 - Faith in Destiny - Wer zu spät kommt...

alle Bilderstrecken
So sehen hier "epische" Schlachten aus...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28

Ein zweites großes Ärgernis betrifft die Vertonung. Gerade der höchst unmotiviert und amateurhaft agierende Hauptsprecher vergällt zumindest mir das Weiterspielen so sehr, dass ich am liebsten den Ton wegdrehen würde (womit man aufgrund des langweiligen Soundtracks kaum etwas verpasst). Auch die Synchronisation der Charaktere ist bestenfalls emotionslos ausgefallen. Leider verbessern auch die hölzernen und oft ins alberne abgleitenden Dialoge die Situation nicht.

Packshot zu Spellforce 2 - Faith in DestinySpellforce 2 - Faith in DestinyErschienen für PC kaufen: ab 4,73€

Die krude Handlung - in deren Mittelpunkt übrigens nur eine männliche Heldenfigur stehen darf, für weibliche Protagonistinnen war scheinbar kein Budget übrig - ist ein weiterer Schwachpunkt der Standalone-Erweiterung. Wer keines der früheren Spiele gezockt hat, wird kaum verstehen, worum es sich in dem Konflikt um die neue Fraktion der "Namenlosen", der "Former" oder der "Shaikan" überhaupt geht. Wer es nach 12-15 Stunden dann trotz aller Widrigkeiten trotzdem bis zum Ende schafft, wird von einem plötzlichen Finish überrascht, das weder inhaltlich befriedigt noch spielerisch etwas hergibt.

Wer hier zugreift, muss dem Spellforce-Universum schon ziemlich wohlwollend gesonnen sein.Fazit lesen

Für Fans der Serie dürfte "Faith In Destiny" aber dennoch interessant sein. Zum einen erfahren sie endlich, was nach "Dragon Storm" mit den Helden geschah. Es gibt also eine gewisse Kontinuität der Erzählung. Zum anderen führt die Fortsetzung das bekannte - und von vielen lieb gewonnene - Spielprinzip überwiegend nahtlos weiter. Das passiert nicht immer bugfrei und erst recht nicht ohne Probleme. Die Mischung aus Rollenspiel-Elementen und Strategie-Aspekten funktioniert aber zumindest passabel.

Spellforce 2 - Faith in Destiny - Wer zu spät kommt...

alle Bilderstrecken
Gelegentlich darf man sogar die eine oder andere Entscheidung treffen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28

Ich latsche also mit meinem Kämpfer oder Magier (mehr Auswahl gibt es nicht) über eine begrenzt erkundbare Karte, quatsche mit den wenigen NPCs und hole mir Quests ab. Die meisten Aufgaben sind dabei sehr simpel gestrickt - erstaunlich oft sucht ihr etwa verschollene Verwandte.

Interessant wird es vor allem dann, wenn ich entscheiden soll, wie die Mission ausgeht. Verpfeife ich beispielsweise die entlaufene Ehefrau oder belüge ich den gehörnten Ehemann? Das beeinflusst zwar nicht das große Ganze, weil es sich dabei ausnahmslos um Nebengeschichten handelt, es wirkt sich jedoch auf die Belohnungen aus.

Spieltiefe sieht anders aus

Abgesehen davon, dass ich nur als männlicher Recke aktiv werden darf, eröffnet Faith In Destiny nicht unbedingt ein riesiges Talentsystem. Überwiegend bewegt man sich auf vorgegebenen Pfaden eines sehr engen Fertigkeitsbaums. Skillpunkte verteile ich lediglich in drei möglichen Ausrichtungen. Wer auf Hybrid-Figuren keine Lust hat, investiert einfach alle Punkte in eine der drei Spezialisierungen, die nur noch grobe Unterteilungen aufweisen.

Viel spannender wird das auch mit dem hochtrabend als "Click & Fight" bezeichneten Kampfsystem nicht. Im Gegenteil. Die Gefechte sind so hakelig und unübersichtlich ausgefallen, dass ich ständig auf der Suche bin, wohin denn meine Skillleiste schon wieder verschwunden ist.

Und auch die Strategie-Ebene ist mit nur wenigen Schritten vom Ressourcen-Sammeln zum Gebäudebau und der Truppen-Rekrutierung sehr übersichtlich. Sowohl die geringe Anzahl verfügbarer Einheiten, wie auch der Bauwerke zeugt von überaus seichter Spieltiefe. Die taktische Komponente bleibt, wie auch der Rollenspiel-Widerpart, sehr oberflächlich auf einer Makro-Ebene hängen.

Spellforce 2 - Faith in Destiny - Wer zu spät kommt...

alle Bilderstrecken
Kleinere Puzzles sollen den Spielablauf auflockern, das Ganze wirkt aber ziemlich hölzern und gezwungen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 25/281/28

Das heißt aber nicht, dass ihr im Spaziergang durch die Kampagne flaniert. Schuld daran sind die teils heftigen Schwierigkeits-Spikes. Haue ich das eine Monster noch locker weg, überrumpelt mich ein gleichstufiger Gegner "gleich nebenan" mühelos. Um Kämpfe gegen Feindesgruppen zu gewinnen, muss ich zudem oft an die Grenzen dessen gehen, was die Ressourcen überhaupt hergeben. Aber immerhin: in den geradlinigen Levels verirrt sich kaum einmal eine Einheit, die Wegfindung funktioniert solide.

Auch der Mehrspielermodus laboriert offensichtlich an den Bedingungen der Fertigstellung. Fans dürfte vor allem die Wegrationalisierung des freien Spiels (so wie sie es bisher kannten) beziehungsweise Koop-Modus schmerzen. In diesem Punkt verlässt sich Nordic vollends auf die Modding-Community. Geblieben sind lediglich die Skirmish-Partien und der "Domination"-Modus. Da leidet dann aber besonders die neue Fraktion der "Namenlosen" unter arg beschnittenen Möglichkeiten. Im Prinzip ist sie in Mehrspielerpartien derzeit praktisch nutzlos.