Ziemlich genau ein Jahr ist Spellforce 2: Shadow Wars nun alt, und die bloße Erwähnung des Titels dürfte selbst heute noch ein freudiges Leuchten in den Augen der Rollenspiel-Strategen hervorrufen. Die Entwickler von Phenomic haben sich jedoch nicht auf den Lorbeeren ausgeruht, die seitdem von der internationalen Presse und begeisterten Fans vergeben wurden.

Klammheimlich entstand über die letzten Monate im pfälzischen Ingelheim also ein weiteres Kleinod aus dem Spellforce-Universum, gespickt mit Inhalten, für die andere Entwicklerstudios die doppelte Zeit benötigen. Die Rede ist von Dragon Storm, der einzigen Spielerweiterung, die eigentlich ein Hauptspiel ist.

Spellforce 2 - Dragon Storm - Trailer: DracheEin weiteres Video

Eo in Not
Wer bereits Shadow Wars durchgespielt hat, wird nach dem Start des Addons zunächst eine Überraschung erleben: Euer Avatar, mit dem ihr euch in Spellforce 2 durch drei Akte geschlagen, Schattenfestungen erstürmt und euch am Ende einem besonders großen Übel gestellt habt, ist verschwunden. Stattdessen steuert ihr während der "Dragon Storm"-Missionen häufig wechselnde Heldentruppen, bestehend aus neuen Freunden (wie dem Auftragsmörder Caine) und bereits bekannten Recken.

Spellforce 2 - Dragon Storm - Ein Drachensturm von einem Addon: sauschwer, aber auch saugut!

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Der kurze, aber wuchtige Intro-Film wurde in Spielgrafik gefilmt.
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Die Reise beginnt in den eisigen Mauern der Winterlichtspitze. Die majestätische Zwergenstadt hat sich seit unserem letzten Besuch kaum verändert, birgt aber neue Gefahren. Dunkle Zeitgenossen belagern die Mauern und verbreiten Angst und Schrecken auf den Wegen nahe der Tore. Die sehr gelungene Story von Spellforce 2: Dragon Strom entfaltet sich erst nach und nach. So erfährt ihr nach kurzer Spielzeit, dass es nicht gut um die Bewohner von Eo steht. Die Portale, die als Übergang zwischen den vielen Inseln der Welt dienten, verlieren ihre Macht. Handelsrouten brechen ab, Hungersnöte und Krankheiten wüten. Die freien Völker fliehen in Panik

Mehr von der Geschichte zu verraten, wäre unfair. Wie schon in Shadow Wars verwandten die Jungs von Phenomic eine große Portion Phantasie und Einfallsreichtum auf den Entwurf der Handlung und schmücken die Kampagne mit allerlei Storywendungen, dramatischen Höhepunkten und witzigen Dialogen. Die Helden wachsen einem ans Herz, die Suche nach Antworten motiviert. Dragon Storm vollbringt das Kunststück, dass wir nicht wegen der Jagd nach immer besseren und selteneren Gegenständen oder dem epischsten Reittier an den PC zurückkehren, sondern weil uns Eo und seine spannenden Charaktere interessieren. Eine seltene Gabe in der heutigen Rollenspielwelt.

Packshot zu Spellforce 2 - Dragon StormSpellforce 2 - Dragon StormErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Transportier mir
Trotzdem geizt die Erweiterung natürlich nicht mit Belohnungen: So dürfen sich erfahrene Abenteurer über hochwertige Set-Rüstungen für ihren Avatar freuen, die besondere Boni für die Charakterwerte bringen, sofern man alle Teile findet. Auch sehr nett: Durfte man im Hauptprogramm noch ein kleines Dörfchen als Gutsherr verwalten, übernehmt ihr nun gleich über eine ganze schwimmende Stadt die Kontrolle, die euch noch dazu durch die Welt von Eo transportiert. Wer braucht da noch Portale?

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Das Abenteuer beginnt in den eisigen Bergen der Winterlichtspitze.
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Tüftler und Bastelexperten finden hier auch ein ganz spezielles Spielzeug: Das maritime Transportmittel bietet nämlich eine hauseigene Werkstatt, in der ihr die verschiedenen Zutaten, die überall auf Eos Inseln verstreut sind, zu eigenen Waffen und Gegenständen verarbeiten könnt. Die luchst man einfach einem der zahlreichen Bestien ab, denen man (meist ungewollt) in die Fänge läuft. Wobei "einfach" nicht ganz zutreffend ist.

Die Quicksave-Taste, dein Freund und Helfer
Wer sich mit Spellforce auskennt, wird sich erinnern: Die beiden Addons zum ersten Teil waren teils frustrierend schwer. Auch Dragon Storm ist kein leichtes Spiel - der Griff zur Schnellspeicher-Taste sollte vor jedem größeren Angriff Pflicht sein. Mit viel Geduld und etwas taktischem Feingefühl lässt sich aber jede noch so knifflige Mission erfüllen, wirklich unfaire Stellen gibt es diesmal nicht. Dennoch ziehen sich manche Gefechte so schon mal bis zu drei Stunden hin. Auf Dauer recht nervig.

Noch häufiger als im Hauptspiel zieht ihr nun allein mit eurer Heldentruppe zu Felde. Oft mit nicht mehr als vier Begleitern gesegnet, stellen euch die scheinbar ziemlich gnadenlosen Programmierer von Phenomic trotzdem immer wieder mal ganze Heerscharen übler Monstrositäten in den Weg. Ohne Micro-Management, also den gezielten Einsatz aller Heldenfähigkeiten und Heilzauber, gewinnt man da keinen Blumentopf.

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Der zwielichtige Ainur hat seine Seele an Dämonen verkauft.
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Erfreulicherweise helfen während dieser Kämpfe nun einige neue Talente, die der frische Shaikan-Fertigkeitenbaum mit sich bringt. Hier könnt ihr eure Recken in zwei Richtungen spezialisieren: Die Shaikan-Kriegskunst sorgt für zusätzliche Schlagkraft, der Blutmagie-Zweig lehrt euch zerstörerische Zauber oder das Beschwören tapferer Helfer. Da die Helden in Dragon Storm gleich auf Stufe 10 starten, lassen sich sofort ein paar Punkte in die neuen Talente stecken.

Quest the Best
Ein Beispiel für das größtenteils hervorragende Missionsdesign: Wir erhalten den Auftrag, den jungen Mann Ainur zu richten, der seine Seele an Dämonen verkauft hat. Als wir den Auftrag jedoch gerade erfüllen wollen und zum Todeshieb ausholen, klärt uns der vermeintliche Unhold über den wahren Tathergang auf. Der Spieler kann nun selbst entscheiden, wie das Urteil ausfällt. Die Erfahrungspunkte gibt es zwar in jedem Fall, dennoch suggeriert diese (wenn auch minimale) Entscheidungsfreiheit eine lebendige Welt.

Die Quests in Spellforce 2: Dragon Storm sind allesamt äußerst abwechslungsreich und spannend. Mal beschaffen wir einem Händler verlorene Waren wieder, an anderer Stelle besorgen wir Wasser, um einen uralten, magischen Baum vor der Dürre zu retten. Sämtliche Aufträge sind zudem in kleine Geschichten eingebettet, die mehr von Eo und seinen sonderbaren Gestalten erzählen.

Auch geknobelt wird wieder, meist in Form von Schalterrätseln oder Farbkompositionen. Und wem die normalen Missionen nicht reichen, kann sich seinen eigenen Helden zuwenden. Die haben im Addon nämlich jeweils ihre eigene Quest im Gepäck, für deren Erfüllung es besondere Belohnungen gibt.

Strategie wie nie
Der Strategiepart klotzt mit einer völlig neuen Fraktion. Statt mit Elfen, Zwergen und Orks zieht man dieses Mal mit der Shaikan-Fraktion in den Krieg. Diese rekrutiert sich aus drei Einheitentypen: den stolzen Shaikan selbst, durch deren Adern das Blut der Drachen fließt, den Eisernen, einem Volk metallischer Kampfmaschinen, und denn mächtigen Drachlingen. Fast alle Einheiten lassen sich per Upgrade zusätzlich spezialisieren. Die schnellen Sturmreiter können so zum Beispiel per Wurfspeer mehr Schaden bei fliegenden Gegnern bewirken oder in einem gewissen Radius sämtliche Monster verlangsamen.

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Ein gelbes Ausrufezeichen zeigt euch, welcher NPC einen Auftrag zu vergeben hat.
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Tobt man sich auf den drei neuen Multiplayer-Karten aus, bemerkt man schnell, dass die Shaikan, vor allem im Endgame, extrem schlagkräftige Einheiten ins Feld werfen, aufgrund des hohen Ressourcenhungers aber umso länger für die Produktion benötigen. Verfrühte Rush-Taktiken fallen somit aus. Nennt man aber erst einmal einen Trupp Feuerdrachen sein eigen oder schickt die stark gepanzerten "Vernichter" der Eisernen in die Schlacht, haben Gegner meist nichts mehr zu lachen.