Das Nachmittagsprogramm der Privaten für die lieben Kleinen gleicht einer Dauerverkaufssendung. Die meisten Anime, oder umgangssprachlich: Cartoons, wollen nur noch ihre dazugehörige Ware verkaufen – seien das Action-Figuren oder Kartenspiele. Inhalt der meisten Serien ist das reine Anfixen der jungen Käuferschicht, damit diese ihren Erziehungsberechtigten solange die Ohren vorheulen, bis die entsprechende Ware im Kinderzimmer stationiert wurde.

So wollte auch Disney beim großen Cash-in mit den ganz Kleinen nicht hinterherhinken und schickt mit den Spectrobes ihre Version des offensichtlich unkaputtbaren Pokemon-Prinzips ins Rennen. Interessanterweise ohne das dazu passende Pendant einer TV-Serie. Lediglich drei DS-Spiele sind bereits erschienen, ein viertes Game ist mit Spectrobes: Der Ursprung jetzt für die Wii erschienen – eine logische Konsequenz, dürfte doch inzwischen jedes deutsche Wohnzimmer mit der beliebten Zappelkonsole bestückt sein.

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Auf eintöniger Mission

Spectrobes: Der Ursprung entpuppt sich dabei als ebenso generisches wie eigentlich recht unterhaltsames Spiel, dass sich nicht hinter der übermächtigen Konkurrenz zu verstecken braucht. Zunächst einmal landen die Protagonisten Rallen und Jeena auf einem ihnen unbekannten Planeten und müssen dort die bösen Krawl bekämpfen. Natürlich ist die Geschichte so spannend wie eine Wiederholung der Wetternachrichten vom letzten Jahr, dient sie doch lediglich dazu, den Spieler von Punkt A nach B zu schicken. So gestalten sich die Missionen auch reichlich linear und eintönig.

Spectrobes - Der Ursprung - Ein Anime zum Selberspielen

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Spectrobes: Der Ursprung kopiert recht ungeniert das Pokemon-Prinzip.
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Der Fokus liegt klar auf dem Finden und Entwickeln der Spectrobes. Die Viehcher unterteilen sich zunächst in zwei Gruppen: Die Erste ist noch recht unterentwickelt und hilft dem Spieler beim Suchen von Objekten im Boden. Die Zweite steht für den Kampf bereit und ist schon höher entwickelt. Um überhaupt ein Spectrobe ins Rennen zu schicken, muss man es jedoch zunächst finden. Hat man einen Steinblock mit einem eingeschlossenen Spectrobe-Fossil in der Hand, muss dieses mittels Präzisionsarbeit freigelegt werden.

Das Ganze gestaltet sich dann ein wenig wie die OPs bei Trauma Center: Mit Hilfe diverser Werkzeuge muss das Spectrobe-Fossil aus dem Steinblock geschält werden, möglichst vorsichtig natürlich. Wird das gute Stück zu oft mit einem Bohrer oder Laser traktiert hat man seine Chance auf ein neues Spectrobe vertan und muss sich neue Blöcke suchen. Diese gibt es jedoch Zuhauf – Sinn des Spieles ist es, möglichst die richtige Kombination an Kampfgefährten aus den mehr als hundert Spectrobes zu finden.

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Die bösen Krawl müssen vertrieben werden.
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Jedes dieser Kreaturen hat natürlich so ihre Stärken und Schwächen. Einige unterstützen den Kampf durch Fernangriffe, andere begeben sich direkt ins Getümmel. Wichtig ist auch das Erlernen und Erkennen der Elemente, wobei die Sache recht logisch funktioniert: Ein Wasser-Spectrobe ist stark gegen Feuergegner. Der Kampf läuft meist über Zufallsbegegnungen ab und hat den Flair eines typischen Action-RPGs: Kaum trifft man auf Gegner, wird in die Schlacht gezoomt.

Gestikulieren an der Frustgrenze

Der Spieler greift aktiv ins Geschehen ein und metzelt sich mit seiner Waffe durch die angreifenden Krawl. Dazu ist reines Button-Smashing nötig, mehr wird nicht verlangt. Etwas taktischer muss man hingegen mit seinen Spectrobes umgehen, die eingesetzt werden sollen – zum Einsetzen wird die Wiimote gewedelt, für einen Spezialangriff müssen sogar die Arme gekreuzt werden – dazu braucht es schon Überwindung und vor allem einen gut verschlossenen Rollladen. Was sollen sonst die Nachbarn denken?

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Gemeinsam mit seinen Spectrobes heizt man den Gegnern ein.
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Neben den unterschiedlichen Stärken und Schwächen der Schützlinge muss auch immer auf die Energie des kämpfenden Spectrobes geachtet werden – ist diese einmal leer ist das Spectrobe nämlich hinüber. Mittels einer Geste mit der Wiimote kann man den Kompagnon zwar zurückpfeifen, doch interpretiert die Wii nicht immer die Bewegungen richtig, was zu Ärgernissen und Frustration führen kann.

Letztendlich beschäftigt man sich ohnehin den Großteil des Spiels damit, die Spectrobes zu finden, sie zu erwecken und aufzuleveln, um sie dann im Kampf einzusetzen. Das Ganze geht recht locker von der Hand und spielt sich recht angenehm – wirkliche Schnitzer sind nicht zu vermelden, auch wenn sich die Grafik auf GameCube-Niveau bewegt und der Stil sicherlich diskussionswürdig ist. Für ein typisches Merchandising-Produkt ist Spectrobes allerdings durchaus beachtlich.