Ganz ehrlich: Dass es sich bei The Line bereits um die neunte Folge von Spec Ops handelt, habe ich vor der Präsentation des taktischen 3rd-Person-Shooters auf der diesjährigen Gamescom nicht gewusst. Aber das ist wohl auch kein Wunder, lag die Actionserie doch immerhin fast acht Jahre brach und hatte davor auch nicht unbedingt übermäßig große Erfolge. Entwicklerstudios und Publisher gaben sich bei fast jeder Episode die Klinke in die Hand.

Damit war eine kontinuierliche Aufbauarbeit im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Doch nun soll mit dem Hin und Her Schluss sein, alles anders werden und ausgerechnet eine vorher unbekannte deutsche Spieleschmiede für die erfolgreiche Wiederbelegung der Marke sorgen.

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Dynamisches Wüstenschlachtfeld

Warum aber auch nicht, denn spätestens Crytek hat mit Crysis gezeigt, dass auch hierzulande erfolgreiche Shooter produziert werden können. Yager Development heißt das in Berlin beheimatete Studio, das laut Publisher 2k Games "die nächste große Shooter-Franchise nach Bioshock und Borderlands" garantieren soll. Ob das ambitionierte Ziel, die Qualität der hauseigenen Blockbuster-Konkurrenz zu erreichen, tatsächlich erreicht wird? Lässt sich anhand der vom sympathischen Lead Designer Cory Davis vorgenommenen Präsentation jedoch noch nicht beurteilen.

Spec Ops: The Line - Auf den Spuren von Crysis: Der nächste Shooter-Hit aus Deutschland?

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Die Explosionen können sich absolut sehen lassen.
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Mehr als 15 Minuten der Spielaction wurden uns noch nicht dargeboten. Allerdings haben wir den Eindruck, dass der Produktionsstandard schon ziemlich hoch ist. Und das ist ja für den Anfang nicht so schlecht. Aber die noch bessere Nachricht ist: Es geht sogar so weiter. Das beginnt beim Setting, das die Delta Force-Einheit des Helden Captain Martin Walker nach Dubai verschlägt. Das Wüstenstaat-Szenario wirkt frisch und unverbraucht und bietet jede Menge Möglichkeiten, sich künstlerisch und inhaltlich auszutoben.

Das Ambiente wird zum einen von gelungenen Lichteffekten, die einen guten Eindruck der umbarmherzigen klimatischen Bedingungen vermitteln, dominiert. Zum anderen ist der Spielablauf geprägt von dynamischen Sandstürmen (die sich wie in 'Fracture' auf das Leveldesign auswirken) und plötzlichen Verwehungen, die den Durchblick erschweren oder Wege verändern und dadurch besondere spielerische und visuelle Herausforderungen für den Spieler bereithalten.

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Moralische Bedenken werden im Team immer wieder diskutiert.
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Dass es sich dabei nicht nur um oberflächliche Gimmicks handelt beweist Davis, als er mit der Hauptfigur auf ein Objekt feuern lässt, das dadurch wegbricht, und eine massive Sandlawine auf die Feinde herabgehen lässt. "Was wir hier sehen, ist kein Standard-Schlachtfeld", berichtet der Lead Designer, "es ist einzigartig und bietet eine Menge solcher interaktiver Momente". Doch Spieler sollten achtgeben, denn wer sich die Chance auf solche Aktionen entgehen lässt, könnte von den KI-Feinden überrascht werden, die clever genug sein sollen, ebenfalls zu solchen Mitteln zu greifen.

Moralische Instanz

Womit sich Spec Ops: The Line laut Davis auch von der zahlreichen Action-Konkurrenz absetzen möchte, ist beispielsweise das Storytelling. Moralische Entscheidungen sollen demnach ein zentrales Thema der dunklen und erwachsenen Erzählung sein, in der die abartigen Seiten des Krieges ohne Happy-End-Feeling gezeigt werden. Inspiriert wurde das Entwicklerteam u. a. vom wegweisenden Roman "Heart of Darkness" (Joseph Conrad), dem auch hinsichtlich der Ästhetik vieles entlehnt wurde.

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Die Wüstenkulisse bietet ein erfrischendes und unverbrauchtes Szenario.
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Wie diese Moral-Situationen in etwa ablaufen sollen, wird an einer Szene klar: Während der eine Teil des Trupps sich für die schnelle Beendigung einer Geiselnahme ausspricht, votiert ein anderes Teammitglied für Zurückhaltung - man wisse schließlich nicht, wie viele Feinde durch vorschnelles Eingreifen aufgeschreckt werden. Mitverantwortlich für die atmosphärische Dichte dieser Szene ist auch das herausragende Voiceacting der professionellen Sprecher (Englische Version). Mit solchen unterschiedlichen Wertmaßstäben sollen immer wieder moralische Konflikte in Walkers Team, bestehend aus drei weiteren kampferprobten Elitesoldaten, ausgefochten werden.

Ähnliche Entscheidungen werden wohl auch den Einsatz bestimmter Waffensysteme betreffen, als Beispiel mögen hier die besonders grausigen Flammenwerfer oder Phosphorbomben herhalten, denn als Teamleader kann Walker seinen Untergebenen Befehle erteilen - taktische Anweisungen fürs Vorrücken, Angriffe, Deckung oder Positionswechsel. Trotz der ethischen Bedenken geht es jedoch meist knallhart zur Sache, die Spezialeinheit macht auf ihrem Weg durch das versandete Dubai keine Gefangenen.

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Ohne die vielen DEckungsmöglichkeiten würde das Delta-Force-Team wohl nicht sehr weit kommen.
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Die Gefechte spielen sich häufig im Nahkampf, auf kürzeste Distanz, ab. Die brachialen und explosiven Schusswechsel sind direkt und intensiv - immer wieder werden Actioneinlagen durch Zeitlupentechniken hervorgehoben. Eine wichtige Rolle spielt bei diesen geradezu persönlichen Scharmützeln auch das Deckungsfeature, das nicht nur Schutz vor Beschuss bietet, sondern gleichzeitig erlaubt, feindliche Soldaten auszuschalten. Etwa indem durch Autowracks hindurchgeballert wird.

Endlich wieder ein toller Shooter mit frischen Ideen - und das auch noch aus Deutschland.Ausblick lesen

Impressionen vom angekündigten Multiplayermodus blieb das Berliner Team jedoch schuldig. Hier will man laut eigener Aussage sogar die Singleplayererfahrung erweitern. Was darunter zu verstehen ist, werden wir hoffentlich schon bald in Erfahrung bringen können.