Hand hoch: Wer von euch ist Fan von Game Workshops Warhammer 40.000? Und jetzt nochmal Hand hoch: Wer ist es tatsächlich durch das Tabletop-Spiel? Ich nehme an, beim zweiten Mal gingen schon wesentlich weniger Hände gen Himmel als bei der ersten. Hm, rückblickend betrachtet ist ein Text eine doofe Plattform für solche Fragen.

Jedenfalls: Auch ich habe nie eine einzelne Figurine besessen und mich nie auch nur für eine einzige Runde des Tabletop-Spiels mit Freunden getroffen. Und dennoch bin ich großer Sympathisant des futuristischen Ablegers von Warhammer, der so absurd düster ist, dass man eigens für ihn das Kunstadjektiv "grimdark" erfinden müsste. In dieser Welt, wie ja auch schon im ursprünglichen Warhammer, ist wirklich alles zu spät, und selbst die "rechtschaffenden" Menschen (oder, im 40K-Setting vielleicht noch mit am nettesten, die Tau) sind auf die eine oder andere Weise Bastarde.

Space Hulk: Deathwing - Der Hammer fällt - doch wohin?

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Warhammer 40.000 - so düster, dass man eine Taschenlampe zum Tabletop mitnehmen muss.
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Als ich kürzlich auf ein Event des Publishers Focus Home Interactive geladen war, staunte ich nicht schlecht: Von den gezeigten sechs Titeln des Events basierten geschlagene vier auf der einen oder anderen Weise auf Warhammer. Gut, da war dann auch der zweite Teil von Blood Bowl dabei, außerdem das sehr ansprechende Taktik-RPG Mordheim (bei uns: Mortheim), nach dem ihr die Augen offenhalten solltet. Aber eben auch zwei Spiele, die auf 40.000 basierten: Battlefleet Gothic: Armada und das heute besprochene Space Hulk: Deathwing. Zu Armada kann ich einfach noch nicht viel sagen, da es erst zu gefühlten 5% fertig ist. Wir reden drüber, wenn es der Konzeptphase entwachsen ist.

Space Hulk: Deathwing allerdings hatte etwas vorzuzeigen, wenn es auch inhaltlich noch nicht überschäumend und prall gefüllt war. Wer das Setting und die ursprünglichen Brettspiele kennt, kann das Szenario und die Prämisse garantiert mitsingen. Für alle anderen: Eine Gruppe schwerst bewaffneter Space Marines in Terminator-Anzügen kämpft sich durch die Ruine eines havarierten und altertümlichen Raumschiffs, das mittlerweile von allerlei Gräueln behaust wird.

Das können je nach Setting im Brettspiel durchaus unterschiedliche Widersacher des heiligen Imperiums sein. Durch relative Nähe zum Warp, einer nahe gelegenen Paralleldimension, die interstellare Reisen, Zauberei und dämonische Horrorwesen im Setting gleichermaßen ermöglicht, können sich zum Beispiel Monstren und Agenten des Chaos dort einfinden. Vielleicht hat auch eine verstreute Gruppe der blutrünstigen und herrlich dämlichen Orks den Weg in den Space Hulk gefunden, um mit dem Wrack eine ebenso instabile wie wilde Reise zu den Sternen hinzulegen.

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Als Gefahr am wahrscheinlichsten und klassischsten allerdings ist eine Infizierung durch die schwärmenden Tyraniden, eine Alienrasse, die ästhetisch irgendwo zwischen Insekten, Dinosauriern und einem Knäuel aus Klingen, Sicheln und Zähnen angesiedelt ist. Diese zergenden Biester sind auch in Space Hulk: Deathwing die Widersacher, die uns gezeigt wurde und durchaus eine realistische Gefahr – hatte der uns vorspielende Entwickler mal kurzzeitig nicht alle Sinne beieinander, war er ganz schnell Tyranidenfutter.

Das kann aber natürlich auch daran liegen, dass der Kontrast zwischen den extrem agilen Genestealern, die dem Spieler ans Leder wollen, und der wumpigen Kampfmaschine, die man selbst steuert, immens groß ist. Als Terminator überlebt man eben durch überlegene Feuerkraft, dezimeterdicke Panzerung und gegebenenfalls Psyker-Kräfte, ist dafür aber nun etwa so schnell wie eine durch Melasse schwimmende Schildkröte mit Hexenschuss.

Whathammer 40-huh?

Das Ergebnis lässt sich am besten mit dem Klischeewort "wuchtig" umreissen: Mit hallenden Schritten setzt man einen Panzerstiefel nach dem anderen behäbig auf die metallenen Gitter des Raumkreuzers, mit einer der (über ein Dutzend) überdimensionierten Waffenkombinationen im Anschlag, erwartet jede Sekunde den Ansturm einer klickenden und kreischenden Xeno-Horde und schon bald wird die Erwartung erfüllt. Dann lässt man sie imperiale Gerechtigkeit schmecken. Oft erfolgen Angriffe aus mehreren Richtungen oder auch mal aus toten Winkeln, was einen aufmerksamen Beobachter der Präsentation treffend ausrufen ließ, das Spiel erinnere ihn strukturell an Doom 3. Ihr wisst, das war der Shooter, in dem man irgendwann automatisch rückwärts in Räume ging.

Sieht mächtig und schick aus, mit wirklichen Informationen geht man aber nicht hausieren. Dennoch, wenn die satte Action in ein ordentliches Paket geschnürt wird, wird es cool.Ausblick lesen

Viel zu sehen gab es davon allerdings nicht, vor allem keine Spur von Abwechslung, was zwar in so kurzer Zeit eh nicht ginge, bei einem Szenario wie Space Hulk aber auch ganz prinzipiell stark angezweifelt werden darf. Dafür gab es Waffengefühl satt. Ob mit Flamer, Melta, einem gut traditionellen Sturmbolter oder, denn der Bezug zum Namen der Reihe muss ja gewahrt werden, einem gewaltigen Kriegshammer in den überdimensionierten Fäusten, unser Space Marine ist anpassbar und ohne Frage in jeder Inkarnation eine Killermaschine.

Space Hulk: Deathwing - Der Hammer fällt - doch wohin?

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Genestealer zu plätten macht sicherlich Spaß - sagt uns aber nicht ganz, was für eine Art Shooter Deathwing sein will.
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Wie auch seine Kameraden, denn man erforscht einen Space Hulk nunmal nicht alleine. Leider standen unsere Kollegen in der Präsentation etwas dümmlich in der Gegend rum und ließen sich nur allzugerne von den anstürmenden Vielfraßen in tausend Teile zerlegen, was sich offenbar, Treue zum Originalspiel sei dank, auch nicht durch eine Wiederbelebungsmechanik rückgängig machen lässt. Überhaupt ist zumindest mir noch nicht klar, was für eine Struktur Space Hulk: Deathwing überhaupt aufweisen soll. Kurze Roguelike-Missionen mit Zufallsstruktur und Taktik-Möglichkeiten für meine Crew? Lang angelegte Kampagne mit Story? Da im Kuddelmuddel kein Gespräch mit den Entwicklern zustandekam und die Internetsuche nichts Definitives ergibt, müssen wir weiterhin auf eine Antwort warten.

Was sich momentan sagen lässt: Space Hulk: Deathwing fetzt, wortwörtlich. Wer mit Lightning Claws und derlei Ausrüstung in die Tyraniden heizt, der lässt kleine Bröckchen, abgetrennte Unterkiefer und verdutzte Gesichter, die nicht mehr an ihrem ursprünglichen Besitzer hängen, durch die Gegend fliegen. Auch schön ist eine Psyker-Variante, die uns kurz gezeigt wurde. Offenbar basierend auf einem Cooldown-System kann der Spieler, wenn er denn einen Librarian spielt, in regelmäßigen Abständen Feuerstürme, schwarze Löcher und dergleichen massenvernichtendes Gedöns loslassen, was ebenfalls ordentlich reinknallt.

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Wie ihr allerdings an der oberflächlichen Erzählweise meines Textes bemerken werdet, ist der Eindruck von Space Hulk: Deathwing momentan einfach noch keine sehr vielsagende oder geschlossene Erfahrung. Stattdessen wirkt es wie eine Techdemo, wenn auch eine, die bereits sehr ansehnlich und poliert ist. Gegen die Action lässt sich nichts sagen und auch die Inszenierung darf sich sehen lassen. Wenn der tödliche Schwall eines imperialen Flammenwerfers majestätisch die vor Dunkelheit nahezu schwarzen Wände des uralten Space Hulks illuminiert, während sich der letzte Genestealer kreischend und in Panik ausbrechend zur Erde wirft, dann macht das was her. Atmosphärisch. Grafisch. Auch soundtechnisch. Alles kompetent.

Aber worüber wir momentan noch nicht viel und für meinen Geschmack nicht genug wissen, ist das eigentliche Spiel. Versteht mich nicht falsch, hirnbefreite Action ohne Tiefgang, als reiner Selbstzweck, kann etwas sehr befreiendes und schönes sein, und wenn das der Anspruch von Space Hulk: Deathwing sein sollte, mache ich ihm erstmal nicht per se einen Vorwurf daraus. Aber ich möchte es doch zumindest wissen. Stattdessen war man so bemüht darum, die Imperator-sei-bei-uns-Schlachterei zu zeigen, dass man glatt vergessen hat, ein bisschen mehr vom Spiel zu erzählen. Für das technische und spielerische Element, das gezeigt wurde, kann man eine gute Note vergeben. Für ein auch nur leicht tieferes Urteil fehlen leider noch zu viele Infos, und das sollte nach einer Präsentation eigentlich nicht so sein.