Akzeptable Umsetzungen bekannter Marken. Schlechte Umsetzungen. Einige sind nicht annähernd so gut, wie es Fans erwartet haben, und andere sogar noch tiefer angesiedelt. Bei manchen Spielumsetzungen wurde einfach zu viel gewollt, anderen fehlt die Liebe zum Detail. Egal, was die Entwickler auch anstellen – allen Fans können sie es nie recht machen. Und seien wir mal ehrlich: Die meisten Spiele auf der Grundlage von Serien und Filmen sind einfach nur schlecht.

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South-Park-Fans machen große Augen

Daraus haben einige (lies: die wenigsten) Hersteller gelernt und versuchen schon lange nicht mehr, die breite Masse für sich zu gewinnen. Man setzt ein Spiel so gut oder so billig wie möglich um und hofft, dass es genug Verrückte gibt, die die Vorlage so unglaublich toll fanden, dass sie noch ein wenig Restbegeisterung auf das Spiel übertragen können und bereit sind, Geld dafür auszugeben.

Würde man nämlich mit Herzblut und nicht aus Geldgier einen Titel entwerfen... Würde man an die Fans denken und den Ruf, nein, sogar das Vermächtnis der Vorlage... Würde man ein Spiel erschaffen, das dem Original zur Ehre gereicht... Ja, dann muss man auf alles achten.

South Park: Der Stab der Wahrheit

- "Mooom! Das neue Kind pinkelt in meinen Pool der Visionen!"
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Willkommen in Cartmans Welt. Noch nie gab es in einem Garten mehr Zauber und Fantasie...
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Die Persönlichkeiten der Charaktere müssen stimmen. Die Umgebung muss penibel genau nachgebaut werden. Kein Detail darf vergessen werden, kein Grashalm übersehen. Die Geschichte des Spiels muss sich perfekt in die Vorlage einflechten lassen und jeder Getreue, der sich des Titels annimmt, muss das Gefühl haben, selbst ein Teil seiner favorisierten Fantasiewelt zu sein.

Bei manchen Spielen wäre das eine Herausforderung unvorstellbarer Ausmaße. Bei anderen gibt es einfach zu viel zu beachten und zu viele Dinge, die man falsch interpretieren könnte. Andere Umsetzungen würden eine Grafik verlangen, die jeden High-End-Rechner in die Knie zwingt. Bei South Park... Nun, bei South Park ist es eine Kunst für sich, sich in jeglicher Hinsicht auf ein so tiefes Niveau zu begeben.

Packshot zu South Park: Der Stab der WahrheitSouth Park: Der Stab der WahrheitErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: ab 25,00€

Andere Hersteller haben das Problem, dass die zu erreichende Grafik kaum realisierbar ist. Obsidian hat eher das Problem, dass sie ganz schön nach unten schrauben müssen, damit ihr Abenteuer ausschaut wie die beliebte Trickserie. Und ein Haufen begeisterter Kollegen in Dublin sind meine Zeugen: Das haben sie hinbekommen.

Jetzt schon ein Pflichtkauf für alle South-Park-Fans da draußen.Ausblick lesen

In der gesamten Präsentation war eine Sache mehr als deutlich: Die Grafik sieht wie eine reguläre South-Park-Folge aus. Weder in den Kämpfen noch beim freien Umherwandern wird man aus der Illusion gerissen, selbst aktiv in eine normale Folge einzugreifen. Nur dass es sich hierbei eher um eine Sonderfolge wie das „Fantasieland“ handelt oder um einen Fan-Leckerbissen wie der Film.

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- "Mooom! Das neue Kind pinkelt in meinen Pool der Visionen!"
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Kinder prügeln gnadenlos auf andere Kinder ein... Nichts Neues in South Park also.
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Als der „Neue“ in South Park ist es an euch, Freunde zu finden und mit ihnen zu spielen. Denn eure Eltern müssen mal eben das neue Bett ausprobieren und haben jetzt echt keine Zeit für euch. Wer trotzdem an der Haustür klingelt, riskiert es, seinen alten Herrn nackt am Fenster zu sehen und angebrüllt zu werden.

Also macht ihr euch auf den Weg. Zu eurem Glück findet ihr einen wunderbaren Ort, an dem das Jungsein noch Spaß macht. An dem kindliche Fantasie und übertriebene Gewalt in bester South-Park-Manier ineinander übergehen und eine surreale bis verstörende Welt bilden. Ein Ort, der eigentlich nur Cartmans hinterer Garten ist. Und noch schlimmer: in dem Cartman euer Meister ist.

Bereits an diesem ersten Checkpoint wird klar, dass Obsidian eine Vorlage wie South Park, die sich selbst selten ernst nimmt, sehr wohl ernst nimmt und sich penibel an die Vorgaben hält. Kenny, Butters, Stan, Kyle... Und natürlich Eric Theodore Cartman. Alle scheinen ganz genau ihre Persönlichkeit zu haben und entsprechend zu handeln. Gesprochen von den Erfindern und Original-Synchronsprechern der Serie: Trey Parker und Matt Stone.

Sei gegrüßt, Ritter Trottel!

Dass ihr hier nicht nur rein grafisch in die Serie eintaucht, sondern auch alles andere zu stimmen scheint, beweist im Grunde schon die erste Begegnung mit dem weisen Zauberer Cartman.

Wenn ihr euren Namen eingebt, um das Abenteuer zu starten, ist es eigentlich ziemlich Wurst, was ihr dorthin schreibt. Cartman fragt euch eh, ob ihr wirklich „Trottel“ heißen wollt. Und nichts, was ihr tut und sagt, kann ihn davon abhalten, diesen Namen für euch beizubehalten.

Seine wunderbare Fantasiewelt im eben erwähnten Garten ist natürlich kaum mehr als eine Ansammlung von Schrott und Müll. Seine Untergebenen sind die Looser-Kids der Stadt, sein „Wasser der Visionen“ ist nur ein alter Pool, in den das neue Kind erst mal fröhlich reinpinkelt, und sein Stab der Wahrheit ist nichts weiter als ein alter Stock.

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Abgedrehter als die Kämpfe in SP geht kaum.
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Doch wer die Vorstellungskraft dieser Kinder unterschätzt, erlebt sein blaues Wunder und landet nicht selten im Krankenhaus. Denn wer den „heiligen“ Stab klaut, muss mit der fürchterlichen Rache vom „Weisen Cartman“ und „Trottel“ rechnen.

Um diese gefährliche und über alle Maßen abgedrehte Odyssee überleben zu können, stehen euch Unmengen an Objekten, Fähigkeiten und Kleidungsstücken zur Verfügung. Euer Held, der Trottel, lässt sich dadurch individuell gestalten und ausrüsten. Wie es sich für ein gutes RPG gehört, soll sich so allerlei Neues in der Welt von SP finden lassen.

Und all diese Waffen – von „abgedreht“, etwa ein Pümpel, zu „legendär“, der Zauberstab des weisen Cartman – braucht ihr auch, um euch den Legionen an Gegnern zu stellen. Oder besser gesagt: den anderen Kids in der Stadt, die bei diesem abgedrehten Rollenspiel mehr oder weniger freiwillig mitmachen.

So stellt ihr euch im Lauf der Zeit fast jeder Gruppierung, die in der Serie aufgetaucht ist. So ziemlich jeder Charakter hat mindestens einen Gastauftritt und jede Aktion, jeder Gegenstand und jeder Nebencharakter, der je im Original dabei war, wird hier zu einer Spezialattacke – oder Waffe – zweckentfremdet.

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Wer Cartmans Stab der Wahrheit klaut, bekommt es mit Ritter Trottel zu tun!
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Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass Jesus mit einem Maschinengewehr eure Gegner durchlöchert, die putzigen Weihnachtstierchen aus Stans Geschichte eure Gegner lasern (hoffen wir auf Knien, dass es dabei bleibt) oder Mister Sklave mit gespreizten Beinen auf eure Feinde zuspringt und diese in seinem Rektum verschwinden.

Wo sich bei Letzterem die Frage stellt, wie einige Organisationen und Nicht-South-Park-Fans auf so etwas reagieren. Ich möchte wetten, nicht sonderlich positiv. Obwohl es ja noch nie das Problem der Serienschöpfer war, dass einige ihr Werk für politisch inkorrekt, widerlich oder einfach nur beleidigend halten...

Abgesehen von diesem „Spezialmanövern“ finden die Kämpfe in alter Final-Fantasy-Manier statt. Oder anders ausgedrückt: Wenn euch Gegner angreifen, wechselt das Bild in den Kampfmodus, wo ihr euch euren Gegnern gegenüberseht und die Auseinandersetzung rundenbasiert ausgetragen wird.

Jedem Charakter stehen verschiedene Attacken zur Verfügung. Vom einfachen Zuschlagen mit einer Eisenstange bis hin zum mächtigen Zauber. Die Figuren selbst sind dabei in rollenspieltypische Klassen unterteilt: Es gibt den Schurken, den Heiler, den Damage-Dealer und so weiter und so fort. Was da nun wirklich passiert und was der Fantasie der Kinder entspringt, will ich lieber gar nicht wissen...

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Nach der ersten Vorschau sind die Erwartungen an das Spiel hoch.
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Was mich stattdessen brennend interessiert, ist die Antwort auf folgende Fragen: Wie abwechslungsreich wird das Spiel? Wie viele Attacken stehen zur Verfügung? Mit wie vielen anderen Charakteren wird man kämpfen können? Wie lange dauert die Geschichte? Fragen über Fragen.

Doch eines ist jetzt schon sicher: Egal, wie die Antworten darauf lauten mögen, egal, wie widerlich viele das Spiel (zu recht und gleichermaßen ungerechtfertigt) finden - für alle South-Park-Fans unter euch sollte es ein absoluter Pflichtkauf sein.