Ding ding, Ring frei für Runde fünf. Eigentlich Runde sechs, wenn man das Originalspiel „Soul Edge“ mit einrechnet. Klingt, als ob Namco-Bandai die Sequel-Kuh melken wollte, aber Soul Calibur V zeigt überraschend viele Änderungen im Universum des Fantasy-Kloppers.

Soul Calibur 5 - Neuer Story Trailer6 weitere Videos

Der Konflikt nimmt kein Ende. Seit Jahren schon kloppen sich abgebrühte Krieger um die verfluchten und doch mächtigen Zwillingsklingen Soul Edge und Soul Calibur. Mit dem fünften Glockenschlag mutiert das gefeierte Beat'em-up-Schauspiel sogar zum Kampf der Generationen. Aus den Schülern werden Meister, und die bilden wiederum neue Schüler aus. So mancher Haudegen ging in Rente, andere haben hingegen einen Jungbrunnen auf dem Klo installiert.

Zum Beispiel Cervantes, der düstere Pirat, der das Soul Edge vor mehr als zwei Jahrzehnten als Erster unterwerfen konnte, es aber auch umgehend an den germanischen Sagenhelden Siegfried verlor. Cervantes' Gier nach der unheilvollen Klinge lässt offenbar mehr Falten verschwinden als die komplette Moisture-Creme-Palette von L'oreal. Seine Stirn mag im Zorn runzeln, aber der Rest seines Antlitzes glänzt glatt wie ein Babypopo. All die flinken Kampfchoreographien, die er seit Jahren im Schlaf beherrscht, haben keinen Deut an Geschwindigkeit verloren.

Soul Calibur 5 - High-Five auf dem Prügelolymp

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 202/2051/205
Links einer der neuen Hauptcharaktere: Patroklos.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch Sado-Maso-Freak Voldo führt noch immer die gleichen schrägen Verrenkungen aus, als sei seit Soul Calibur 4 kein Stündchen vergangen - dabei sollen angeblich siebzehn Jahre verstrichen sein. Irgendwie ergibt die suggerierte Zeitlinie in Soul Calibur V keinen Sinn und dient nur der legitimen Einführung blutjunger Neueinsteiger. Aber was soll's, wen jucken schon die Handlungsstränge eines Prügelspiels.

Die Verschiebung der Kräfteverhältnisse dürfte viel mehr Aufmerksamkeit einheimsen, denn es wurden nicht nur neue Kämpfer in den Kreis der Auserwählten aufgenommen, sondern auch so mancher klassische Charakter derbe entschärft. Steht ihr etwa auf gewichtige Prügelbrocken wie Siegfried, Nightmare oder Astaroth, so werdet ihr bei Soul Calibur V enttäuscht den Kopf hängen lassen. Sie haben sämtliche Dreierketten verloren, ohne an Geschwindigkeit zu gewinnen.

Packshot zu Soul Calibur 5Soul Calibur 5Erschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Heißt im Klartext: Wollt ihr in einer Kombo drei Treffer oder mehr landen, so müsst ihr sie manuell verbinden, was immer wieder einen langsamen Linker-Move voraussetzt. Infolge dessen verlieren diese Hünen an Angriffskraft und offenbaren Gegnern den schwachen Rücken länger als zuvor, wodurch sie die perfekte Zielscheibe für flinke Faustschwinger abgeben.

Soul Calibur 5 - High-Five auf dem Prügelolymp

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Kilik-Nachfolger Xiba geht mit dem Kampfstab ebenso gut um wie sein Vorbild.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch wenn die weit fortgeschrittene Beta-Fassung für die Vorschau noch nicht alle Feinheiten preisgab, steht schon jetzt fest, dass Soul Calibur V schnelle und spritzige Handkanten-Brotschmierer bevorteilt. Flinke Figuren wie etwa Natsu, die einen Großteil der Angriffe von ihrer Meisterin Taki übernehmen durfte, allerdings nicht mehr vorschnell durch einen Salto im Abgrund landet. Auch die Neueinsteiger Lexia und Viola sprechen in dieser Hinsicht Bände, zumal ihre Waffen eine vergleichsweise großzügige Reichweite aufweisen.

Mittelklassefiguren wie Sophitia und Kilik wurden durch Nachfolger ersetzt, deren Bedienung gelegentlich herbe Kontraste aufweisen. Kiliks Ersatzmann Xiba nutzt zum Beispiel einen ähnlichen, wenn auch kürzeren Bo-Kampfstab, beherrscht aber keine Eröffnungskombo mehr, die das Utensil schlagkräftig einsetzt. Stattdessen müsst ihr mit manuellen Attacken einsteigen, was knallharte Prügelprofis sicherlich erfreut, denn dadurch steigt die Herausforderung. Durchschnittliche Beat-em-up-Fans, die keine Lust haben, seine komplexeren Kettenangriffe im Training herauszufummeln, werden ihn jedoch mit großer Wahrscheinlich links liegen lassen.

Der radikalste Schnitt der Serie

Sämtliche Anpassungen im Balancing einzeln aufzudröseln, bringt nicht viel, darum belasse ich es auch bei den bisherigen Ausführungen. Ihr werdet schon früh genug merken, dass Namco-Bandai diesmal radikaler an der Kräfteverteilung geschraubt hat als jemals zuvor im Verlauf der Serie. Auch wenn Ausnahmen wie Cervantes oder Maxi noch immer dasselbe Portfolio auffahren, spürt man doch, dass zumindest die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Attacken ausführen, zugunsten der Neulinge verändert wurde. Zumal ein neuer Energiebalken an der Seite des Lebensindikators für zusätzliche Akrobatik sorgt. Statt die Seelenleiste zu bemühen, greift ihr nun auf eine Art Wutkraft zurück, mit der ihr sogenannte „Brave Edge“- und „Critical Edge“-Attacken ausführt. Kritische Finisher wurden hingegen ersatzlos gestrichen.

Mir persönlich schmeckt nicht jede der Änderungen, aber insgesamt macht der fünfte Teil eine sehr gute Figur.Ausblick lesen

Namco macht keinen Hehl darum, dass Teil fünf einen Neuanfang wagen soll. Und dass sowohl der neue Hauptcharakter Patroklos als auch Gaststar Ezio Auditore de Firenze aus Assassin's Creed diesmal die erste Geige spielen. Womit auch eine Tradition gebrochen wird, denn traditionell gehören Gaststars zu den schwieriger zu beherrschenden Prügelrecken. Ezio spielt sich hingegen beinahe von alleine und packt selbst bei einfachen Buttonkommandos schon schicke - und dank seiner versteckten Klingen vor allem schlagkräftige - Manöver aus. Was nicht heißt, dass all dieses Änderungen nachteilig sind. Sie fühlen sich im Rahmen der Soul-Calibur-Reihe nur etwas befremdlich an und verlangen Umgewöhnung.

Trotzdem haftet am neuen Soul Calibur ein leicht weichgespülter Tekken-Geschmack, was auch optisch deutlich wird. Grafisch hat sich Namco durchaus gesteigert. Wenn man aber bedenkt, dass Soul Calibur 4 bereits 2008 erschien, ist die Steigerung keine bahnbrechende. Ja, die Charaktere sehen schöner aus und manche Arenen haben einen erheblichen Sprung in Sachen Detaildichte gemacht. Alles in allem erfüllt Namco Bandai aber gerade mal die Erwartungen, denn Teil 4 sieht selbst heute noch ziemlich ansprechend aus. Kleinigkeiten wie Wettereffekte oder – man mag es kaum glauben - eine Arena ohne Ringbegrenzung stellen in Soul Calibur V die Ausnahme dar.

Soul Calibur 5 - High-Five auf dem Prügelolymp

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 202/2051/205
Ihr wollt als knallbunter Paradiesvogel antreten? Der Editor lässt euch alle Möglichkeiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Leider war es uns nicht vergönnt, einen Blick in den Edge-Master-Modus zu werfen, der Solospielern neues Futter verschaffen soll. Wobei das Wort „neu“ wahrscheinlich deplatziert ist: Den Edge-Maste-Modus kennt man bereits aus den ersten Episoden. In Soul Blade auf der ersten Playstation durfte man auf einer Karte von Schauplatz zu Schauplatz reisen, um Spezialkämpfe mit gewissen Handicaps zu bestreiten. Zur Belohnung spuckte der Modus diverse Waffenvarianten aus, deren Statuswerte erheblichen Einfluss auf die Kräftebalance hatten. Schon im Nachfolger auf der Dreamcast wurde das System mit den Waffen fallengelassen. Übrig blieb nur die Welttour mit Handicaps.

Nach bisherigem Wissensstand kehrt Namco zur Ursprungsvariante mitsamt den Extrawaffen zurück. Wie komplex das System ausfällt, war mangels Implementierung in der Vorschau leider nicht auszumachen. Dafür genügte bereits ein Blick auf die Optionen des Charakter-Editors, um festzustellen, dass man sich noch immer nach Herzenslust austoben darf, wenn es um das Äußere eines selbst erstellten Charakters geht.

Wer mal richtig lachen will, überlässt es zudem der CPU, zufällige Kämpfer zu erstellen, bei denen sämtliche freigespielten Kleidungsstücke wild durcheinandergewürfelt werden. Kollege Seb und ich können uns beim Anblick dieser „Gaylords“ nie auf dem Sitz halten und prusten schon nach zwei Sekunden los, wenn ein Voldo-Verschnitt in Trachtenrock und Narrenkostüm antanzt. Herrlich.