Namco ruft alle Prügelhelden zu den Waffen. Soul Calibur bringt eure Daumen zum Qualmen, egal ob euer Kontrahent im gleichen Zimmer sitzt oder ob ihr ihm über die Internetleitung die Leviten lest. Einsam im stillen Kämmerlein bleibt der Spaß irgendwann auf der Strecke.

Soul Calibur 5 - Neuer Story Trailer6 weitere Videos

Oh je. Ich befürchte, ich muss ein wenig zurückrudern. Ich hatte einige Startschwierigkeiten mit dem neuen Soul Calibur, was ich auch in meiner Vorschau verdeutlichte. Allerdings habe ich dadurch auch ein wenig Käse verzapft, was schlichtweg daran lag, dass mir Namcos neuester Prügler zu hektisch ist. Die Spielgeschwindigkeit hat seit dem vierten Teil spürbar zugenommen, was einem alten Sack wie mir nicht nur flinkere Reflexe abverlangt, sondern auch weniger Zeit zum geistigen Schalten lässt.

Mein Timing mit dem hünenhaften Schwertschwinger Siegfried war völlig daneben, ich kämpfte quasi gegen mich selbst. Schlimmer noch, ich bekam die neuen Critical-Edge-Moves, die ich aus der Präsentation auf der Gamescom kannte, einfach nicht auf die Reihe und schob es auf die Beta-Fassung. Böser Denis.

Soul Calibur 5 - Blau, blau, blau glüht der Ezio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 200/2051/205
Ein wenig optimiert, hier und da verändert und immer noch wunderbar im Kern: die eigentliche Kampfmechanik.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Asche auf mein Haupt. Ich bereue demütigst. Aber so ganz falsch lag ich dann doch nicht, denn Soul Calibur V hat durchaus seine Macken. Mein Spinnensinn klingelte nur so heftig, dass ich vor lauter Frust nicht begriff, wo der Casus Knacksus tatsächlich lag.

Der erwähnte Siegfried etwa – einer meiner Lieblingskämpfer – wurde tatsächlich etwas beschnitten. Aber nicht so heftig, wie ich behauptete. Kettenkombos muss man nun öfter manuell verknüpfen, stimmt, aber der Nibelungenheld hat dennoch ein schlagkräftiges Repertoire an Spezialbewegungen behalten. Man muss sie diesmal nur etwas schneller ausführen. Puh, da bin ich echt erleichtert. Was wäre ein Soul Calibur nur ohne diese vergleichsweise langsamen, aber kräftigen Haudegen? Wobei ich den klassischen Rock trotzdem vermisse. Astaroth war noch nie ein adäquater Ersatz.

Packshot zu Soul Calibur 5Soul Calibur 5Erschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Ausweichmöglichkeiten gibt es dank rund dreißig wählbarer Prügelrecken zum Glück reichlich. Siebzehn davon kennt man schon aus früheren Episoden, wobei sie Siegfrieds Schicksal überwiegend teilen. Einige von ihnen wurden spürbar entschärft oder ihre Stärken wurden verlagert. Ein gutes Beispiel wäre Hilde, deren Reichweite mit dem Speer etwas verringert wurde. Glücklicherweise, denn die gute Hilde war dadurch stark im Vorteil. Oder Nunchako-Schwinger Maxi, der nicht mehr von selbst Kombos ausführt, nach denen er gar nicht gefragt wurde.

Soul Calibur 5 - Blau, blau, blau glüht der Ezio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Patroklos ist der neue Hauptcharakter, um den sich die Geschichte dreht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Da die unheimlich hochtrabende Handlung siebzehn Jahre Pause zwischen Soul Calibur 4 und 5 suggeriert, kommen nicht alle klassischen Charaktere zurück. Manche muss man erst freispielen, andere wurden durch ähnlich kämpfende Gegenstücke ersetzt. Einer der zehn Neulinge heißt Xiba und stellt den Ersatzmann für Bo-Schwinger Kilik. Xiba ist allerdings ein Weichkeks hoch drei, dem man erst seltsame Verrenkungen abringen muss, bevor er mal die Reichweite seines Kampfstabs ausnutzt. Wäre Kilik von Anfang an verfügbar, würde Xiba ignoriert. Mit ihm muss man erst warm werden.

Gaststar Ezio aus Assassin's Creed scheint hingegen als einziger ohne Waffen anzutreten – denkste. Zum einen kommt der einzige waffenlose Charakter aus der Tekken-Reihe und spielt zum anderen nur eine Gastrolle. Zweitens versteckt der italienische Meuchelmörder in den weiten Ärmeln seiner Kutte so manch scharfes Brotmesser, mit dem er mehr Schaden anrichtet, als man zuerst glauben möchte. Überhaupt spielt sich Ezio für einen Soul-Calibur-Gastcharakter erstaunlich einsteigerfreundlich.

Die haben es aber eilig

Ezio ist allerdings die Ausnahme, denn viele der Anpassungen in Soul Calibur V richten sich an Profis und erweisen sich als durchaus sinnvoll. Sie wahren die Kräftebalance zwischen den Kämpfertypen. Und doch werde ich das Gefühl nicht los, dass alle Charaktere ein wenig näher zueinander gerückt wurden. Die Extreme zwischen den Klassen „lahmer Muskelklotz“ und „kämpfende Ballerina“ scheinen mir nicht mehr ganz so heftig. Vielleicht bin ich aber auch nur von der gesteigerten Spielgeschwindigkeit verblendet.

An der erhabenen Spielmechanik nagt kein Zweifel, aber der Einzelspieler-Anteil ist diesmal ein Witz.Fazit lesen

Mir persönlich geht der Kampfablauf mittlerweile sogar zu fix. Ich hab ja kaum Zeit festzustellen, wie mein Gegenüber steht, da bekomme ich schon die erste Kombo auf die Rübe. Soul Calibur war noch nie ein gemächliches Prügelspiel, aber jetzt komme ich mir gelegentlich vor wie bei Killer Instinct 2. Wenn ich mit dem trägen Siegfried gegen eine flinke Maus wie Taki antrete, flattern mir die Ohren. Und das alles nur, damit man im neuen „Best of five“-Rundensystem nicht die Geduld verliert.

Soul Calibur 5 - Blau, blau, blau glüht der Ezio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 200/2051/205
Die Arenen sind wunderbar gestaltet, aber das waren sie auch schon im vierten Teil.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Standardmäßig sind nun mindestens drei Runden zu bestehen, bevor man zum nächsten Kontrahenten weiterziehen darf. Und auch das hat seinen Grund, denn wenn einer der sogenannten „Kritische Klinge“-Specialmoves sitzt, verliert euer Gegner beinahe die Hälfte seiner Lebensleiste. Da kann eine Runde ganz schnell vorbei sein, was bei einem Genre-üblichen „Best of three“ für lange Gesichter sorgen würde, und so wurde die Spielgeschwindigkeit ein wenig angehoben. Außerdem kann es eine volle Runde dauern, bis man die Energieleiste für die kritische Klinge durch gute Treffer und geschicktes Blocken gefüllt hat. Wer fleißig spart, bekommt sogar genug Energie für zwei dieser aufwändig animierten Mega-Attacken zusammen. Kommen beide ungeblockt beim Gegner an, dann singen die Englein schon nach wenigen Sekunden Halleluja.

Das klingt genauso spektakulär, wie es grafisch animiert wurde. Schmeckt mir aber überhaupt nicht. Einerseits ist die Ausführung der kritischen Klinge bei jedem Charakter gleich und stellt somit keinerlei Herausforderung dar. Zumindest wenn man die Handbewegung gerafft hat und nicht wie der Ochs vorm Berg steht, so wie ich in der Vorschau. Da man die zugehörige Energieleiste normalerweise spätestens in der zweiten Runde voll hat, kommt die kritische Klinge in jedem Schlagabtausch zum Einsatz und kann die Kampfzeit einer Runde drastisch verringern.

Andererseits wird diese Sonderattacke so deutlich angekündigt, dass flinke Joypad-Künstler nur selten Probleme haben dürften, sie zu blocken oder ihr auszuweichen. Im Online-Spiel beeindruckt Critical Edge jedenfalls niemanden so recht, sofern Cervantes nicht wieder mal mit einer unblockbaren Variante anrückt.

Apropos: Die Anbindung über das weltweite Netz funktioniert hervorragend, selbst bei größeren Distanzen zwischen den Spielpartnern. Neben einem praktischen Textchat und übersichtlicher Teilnehmerliste findet man auch ein großes Fenster mit einer Live-Übertragung des aktuellen Duells. Alles wirkt flott und aufgeräumt. Prima.

Die praktischste Neuerung im Online-Spiel findet man allerdings in den Suchoptionen. Region, Sprache, Spieltyp und Spieltyp eurer Kontrahenten lassen sich nun feiner eingrenzen. Besonders witzig fand ich zudem das Kolosseum – im Grunde nur eine besonders große Lobby mit vielen Spielern, die nach Region eingeteilt wurden. Hier wird nicht groß kommuniziert, stattdessen bewegt man ein kleines, einfach gehaltenes Symbol nach Gutdünken über ein zweidimensionales Spielfeld und „trifft“ sich mit möglichen Gegnern zum Duell. Dann geht's auch schon los - schnell und unkompliziert.

Spieltiefe, wo steckst du?

Sagte ich gerade schnell und unkompliziert? Besser hätte ich es nicht zusammenfassen können, denn diese Attribute gelten für jedes Puzzlestück in Namcos Prügelfest. Leider auch, wenn es um die Einzelspielerkampagne geht, von der ich deutlich mehr erwartet hatte.

Offenbar möchte Namco jede Hoffnung auf so etwas wie den Edge-Master-Modus aus Soul Blade begraben. Landkarte gibt's, auf der darf man rumwandern. Heldenerzählung gibt's auch, wird in Form von Einzelzeichnungen und passendem Voice-Acting vermittelt. Freispielen kann man hier auch einiges, nämlich Punkte für den Charaktereditor sowie ein paar anfangs fehlende Charaktere.

Soul Calibur 5 - Blau, blau, blau glüht der Ezio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Gezeichnete Bilder nehmen sich die Handlung vor, aber doll ist das nicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Soweit das Positive, das ja irgendwie nach Edge-Master-Modus klingt, aber leider überhaupt nichts damit zu tun hat. Der Spielmodus mit dem nichtssagenden Namen „Geschichte – 1607 Anno Domini“ erzählt stattdessen die Mär der neuen Hauptfigur Patroklos. Der Sohn von Ex-Schwertschwingerin Sophitia macht nicht gerade auf Sympathiebrocken. Er schlachtet im Namen des finsteren Graf Dumas die Bevölkerung ab, in der Hoffnung, in seinem Dienst den Spuren seiner verschollenen Schwester Pyrrah nachzukommen. Kurz darauf wird Patroklos jedoch klar, dass er nur benutzt wurde. Graf Dumas sucht nur nach der verfluchten Klinge Soul Edge; alles andere ist im egal. Patroklos tritt aus seinem Dienst und sucht auf eigene Faust weiter.

Im Verlauf der Kampagne begegnet der Held natürlich vielen anderen Charakteren, die ihn immer wieder zum Kampf auffordern oder sich seiner Sache anschließen. Natürlich gehört da sein vermisstes Schwesterchen dazu, aber auch Gäste, zum Beispiel Siegfrieds Schüler „Z.W.E.I.“. Handicaps wie Treibsand oder Änderungen der Statuswerte sucht man in den zugehörigen Duellen jedoch vergeblich, ebenso wie neue Waffen. Im Grunde geht es nur um 24 aneinandergereihte Schlachten mit gehörig viel Blah-Blah dazwischen. Für Kenner der Serie ist es durchaus interessant zu erfahren, was mit den beiden magischen Schwertern Soul Edge und Soul Calibur passiert, aber rein aus spielerischer Ansicht hätte sich Namco diesen Modus komplett sparen können.

Er wirkt inhaltlich genauso rückschrittlich wie der Charaktereditor, der zwar mit Unmengen Einstellungsmöglichkeiten glänzt und optisch wahnsinnig viele Freiheiten beim Basteln eines eigenen Backpfeifenheinis lässt. Aber so ganz ohne Auswirkungen auf die Statuswerte macht das Hegen und Pflegen einer Handkanten-Barbiepuppe nur halb so viel Laune. Ändert ihr die Kleidung, hat das lediglich optische Folgen. Im Vorgänger konnte man sich zumindest noch Übertiere basteln und sie dann in einem gesonderten Modus aufeinander hetzen – diese Zeiten sind zu meinem Bedauern endgültig vorbei.

Soul Calibur 5 - Blau, blau, blau glüht der Ezio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 200/2051/205
Im Editor kann man immer noch wahnsinnig viel Unsinn anstellen, aber er wurde an liebgewonnenen Stellen beschnitten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ich bin sogar geneigt zu behaupten, dass sich Namco das komplette Spiel hätte sparen können, weil es abseits der verbesserten Kampfbalance und ein paar neuer Charaktere nicht viel Neues bringt. Selbst grafisch wirkt die Fortentwicklung schüchtern. Bereits Soul Calibur IV sah klasse aus, und es lässt sich nicht leugnen, dass in Teil fünf noch ein Scheibchen mehr draufgepackt wurde, gerade wenn es um Kleidung oder Hintergründe geht.

Nüchtern betrachtet dominiert jedoch nur die Änderung des Farbschemas von Rot zu Blau. Beinahe alle fixen Grafikelemente wie Auswahlmenü, Lebensbalken oder Rundenansage leuchten nun in blauem Neonschein, was vor allem bei dunkler Umgebung gut zur Geltung kommt, aber auch manchmal nerven kann. Hat fast etwas Hypnotisches, Geisterhaftes.