Dunkle Schatten ziehen über den saftig grünen Wiesen eines Fantasy-Königreichs auf, denn die gemeine Albtraumkönigin sucht mit allen Mitteln nach ihrer vor Ewigkeiten entflüchteten Elfentochter. Dank PlayStation Move könnt ihr einem tollpatschigen Zauberlehrling bei der Bekämpfung der alten Schabracke unter die Arme greifen.

Finn und Erline sind schon ein drolliges Pärchen. Er macht auf übermütigen Zauberlehrling, sie schnurrt als sprechende Katze mit gänzlich unzauberhaften Manieren durch das idyllische Örtchen, in dem das Move-Abenteuer „Sorcery“ beginnt. Finn folgt seinen Instinkten, Erline denkt rational. Sie ist elegant aber ergebnisorientiert, er grob und verspielt. Spock gegen Pille, wenn man so will.

Trotzdem sind beide aufeinander angewiesen. Der Hitzkopf von Zaubertölpel hat zwar kaum gelernt, wie man Sahne in Butter verwandelt, meint aber, die Abwesenheit seines Meisters befuge ihn bereits zum Ausprobieren seiner Kräfte. Goethe zitiert er glücklicherweise nicht – er ruft also keine haushaltsknechtenden Geister, die er nicht mehr unter Kontrolle bekommt. Aber Monolithen im Garten per Schwebezauber zu sortieren, das schafft der Knabe nach ein paar Tipps von der wundersamen Katze gerade noch.

Sorcery - Der Zaubertölpel und die gelbe Invasion

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Nett anzusehen, das Abenteuer. Und das ist seine größte Stärke.
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Ist gar nicht so schwer. Ein kurzer Schwung mit der Move-Glühkugel vor der PS3-Kamera, schon ahmt unser Taschenspieler-Azubi die Bewegung mit dem Zauberstab nach und lässt unter dem Spott seiner haarigen Begleiterin schwerste Gesteinsbrocken umherfliegen. Wahnsinn, gab's ja vorher noch nie. Wii? Nii von gehört.

Solches Geschick verbietet natürlich banale Tätigkeiten wie etwa das Öffnen von Kisten oder Zertreten von Vasen, denn auch das vollzieht Finn lieber mit dem magischen Holz. Der Knilch muss nur in Reichweite laufen und eine der am unteren Bildschirmrand eingeblendeten Gesten vollziehen. Also wird flugs zum Navigations-Controller oder einem einhändig bedienten Joypad gegriffen, um die Gegend zu erforschen. Kreiselbewegung und allerlei Basisfertigkeiten legt einem das großzügige Tutorial mit Engelsgeduld und vielen Beispielen nahe. Hier kann nichts schiefgehen. Ist ja auch ein Casual-Game, oder?

Packshot zu SorcerySorceryErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Ja, ist es, aber dann doch wieder nicht. Die Interaktion des Helden mit seiner Umgebung könnte tatsächlich aus der erstbesten Harry-Potter-Filmadaption stammen und dürfte niemanden überfordern. Flimmerte die märchenhafte Erzählung nicht in feiner, sehr an Fable erinnernder HD-Grafik über den Bildschirm, käme so mancher Casual-Hasser wohl nicht einmal durch die heftigst unterfordernde Einleitung.

Nettes, unterhaltsames Abenteuer ohne großartige Akzente.Fazit lesen

Warum die fiese Alptraum-Queen plötzlich das Land terrorisiert und was es mit Finns Katzenfreundin auf sich hat, bleibt an dieser Stelle ein Geheimnis, denn mit gerade mal sechs Stunden Spielzeit scheint jeder heftige Spoiler einer zu viel. Dass die alte Schreckschraube ihr Vorhaben mit einer Armee finsterer Soldaten erreichen möchte, muss an dieser Stelle genügen. Und ebenjenen heizt Finn mit seinem Zauberstab ein, was je nach Schwierigkeitsgrad andere Anforderungen an den Spieler stellt.

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Auch die Zaubereien machen ordentlich Spaß. Eine Zeitlang.
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Selbstverständlich muss Finn den Armeen der dunklen Herrscherin den Allerwertesten aufreißen, was er durch ein kurzes Schnicken aus dem Handgelenk vollzieht. Zauberblitze entspringen der Spitze seines Zauberstabs und bringen jeden einzelnen der gelblich schimmernden Unholde zur Strecke. Sofern man man denn trifft. Das Zielsystem ist indirekt ausgelegt und orientiert sich lediglich an der groben Richtungsvorgabe beim Schnicken des Move-Controllers. Immerhin sind zum Ausgleich Trickschüsse vorgesehen – etwa um eine Säule herum, damit man gut gedeckte Unholde aus der Reserve locken kann.

Der gewählte Schwierigkeitsgrad bestimmt dann nicht nur die Anzahl der Treffer, die ein Bösewicht einsteckt, sondern später auch die nötige Strategie, mit der man durch den Panzer eines besser geschützten Fieslings kommt. Finn ist schließlich nur ein Lehrling, und so muss er sich gelegentlich diverser Hilfsmittel bedienen. Ballert er etwa durch die Flammen eines Lagerfeuers hindurch, so mutieren sie zu Feuerblitzen, die erheblich mehr Schaden anrichten. Später erlernt er sogar das Errichten magischer Feuerwände, was das Suchen eines Lagerfeuers überflüssig macht.

Harry Potter ohne Lizenz

Magiestoß, Schutzschild, Elementarzauber wie Erdwelle, Eisstrahl und mehr, sowie kurzzeitige Verwandlungstricks (etwa in eine Ratte) ebnen nicht nur vermeintlich unzugängliche Pfade, sondern summieren sich im Laufe der Spielzeit auch zu ganzen zwölf Fertigkeiten, zwischen denen man im „Gamer“-Schwierigkeitsgrad irgendwann permanent wechseln muss. Sei es, weil mehrere Gegnertypen gleichzeitig angreifen oder weil einzelne von ihnen – vornehmlich die größeren - mehrere Schutzmechanismen auffahren, die es erst zu brechen gilt.

Inhaltlich geht es also um ein vollwertiges Action-Adventure mit komplexen Handlungsoptionen, dem lediglich eine Gestensteuerung übergestülpt wurde. Heiltränke werden nicht einfach geschluckt, sondern müssen erst mit einer Schüttelgeste durchgemischt werden, bevor sie mit einer Schankbewegung den Schlund des Helden herunterlaufen. Und selbst das Wechseln der Fertigkeiten setzt flinke Handgelenke und das saubere Ausführen einer vorgeschriebenen Geste voraus, was im hektischen Schlachtgetümmel ziemlich nervig sein kann. Warum denken einige Softwareschmieden, man müsse wirklich alles durch eine Bewegung auslösen? Sogar banales Kistenöffnen per Kreiselbewegung nervt irgendwann, da es den Spieler keineswegs näher an das Geschehen heranbringt als ein Knopfdruck.

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Wie man dem wohl zu Leibe rückt?
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Rätsel und Puzzles sucht man zudem mit der Lupe, und wenn sie denn vorkommen, liegt die Lösung auf der Hand. Mit Ausnahme weniger Abzweigungen, in denen meist Schätze liegen, bleibt auch der Forscherdrang auf der Strecke. Augen offenzuhalten lohnt sich trotzdem, denn in den verstreuten Schatzkisten liegen oft wertvolle Zutaten, die man zum Brauen von Zaubertränken benötigt.

Magisches Gebräu kocht der Jungspund bei Gelegenheit in einem Kessel, der erneut an eine Harry-Potter-Episode auf Nintendos Wii erinnert. Stimmt, in Teil sechs: „Der Halbblut-Prinz“ schüttete man ebenfalls Tränke und Pulverchen durch nachahmende Gesten mit dem Steuerknüppel aus. Noch schnell umrühren, schon ist Trank zum Erhöhen der Trefferpunkte, Stärken des Angriffs fertig. Wobei die Anzahl an möglichen Tränken unüberschaubar scheint, da sämtliche erhältlichen Zutaten in jeder erdenklichen Kombination ein anderes Gesöff ergeben.

Es dauert eine Weile, bis man die Liste durch hat, was der Neigung gegenüber dem virtuellen Kochstudio keineswegs positives Gewicht verleiht. Spätestens nach dem zehnten Mal Rumrühren ist der Zauber der Gestensteuerung verflogen, da die Abläufe immer gleich bleiben. Ohne Tränke steigt der Schwierigkeitsgrad mit der Zeit jedoch erheblich. Speziell wenn es an riesige Bossgegner geht, daher kommt man kaum um die langwierige Prozedur herum.

Was Finn an Zutaten nicht unterwegs findet, kauft er eben bei einem seltsamen, ständig wiederkehrenden Händler, der ihm dafür einen Haufen Schotter abnimmt. Das Abgrinden von Landstrichen ist jedoch unmöglich, ganz zu schweigen vom Unterhaltungsfaktor, der auch ohne Backtracking bereits nach halber Spielzeit mächtig abbaut.

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Das Kombinieren der Zauber ist recht spaßig geraten.
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Obwohl Sorcery stellenweise traumhaft schöne Fantasy-Landschaften mit detailreichen , keltisch inspirierten Bauten kombiniert, stumpft die Optik allein durch die Gegnergestaltung ab. Gelbe geisterhafte Unholde überall, mal mit Schilden, mal ohne, mal mit Schutzfertigkeiten und mal stark im Angriff. Aber Hauptsache gelb, in Massen anrollend und kaum voneinander zu unterscheiden. Sehnenscheidenentzündung voraus!

Wenn wenigstens die Handlung einiges davon übertünchen würde, könnte man solche Schnitzer geflissentlich übersehen. Doch die Mär von den Elfen wird nur in Form von Bildern visualisiert, in der selbst die böse Nightmare Queen wenig Eindruck hinterlässt. Die Handlung von Sorcery lebt hauptsächlich von den lustigen Zankereien zwischen Finn und Erline, die aber in der hiesigen Fassung unter einer mittelprächtigen Übersetzung leiden.

Die Sprecher sind ganz ok, aber wer „He gave them treasure and stuff“ als „Er gab ihnen Schätze und Zeug“ übersetzt, gehört wahrlich geohrfeigt. Lieber Skriptschreiber, der idiomatische Ausdruck „and stuff“ wird auf Deutsch mit „und so“ übersetzt. Aber wenn ich hier nun alle Übersetzungsfehler aufliste, bin ich morgen noch nicht fertig.