Es besteht die Gefahr, dass durch die Angriffe auf Sonys PSN ein weit gestreutes Misstrauen gegenüber digitalen Verkäufen von Software und Spielen ausbrechen könnte. Das zumindest befürchten einige führende Entwicklerstudios. Dabei könnte nicht nur Sonys Onlinedienst in Mittleidenschaft gezogen werden, sondern die Art und Weise, wie Spiele als digitale Inhalte insgesamt verkauft werden.

Sony - PSN-Hack kann zu weitreichendem Misstrauen bei digitalen Einkäufen führen

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Das Problem mit dem PSN könnte sich zu einem globalen Problem mit digitaler Distribution ausweiten.
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„Es besteht ernsthaft die Sorge, dass die PSN-Nutzer eine Menge Vertrauen verloren haben. Der PSN-Mark könnte nach dieser Sache ziemlich einbrechen. Da sind jetzt so viele Dinge, über die die Konsumenten jetzt nachdenken.“, sagte Lol Scragg, Geschäftsführer von Dundee in einem Interview mit Develop.

„Unsere Sorge ist, dass die Leute einfach nicht in der Lage sind, unser Spiel zu kaufen, wenn es nächste Woche erscheinen wird.“

Es scheint also hauptsächlich darum zu gehen, dass die Entwickler es nun schwerer haben, ihre Produkte an den Mann zu bringen. Bedenklich sollte allerdings vielmehr sein, dass hier die Daten von Millionen von Menschen gestohlen worden sind. Diese Leute haben jetzt ganz andere Sorgen, als sich darüber Gedanken zu machen, wie sie ein Spiel kaufen.

Für andere ist es aber auch nur ein „kleiner Rückschritt“. So sagte Ste Curran, Creative Director des Zoe Mode Studios:

„Aus meiner Sicht der Dinge ist das größere Problem nicht das PSN, sondern das Vertrauen in die digitale Distribution. Mit jeder dieser Geschichten, die in die Presse gelangen, wird das Vertrauen der Kunden in die Sicherheit ihrer Daten erschüttert. Das Vertrauen in Online-Transaktionen wurde langsam aufgebaut und ich denke, es wird sich fortsetzen, aber das ist jetzt ein unschönes Zeichen. Es könnte einen kleinen Schritt zurück bedeuten.“

Ein Entwicklerstudio, das lieber anonym bleiben wollte, sagte, dass die Downtime bisher ein paar Tausend Pfund gekostet hätte. Wieder andere sagten, dass es schwer zu sagen ist, wie viele Gewinne verloren gehen würden. Allgemein wären nun viele Stimmen laut geworden, die sagen, dass sie das PSN nie wieder benutzen würden - aber das seien auch hauptsächlich Streitereien zwischen Fanboys der jeweiligen Konsole. Meist wohl von Leuten geäußert, die in erster Linie am PC spielen.

Aber der Angriff auf das PSN zieht seine Kreise deutlich über die aktuellen Verluste hinaus. Die meisten Studios gehen davon aus, dass sie zwar ihre Spiele später veröffentlichen können, fürchten aber gleichzeitig, dass die Kunden ihre Kreditkartendaten wieder eingeben würden. Es gibt die Befürchtungen, dass es sich nicht nur auf das PSN und die digitalen Verkäufe dort auswirken wird, sondern auch auf das Xbox-Live-Netzwerk und alle anderen Formen des Online-Einkaufs, bei dem sensible Daten eingegeben und gespeichert werden können.

Man möge hier nur bedenken, dass Steve Jobs auf der letzten Apple Keynote noch erklärt hat, dass der App Store die meisten, bestätigten und aktiven Kreditkartennummern der Welt hätte. Ein Angriff auf Apples App Store wäre also eine Art digitales Pearl Harbour. Es ist nun fraglich, wie weit die Kunden dem virtuellen Einkauf noch vertrauen. Das dürfte sich aber erst mit der Zeit zeigen - vor allem müssen erst einmal die Angreifer gefunden und die genauen Umstände des Angriffs geklärt werden. Denn nur wenn diese bekannt sind, können die anderen Anbieter digitaler Inhalte ihre Systeme entsprechend absichern.