Autor: Andreas Müller

Was Mario für Nintendo ist, stellt der flinke Igel Sonic für Sega dar. Beide Akteure stehen traditionell für kurzweilige Plattform-Action, die vor allem in den Bereichen Leveldesign und Langzeitmotivation punktet. Während Mario längst erfolgreich den Sprung in die dritte Dimension vollzogen hat, weint Sonic noch immer den guten alten 2D-Tagen hinterher. Ob die Next-Generation-Reinkarnation Abhilfe schafft, erfahrt ihr im Test.

Sonic the Hedgehog - TrailerEin weiteres Video

Dimensionsfrage
Wer Jump and Runs mag, dem ist Sonic sicherlich ein Begriff. Bereits in den frühen Tagen der Videospiele, in denen Sega noch selbst legendäre Spieleplattformen hervorbrachte, flitze der flinke Igel auf der Jagd nach goldenen Ringen durch hübsche 2D-Level. Die große Stärke von »Sonic« liegt darin, sich zu einer Kugel zu komprimieren und dann blitzschnell über Plattformen, durch Loopings und über Abhänge zu rollen beziehungsweise zu fliegen.

Sonic the Hedgehog - Der Igel rennt jetzt auch auf der Xbox 360. Rette sich, wer kann!

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Krieg der Welten? Nein, Sonics neuestes Abenteuer.
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Aufgrund der enormen Geschwindigkeiten, mit denen sich Sonic traditionsgemäß durch die Gegend bewegt, tat man sich beim Umstieg in eine dreidimensionale Spielumgebung bislang deutlich schwerer als beispielsweise Nintendo mit 3D-Umsetzungen des »Mario«-Franchise. Es schien, als sei die 2D-Seitenansicht geradezu für das Spielprinzip prädestiniert. Aus diesem Grund fiel bei jedem neuen »Sonic« das Hauptaugenmerk auf die Kamerapositionierung - ein Punkt, dem auch diesmal große Bedeutung zuteil wird.

Kampf gegen das Böse
Zunächst jedoch zur Story, bei der Sega alle Register zieht. Ein imposantes und durchaus sehenswert gerendertes Intro erzählt die Geschichte der jungen Prinzessin Elise. Auf einem Sonnenfestival in der Stadt Soleanna wird sie plötzlich Opfer eines hinterhältigen Angriffs durch den bösen Eggman und seiner Roboter-Armada. Intuitiv eilt Sonic zum Ort des Geschehens, doch als er eintrifft, befindet sich Elise bereits in den Fängen des Schurken. Wenigstens schafft sie es noch, Sonic ihr Chaos-Smaragd-Amulett zu zuwerfen. Was hat Eggman vor? Was hat es mit den Flammen des Verderbens auf sich, und welche Bedeutung hat das Amulett? Sonic muss es herausfinden!

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Sonic trotzt jeder Gefahr!
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Motiviert von diesem spektakulären Auftakt findet ihr euch verkörpert von Sonic in Soleanna wieder. Hier könnt ihr euch frei bewegen, mit Passanten sprechen und kleine Aufträge und Missionen abseits der Haupthandlung annehmen. Zudem dürft ihr eure Erträge aus den Levels beim Shopping in interessante Gegenstände investieren, die Sonic zu Spezialfähigkeiten verhelfen. Bereits nach den ersten Erkundungsminuten trefft ihr auch schon auf einen alten Bekannten - den Fuchs Tails, der euch fortan zur Seite steht. Während die Stadt recht gefällig gestaltet wurde, entbehren die Nebenmissionen leider jeglicher Attraktivität.

Schlechte Regie
Ihr könnt die kleinen Abenteuer durch Gespräche mit Passanten annehmen. Es folgt eine unangenehm lange Ladezeit. Anschließend wird der Dialog in einer kurzen Sequenz, in der ihr letzte Anweisungen bekommt, fortgeführt. Es folgt erneut eine Ladezeit. Nachdem ihr euch nur mit eiserner Disziplin wach gehalten habt, folgt nun die eigentliche Mission, die im Vergleich zur Haupthandlung meistens recht unspektakulär ausfällt. Häufig handelt es sich nur um Geschicklichkeitseinlagen ohne großen Spielwert. Egal ob ihr Erfolg hattet oder nicht, es erwartet euch die nächste Ladezeit, die eine Abschlusssequenz einleitet. Und was kommt nun? Richtig, das gewohnte Stadtumfeld muss natürlich geladen werden.

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Der Strand ist das erste Gebiet, das euch erwartet.
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Frustriert von diesen ständigen Spielunterbrechungen konzentrieren wir uns auf die Story-Missionen, die in unterschiedlich gestalteten Levels, vom Strandszenario über futuristische Städte bis hin zur verschneiten Winterlandschaft, spielen. Hier wird das typische »Sonic«-Gameplay geboten, da man im flotten Tempo durch die Level flitzt, Loopings absolviert, über Bumper hoch gelegene Ebenen erreicht und möglichst viele Ringe einsammelt.

Leider sorgt die Kameraeinstellung für häufige Frusterlebnisse, da sie aufgrund des meist flachen Winkels wenig Übersicht bietet. So könnt ihr oft nur erahnen, wie weit der nächste Abhang entfernt ist und wo Gefahren lauern. Ebenfalls ärgerlich sind plötzliche Kameraschwenks, an die ihr eure Bewegungen anpassen müsst.

Sonic Trinity
Während Checkpoints beim Ableben eures Igels verhindern, das ganze Level noch mal spielen zu müssen, findet ihr euch beim Verlust eures letzten Lebens plötzlich im Hauptmenü wieder. Da in den Levels nicht gespeichert werden darf, wird nun das letzte Savegame aus der Stadt Soleanna herangezogen. Infolgedessen erwartet euch ein mühsamer Weg bis an den Punkt des Versagens. In Kombination mit den Kameraschwächen wird der Frust geradezu auf ein unerträgliches Maß potenziert, was selbst von »Sonic«-Fans nur schwerlich toleriert werden kann.

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Die Roboter von Eggman treiben überall ihr Unwesen.
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Bei solchen Defiziten helfen auch die lobenswerten Ansätze herzlich wenig: Die Entwickler haben sich zwar sichtlich um spielerische Abwechslung bemüht - Pluspunkte bringt das aber kaum ein. Während die Hüpfeinlagen mit dem sympathischen aber trägen Fuchs Tails und den anderen Freunden unseres Igels vergleichsweise wenig Spaß machen, sorgen die alternativen Stories zumindest ansatzweise für Unterhaltung.

So dürft ihr das Spiel alternativ mit Shadow und Silver, ihrerseits Varianten des Vorzeigeigels Sonic, durchspielen. Leider trösten selbst telepathische Fähigkeiten und ein Führerschein für diverse Vehikel, den diese beiden Stacheltiere in petto haben, nicht über die genannten Schwächen im Spieldesign hinweg.