Sonic gehört wohl zu den umstrittensten Videospiel-Franchises überhaupt, wurden doch neben zahlreiche Klassiker auch mindestens ebenso viele Nullnummern mit dem Konterfei des blauen Igels veröffentlicht. Gerade moderne Sonic-Spiele sind, was die Qualität anbelangt, geradezu ein Münzwurf. Das scheint SEGA endlich realisiert zu haben und konzentriert sich mit Sonic Mania auf die alten Tugenden der Spielereihe. Aber lohnt sich dieser Nostalgie-Trip auch für Neueinsteiger?

Viel besser geht's nicht: Das Intro von Sonic Mania

Sonic Mania - Opening AnimationEin weiteres Video

Zunächst ein paar Worte zum wichtigsten Faktor des Spiels: die Liebe zum Detail. Von der atemberaubenden Introsequenz über den Soundtrack des Spiels bis hin zu kleinen Elementen in der Umgebung der Level - an jeder Ecke des Spiels merkt man, dass hier waschechte Sonic-Fans am Werk waren. Besonders die komplett neuen Zonen sind vollgespickt mit Referenzen an alte Tage. So erscheinen die Fernseher der Studiopolis Zone in den Logo-Farben des Game Gear und es finden sich Hinweise auf längst vergangene SEGA-Franchises wie Daytona USA oder Streets of Rage.

Sonic Mania - Endlich wieder ein fantastischer Sonic-Ableger!

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Dr. Eggman oder doch eher Kater Karlo?
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Dies zeigt sich auch an der Grafik: Statt komplett auf leicht veraltete 16 Bit-Assets zu setzen, bietet Sonic Mania einen Grafikstil der deutlich moderner ist, gleichzeitig aber den Stil und die Kernelemente der alten Spiele beibehält. Die Green Hill Zone beispielsweise besitzt ein paar Schattierungen mehr, die Chemical Plant schaut dank einer farbenfrohen Neulackierung deutlich weniger grau im Vergleich zu früher aus. Diesen Spagat, altes neu aufzubereiten, schaffen nur die wenigstens Retro-Titel - erst recht nicht auf diesem Niveau. Chapeau!

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Zum Vergleich: Die aufgefrischte Green Hill Zone links, die alte rechts im Bild
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Abwechslung en masse

Ein dicker Pluspunkt vieler Sonic-Ableger war immer der Abwechslungsreichtum in Sachen Level-Design und gerade hier trumpft Sonic Mania erneut auf: Da ihr das Spiel mit drei verschiedenen Charakteren (Sonic, Tails oder Knuckles) bewältigen könnt, erwartet euch eine teils komplett unterschiedliche Herangehensweise bezüglich der Levelstruktur und wie ihr eine Stage meistern könnt. Auch sind die allermeisten Zonen so aufgebaut, dass es verschiedenste Routen zum Ziel gibt und ihr euch ständig an Weggabelungen entscheiden müsst. Die aus vorigen Teilen bekannten 3D-Minispiele machen Spaß und sogar die Bosskämpfe sind teils so kreativ, dass es einem die Sprache verschlagen kann. Zu letzterem sei nur soviel gesagt: Wer als Hardcore-Fan auch Sonic-Spin-Offs gespielt hat, wird mit Sonic Mania seine helle Freude haben.

Sonic auf Autopilot

Allerdings offenbart sich gerade bei Sonic Mania ein Kernproblem der Spielereihe, das gerade heute, in Zeiten in denen viele Videospiele unfassbar schnell und actionreich sind, immer offensichtlicher wird: Sonic, zumindest die zweidimensionalen Ableger, machen nur dann Spaß, wenn man eigentlich gar nichts machen muss. Einerseits ist das Geschwindigkeitsgefühl auch heute noch berauschend, andererseits ist es eine unfassbar passive Art zu spielen, denn gut gezielte Sprünge und Gegnern auf Anhieb ausweichen ist damit nicht möglich. Alteingesessenen Sonic-Fans wird das egal sein, schließlich kennen sie den Igel seit Jahrzehnten nicht anders. Eine Änderung an diesem Prinzip hätte möglicherweise sogar einen Shitstorm verursacht. Anhängern von Sonics Ausflügen in die dritte Dimension und Neueinsteigern hingegen könnte dieser Umstand etwas sauer aufstoßen. Die warten dann vielleicht besser auf das ebenfalls bald erscheinende Sonic Forces.