Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist die Wertung zum neuen Sonic The Hedgehog, die ungewohnte Höhen erreicht. Segas Maskottchen hat endlich wieder auf Kurs gefunden.

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Mensch, Sega, da habt ihr euch aber Zeit gelassen. Sonic 4 gehörte zwar zu den besseren Plattformern mit dem Flitze-Igel, aber selbst bei dieser Umsetzung hatte ich noch etwas zu meckern. Zu langsam, zu kurz, zu viel Levelrecycling und obendrein die seltsame Laufanimation. Schmeckte mir alles nicht so richtig, auch wenn der Rest tierisch unterhaltsam war. Aber jetzt, nach gefühlten tausend verhunzten Anläufen, habt ihr es endlich geschafft, ein Hüpfspiel zu kreieren, das dem 20 Jahre alten Maskottchen würdig ist. Ich hör die Steine bis hierher von den Herzen plumpsen.

Sonic Generations vereint endlich alle Merkmale, die ein Sonic zu einem Sonic machen. Atemberaubende Geschwindigkeit, schwindelerregende Levelstruktur, Bumper, Loopings, alternative Wege, Korkenzieherbrücken und – das Allerwichtigste – grandiose Spielbarkeit. Vorbei endlich die Tage, als man mehr mit der Kamera kämpfte als mit Dr. Robotniks Schergen. Passé schließlich die Zeit, in der mangelhafte Kollisionsabfrage und zweifelhafte Levelführung den Spaß verdarben. Ich bin völlig aus dem Häuschen!

Sonic Generations - Ein Igel-Duo beschleunigt auf Mach 3

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Da flitzt er wieder, und das sogar in guter Form.
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Und das gleich doppelt, denn ich brauche mich nicht zu fragen, ob mir der seitwärts flitzende, stumme, aber coole Sonic besser gefällt als der moderne, sprechende Igel, der in dreidimensionalen Welten zuhause ist. Sind ja beide vertreten, was durch einen kleinen Handlungskniff ermöglicht wird.

Sonic und seine Freunde feiern den zwanzigsten Geburtstag des blauen Fakirkissens, als plötzlich ein geisterhaftes Ungeheuer buchstäblich durch das Blau des Himmels stößt. Mit einem Schlag vermengen Zeit und Raum, während Sonics Freunde in unterschiedliche Zeitzonen gesaugt und zu Stein verwandelt werden. Nur Sonic entkommt dem Angriff und landet in einem weißen Nichts, das lediglich mehrere Portale zu längst vergessenen und völlig ergrauten Perioden seiner Vergangenheit offenbart. Allerdings hat auch Sonics jüngeres Ebenbild aus 16-Bit-Tagen den Weg in diesen Nexus gefunden. Beide versuchen auf ihre Weise, den farblosen Welten neues Leben einzuhauchen und Sonics Crew von der Versteinerung zu befreien.

Packshot zu Sonic GenerationsSonic GenerationsErschienen für PC, PS3, Xbox 360 und 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Joypad-Akrobaten bekommen somit zwei unterschiedliche Ansätze für gleichen Umgebungen. Betritt man die klassische Green Hill Zone etwa mit Retro-Sonic, rennt man mit ihm in Seitwärtsperspektive durch das Level und nutzt Fähigkeiten aus längst vergangenen Mega-Drive-Tagen. Der moderne Sonic spurtet hingegen in der Verfolgerperspektive durch die Landschaft, wie wir es seit den Dreamcast-Episoden gewohnt sind. Wobei in seltenen Fällen auch mal auf eine Seitenansicht umgeschaltet wird, aber das ist eher die Ausnahme. Das moderne Alter Ego greift dabei auf Talente wie Instant-Sprint oder vorbestimmte Zielmarkierungen zurück, die eine Navigation im Raum erleichtern.

Sonic Generations - Ein Igel-Duo beschleunigt auf Mach 3

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Auch sehr gelungen: die Verschmelzung von 2-D- und 3-D-Passagen.
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Das Ziel eines jeden Abschnitts ist für beide gleichermaßen simpel, denn sie müssen lediglich das Ende eines Levels finden, damit ein Mitglied der versteinerten Bande von seinem Fluch befreit wird. Nach jeweils drei Szenarien wartet dann ein Obermotz hinter einem Tor, für das man drei Schlösser knacken muss. Die zugehörigen Schlüssel erhält man durch das Absolvieren von Sonderaufgaben. Mal soll man eines der eben absolvierten Level mit nur einem Ring beenden, mal hängt euch der blitzschnelle Mecha-Sonic als direkte Konkurrent im Nacken und mal hat man die Vorgabe, nach Knuckles-Münzen zu graben.

Von diesen Aufgaben sind deutlich mehr vorhanden als eigentlich benötigt, denn so lässt sich auch harte Währung anhäufen, die im Talent-Shop ausgegeben wird. Soll Sonic etwa noch schneller rennen, mehr Extraleben bei Spielstart haben oder nach einem Treffer herumschwirrende Ringe länger einsammeln können, so kauft man einfach das entsprechende Talent dafür.

Zwei Igel, eine Mission

Damit beide Igel ihre persönlichen Stärken nutzen können, decken sich ihre Aufgaben nur selten. Hier und dort passieren sie die gleiche Sehenswürdigkeit oder nutzen kurzzeitig denselben Pfad, aber letztendlich geht es um zwei komplett unterschiedliche Spielweisen, was angesichts der Tatsache, dass es bei beiden Igeln um dieselbe Person geht, ziemlich ulkig erscheint. Mehr noch, dieser Kniff ist ein kleiner Geniestreich, weil er Sega erlaubt, Sonic beinahe permanent auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen, ohne Eintönigkeit zu provozieren.

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Normalerweise krankt Segas Siebenmeilenigel an der Macke, wenig spielerische Substanz zu haben, sobald er in den ersten Gang herunterschaltet. Langsame Passagen sind aber nötig, um dem Spieler Verschnaufpausen zu gönnen und Gelegenheit zur Orientierung zu geben. Darum gibt es sie noch immer in Sonic Generations. Doch sie sind nun deutlich kürzer als sonst, weil Abwechslung keine Rolle mehr spielt. Allein der Wechsel zwischen den beiden Sonic-Typen garantiert bereits genügend Variation, sodass der blaue Flitzer endlich mal ein ganzen Spiel lang Vollgas geben darf. Klasse!

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Auch die Green Hill Zone ist dabei.
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Wie genial das Konzept aufgeht, erkennt man aber erst, wenn man die perspektivisch abweichenden Varianten der Spielstufen genauer beäugt. Obwohl Sega klassische Orte aus früheren Sonic-Spielen wiederauferstehen lässt, geht es nur selten um Eins-zu-eins-Kopien der alten Leveldesigns. Das wäre oftmals auch nicht sinnvoll, weil selbst Retro-Sonic durch ausmodellierte 3-D-Welten stapft, die lediglich von der Seite betrachtet werden. Allerdings entdeckt man als Kenner am laufenden Band eindeutige Nachbildungen ikonischer Passagen inklusive heftiger Déjà-vu-Erlebnisse, die sowohl in Seitwärts- als auch in Verfolgerperspektive interessante Einsichten auf vermeintlich bekannte Szenarien offenbaren.

Das lässt sich gut in einem Beispiel verdeutlichen. Vielleicht erinnert ihr euch an den ersten Spielabschnitt von Sonic Adventure 2, in dem der stachelige Sprinter in einer an San Francisco erinnernden Stadtumgebung vor einem riesigen, tollwütig rasenden Sattelschlepper davonlaufen musste. Diese ikonische Spielstufe gehört zu den wenigen, die für den modernen Sonic beinahe originalgetreu nachgebaut wurden, weil eine Umgestaltung in diesem speziellen Fall wenig Sinn ergeben hätte.

Aber wie sieht der Spielabschnitt für den Retro-Renner aus? Das verrate ich euch nicht. Nur so viel: Der Truck rast nicht in zweidimensionaler Ansicht hinter dem Igel her, auch wenn klassisch von links nach rechts gescrollt wird. Oh nein, tatsächlich ist die Flucht vor dem Truck in 2-D sogar deutlich nervenaufreibender, weil man ihm nicht einfach durch Davonrennen entkommen kann. Sega verspricht mit dem Slogan „Zwei Spiele in einem“ wahrlich nicht zu viel.

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Zugeschnappt und ausgeknockt. Kann schon mal passieren.
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Zur Perfektion im Jump-and-Run-Segment reicht es aber leider nicht. Sonic hatte noch nie die Pfiffigkeit eines Mario Galaxy, und das sollte man auch bei Generations nicht erwarten. Letztendlich geht es nur um das möglichst schnelle Durchstreifen der Spielabschnitte, ganz ohne Schnörkel. Das war schon immer Sonics Stärke und soll auch kein Vorwurf sein. Gott behüte, lieber nehme ich Sonic so, wie er jetzt ist, als weitere, womöglich missglückte Experimente gutzuheißen. Trotzdem könnte Sonic Generations noch ein paar Kanten verlieren.

Etwa da unnötig niedrige Framerate von 30 Bildern die Sekunde, die der Schnelligkeit des Igels nicht gerecht wird und in einem leichten Verschwimmen der Umgebung resultiert. Bei Sonic dürfen es gerne 60 Bilder die Sekunde sein, denn das erhöht das Geschwindigkeitsgefühl. Stattdessen setzt Sega lieber auf optionale Stereoskopie. Ob das wirklich sinnvoll erscheint, wenn rund die Hälfte des Spiels in Seitwärtsperspektive stattfindet, sei mal dahingestellt. Außerdem leidet die PlayStation-3-Fassung unter einem spürbaren, unangenehmen Stottern beim Scrolling, das unbedingt mit einem Patch beseitigt werden sollte. Es nervt.