Das beste Sonic-Spiel des Jahres! Es macht alte Fans glücklich! Die Level sind toll gestaltet! Wir wollen unbedingt mehr davon! All das trifft auf Sonic Mania zu. Auf Sonic Forces nicht. Schade.

Es hätte Sonics Jahr werden können: Schon vor einigen Monaten lieferte er in Sonic Mania richtig ab. Aber Sonic Mania sollte ja nur der kleine Bruder sein. Das 20-Euro-Download-Spiel. Ein geglücktes Experiment für Retro-Fans. Das große neue Sonic-Spiel 2017 sollte Sonic Forces werden. Ein Mix aus 2D und 3D wie seinerzeit das recht gute Sonic Generations. Sonic Forces sollte die Ära der vielen schlechten 3D-Sonics beenden. Dieser Plan ist nicht aufgegangen.

Die wohl wichtigste Neuerung an Sonic Forces ist der Charakter-Editor. So funktioniert er:

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Die Story wäre ja noch zu verzeihen, sie ist eben belanglos, wenn auch teilweise befremdlich düster: Dr. Eggman kriegt mal wieder akuten Größenwahn, Sonic soll es richten, wird aber gefangen und fortan brutal gefoltert. Ja, gefoltert. Das Spiel nennt das auch so. So kommt ein ganz neuer Held zu seinem Auftritt: ihr! In einem umfangreichen Charakter-Editor schraubt ihr euch einen eigenen tierischen Helden zusammen, der mit verschiedenen Klamotten und Waffen ausgerüstet werden kann. Man spürt hier deutlich, dass eher eine junge Zielgruppe angesprochen werden soll. Oder eben dar harte Sonic-Fan-Kern, der schon immer mal „selbst“ an Sonics Seite kämpfen wollte.

Held wie bestellt

Die insgesamt etwa 30 jeweils nur wenige Minuten langen Level werden dann unter einem Trio aufgeteilt: Mal kommt euer Avatar zum Zuge, dann der schlaksige Neuzeit-Sonic sowie sein im Vergleich etwas pummeliger Oldschool-Bruder. Letzterer ist natürlich auf die 2D-Abschnitte spezialisiert, der jüngere Sonic auf die 3D-Passagen. Die Avatar-Abschnitte haben wiederum ihren eigenen Charakter, da der Eigenbau nicht ganz so flott unterwegs ist wie Sonic. Dafür kann er die zuvor ausgerüsteten Waffen und einen Greifhaken einsetzen, um sich damit wie Spider-Man durch die Luft zu schwingen.

Sonic Forces - Dark Forces

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Wie in praktisch jedem Sonic ist natürlich auch die Green Hill Zone mit am Start - eines der wenigen spaßigen Level
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Gerade die 3D-Abschnitte greifen auf die Unart zurück, euch zum Zuschauer zu degradieren: Ihr schießt oft pfeilschnell durch grafisch schöne Welten, drückt – überspitzt formuliert – aber nur ab und zu im richtigen Moment einen Button, damit die Action weitergeht. Das ist nett anschauen, bleibt spielerisch aber belanglos und lässt die ohnehin sehr kurzen Level noch dünner wirken.

Sonic kommt nicht in Fahrt

Man fragt sich unweigerlich, wofür all die schicken Level eigentlich gebaut wurden, wenn man dann nur auf Schienen durchgeschleust wird. Gelegentlich entsteht der Eindruck, dass Sonic Team ein viel größeres, ambitionierteres Spiel im Sinn hatte, dann aber Kompromisse machen musste und das Projekt dann bestenfalls noch funktional fertiggestellt hat. Nichts bleibt einen nach dem Durchspielen im Gedächtnis. Selbst die Bosskämpfe entpuppen sich durch ihr Trial-and-Error-Prinzip eher als Flop, zumal zum Ende hin der Schwierigkeitsgrad sprunghaft steigt. Er findet – wie das gesamte Spiel – nie die richtige Balance.

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Diesmal heißt der Erzfeind Infinite - unendlich ist der Spielspaß leider nicht. Nach etwa drei Stunden laufen schon die Credits.
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Wir haben das Spiel hauptsächlich auf einer PlayStation 4 getestet. Die Switch-Version fällt im Systemvergleich ab: Hier müsst ihr mit 720p und 30 Frames leben. Gerade der Wegfall der 60 Frames der übrigen Versionen ist bedauerlich. Wenn ihr nicht unbedingt eine mobile Fassung des Spiels braucht, solltet ihr also eher zu einer der anderen Versionen greifen.