Soldiers: Heroes of World War II (PC-Test)
(von René Grafe)

Das Thema 2. Weltkrieg ist 60 Jahre nach dem D-Day wieder in aller Munde. Gerade in der Spieleindustrie erlebt dieses Szenario eine Renaissance, die nachdenklich stimmen sollte. Wer die Lust am größten Gemetzel der

Menschheit noch nicht verloren hat, dem serviert Codemasters ein gnadenloses Taktikspiel. Aber die Konkurrenz ist groß und die grafische Präsentation ist längst nicht mehr das wichtigste Element. Haben die Heroes of World War II das Zeug, einen der begehrten Gamona Awards einzuheimsen?

Weicheier weggetreten!
"Also Männer, jetzt mal zuhören. Wir kommen gleich zur Sache. Der Ausgang des ganzen Krieges kann vom Erfolg dieser Missionen abhängen..."

Der Einstieg in HoWWII ist gnadenlos und lässt keinen Spielraum für Illusionen. Das ist der Krieg und Sie sind mittendrin. Wer glaubt, auf dem Übungsplatz noch träge dahindösen zu können, sollte sich lieber ganz schnell aus dem Staub machen, denn selbst der Trainingskurs ist tödlich. Oder anders ausgedrückt:

Soldiers: Heroes of WWII - Knallharter Realismus für clevere Strategen!

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Der Realismus beginnt mit dem Einstieg ins Tutorial und endet erst beim Verlassen des Spiels.

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Das bedeutet nichts anderes als einen Schwierigkeitsgrad, der selbst auf der leichtesten Stufe alles von Ihnen abverlangen wird. Der Ladebildschirm wird Ihr ständiger Begleiter in scheinbar aussichtlosen Situationen werden, denn das mal eben schnelle durchspielen einer Mission ist in diesem Spiel nicht drin. Kurzum: Der 2. Weltkrieg war hart, Sie müssen härter sein!

Trockenübungen
Jeder Soldat, auch der größte Held, beginnt seine Karriere robbend unter den strengen Blicken des Ausbilders. Im umfangreichen Rekrutencamp lernen Sie all das, was Sie später innerhalb von Sekunden anwenden müssen.

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Ob Minen legen, Fahrzeuge reparieren bzw. betanken oder die simple aber effektive Deckungslehre, bereits hier erhält der Spieler einen Eindruck davon, was ihn später erwartet. Um beispielsweise einen Panzer zu betanken, muss zunächst ein Besatzungsmitglied aussteigen, ein Fass aufnehmen, zum Panzer zurückgehen und den Benzin einfüllen. Weitaus langwieriger gestaltet sich das Aufmunitionieren eines Fahrzeuges. Da jeder Soldat nur begrenzt belastbar ist und kein bodenloses Inventar besitzt, können immer nur wenige Granaten oder Geschosse aufgehoben und verladen werden. Klickorgien sind gerade bei Panzern, die mehrere Munitionsarten benötigen, vorprogrammiert. Im Gefecht, in dem jeder Mausklick wertvolle Zeit kostet, kann das bereits zum Ableben führen. Zwar kann sich zum Beispiel der Soldat außerhalb des Panzers ducken, aber je weniger Leute im Panzer sitzen, umso wirkungsloser wird dieser. Die Kampfeffizienz lässt nach und nur ein gutes Auge beim Anvisieren kann hier Schlimmeres verhindern.

Totale Kontrolle
Direktsteuerung ist das Zauberwort, um deutlich mehr aus Ihren Einheiten herauszuholen. Per Tastendruck übernehmen Sie die Steuerung einer gewünschten Einheit in allen Einzelheiten. So lenken Sie einen Panzer mittels der Cursortasten und zielen mit der Maus auf etwaige Gegner. Der Vorteil dabei ist, dass auf die Kette oder eine schwach gepanzerte Stelle gezielt werden kann, um das Vehikel schneller kampfunfähig zu machen. Das gleiche Schicksal kann die eigenen Fahrzeuge natürlich ebenfalls ereilen.

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Abhilfe schaffen hier nur Boden-truppen mit einem Werkzeugkoffer. Allerdings kann nicht alles repariert werden und ein regelmäßiger Blick auf die Schadensanzeige bzw. die Lebensanzeige der Einheiten ist Pflicht.

Fußsoldaten, die eigentlichen Helden im Spiel, besitzenzusätzlich noch eine Energieleiste. Diese nimmt rapide ab, wenn der Soldat überladen ist und lange Strecken laufen musste. Die Folge ist, dass der Elitekiller bald nur noch im Schneckentempo über die Karte hechelt. Wenigstens kommen diese Einheiten aber überhaupt noch voran, denn Fahrzeuge ohne Kraftstoff sind vollkommen nutzlos. Die taktische Planung zu Missionsbeginn sollte somit auch die Reichweite der einzelnen Truppenteile berücksichtigen. Fahrbare Untersätze lassen sich allerdings vom Gegner "ausborgen" und das verloren geglaubte Kriegsglück zurückholen. Gerade Brandsätze heizen den Besatzungen der Fahrzeuge mächtig ein und irgendwann müssen diese frische Luft schnappen. Das ist die Chance, die Gegner auszuschalten und das Gefährt anschließend zu übernehmen.

Ähnlich wird mit der gesamten Ausrüstung für die Truppen verfahren. So besitzen Sie zum Beginn der Amerikakampagne nurein Messer und sollen es gleich mit mehreren gut bewaffneten Einheiten aufnehmen. Da helfen nur die Untersuchung der Umgebung und das Aufsammeln von Waffen und Munition. Derart gut gerüstet scharen sie weitere Männer um sich und dezimieren die Deutschen einen nach dem anderen. Da die jeweiligen Widersacher grundsätzlich in der Überzahl sind, hat sich auch die Direktsteuerung von Bodentruppen bewährt. So können Sie mit einem einfachen Soldaten hinter Sandsäcke oder Hauswände robben und mit den entsprechenden Kommandos aus einer sicheren Deckung schießen. Die Gegner versuchen immer wieder, die eigenen Truppen einzukreisen, was schnelle Stellungswechsel erfordert.

Umfangreiche Kampagnen
Insgesamt stehen 4 Feldzüge zur Verfügung, die die aus dem 2. Weltkrieg bekannten Parteien näher beleuchten. Briten, Amerikaner, Deutsche und Russen lassen sich getrennt anwählen und verfügen

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jeweils über mehrere Missionen. Leider kann HoWWII keine richtige Atmosphäre außerhalb der Einsätze erzeugen, denn das Briefing gestaltet sich einfallslos und die Zwischense-quenzen bestehen aus farbloser Spielgrafik, über die die Missions-beschreibung scrollt. Zwar wird der Text vorgelesen, aber dennoch blei-ben die Schwächen der dt. Lokalisa-tion unübersehbar. Die Rechtschreib-fehler sind teilweise haarsträubend. Das eigentliche Herzstück, die Missionen, überzeugen dagegen. Die Einsätze sind äußerst abwechslungsreich und sehr gut gescriptet. Immer wieder müssen Sie Ihre Strategie den veränderten Umständen anpassen.Die Vielfalt der Missionsziele umfasst alle denkbaren Aufgaben, wie z.B. das Ausschalten von Geschützstellungen, das Befreien von Gefangenen, das Stehlen von Fahrzeugen oder der Kampf gegen die Uhr im Angesicht von feindlichen Angriffswellen. Langeweile kann einfach nicht aufkommen. Die Mehrzahl der Missionen ist nicht unter einer Stunde Spielzeit zu bewältigen, da die Karte und alle Gegebenheiten erst ausgekundschaftet werden müssen und mehrere Versuche pro Missionsziel an der Tagesordnung stehen.

Störend wirkt das Ausbleiben sämtlicher Belohnungen nach dem erfolgreichen Meistern eines Ein-satzes. Orden oder sonstige Ehrun-gen fehlen völlig und eine eigentliche Hintergrundgeschichte, die sich um die Helden rankt, existiert nicht.

Zwar orientieren sich die Kampagnen am geschichtlichen Verlauf, aber etwas gehaltvoller hätte es schon sein können.Immerhin dreht es sich laut dem Titel um Helden des zweiten Weltkrieges. Die alleinige Einblendung eines Namens innerhalb des Spiels reicht zu deren Darstellung aber nicht aus. Eingespielte Generäle widmen sich den Bonusmissionen, welche ein nochmals erhöhtes Anforderungsniveau haben.

Neue Grafikreferenz
HoWWII bietet einen Detailreichtum, der in der entsprechenden Auflösung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt, sogar Codename: Panzers. Es ist einfach unglaublich, mit wie viel Liebe die ukrainischen Entwickler vorgegangen sind.

Soldaten sehen aus wie Soldaten und bewegen sich auch so und Panzer wirken wie die Miniaturausgaben der echten Modelle. Dazu kommen die flüssigen Animationen der Einheiten und die Möglichkeit, fast alles zu zerstören oder zu bewegen. So brechen Wände bei Beschuss realistisch in sich zusammen und explodierende Fahrzeuge fliegen in Einzelteilen durch die Luft, einem feurigen Spektakel inklusive. Einziger Wermutstropfen ist die nur sehr begrenzt zoombare Landschaft. Die Entwickler haben eine halb schräge Vogelperspektive zur Darstellung gewählt, die sich nur geringfügig verändern lässt. Doch auch aus dieser Entfernung kann der Spieler alle Einzelheiten auf der Karte erkennen.

Ähnlich gelungen wie die grafische Präsentation wirkt die Soundkulisse. Explosionen hallen auf dem Schlachtfeld, Gewehrsalven lassen jeden Feldherrn panisch nach dem Verursacher suchen und dieEinheiten geben immer gern einen Kommentar ab. Leider sprechen die dt. Soldaten auch in der dt. Version englisch und verpassen dem Realitätsgefühl damit einen Dämpfer.

Clevere KI
Größtenteils erschreckend menschlich agieren dagegen die KI-gesteuerten Einheiten. Blindes Anstürmen stellt eine Seltenheit dar, die Gegner suchen gezielt nach Schwachstellen und greifen von mehreren Seiten an. Auch eigene Truppen schleichen sich lieber von hinten an und kämpfen dadurch viel effizienter.

Beim Erstürmen von Gefechtsstellungen suchen die Bodentruppen selbständig Deckung und verblüffen damit den gestressten Spieler. Der hat aber immer noch mehr als genug zu tun, denn Munitions- oder Waffenwahl sollten Sie peinlichst überwachen. Nur selten setzen Bodentruppen das mitgeschleppte Equipment auch sinnvoll ein.

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Leider gibt es noch einige tiefgreifendere Aussetzer, die nicht hätten sein müssen. Es kommt vor, dass Soldaten trotz tödlichen Beschusses stehen bleiben oder wie die Lemminge immer wieder den selben Weg benutzen, genau in die Salven des wartenden MG hinein.Eigentlich unverständlich, denn an sich ist die KI erstaunlich gut. Ein Patch sollte hier Abhilfe schaffen, wie so oft bei heutigen Verkaufsversionen.

Mehrspieler
Eine Enttäuschung stellt ebenfalls der Mehrspielermodus dar. Nicht nur, dass es immer wieder zu Aussetzern oder Abstürzen kommt, die Auswahl an spielbaren Modi ist einfach zu gering. Momentan existiert nur ein kooperativer Spielmodus über das Internet oder ein Netzwerk für bis zu 4 Spieler.

Diese spielen auf den Karten, die schon aus der Kampagne bekannt sind. Dabei können Truppen untereinander ausgetauscht werden, zumindest theoretisch. Leider ist ein flüssiges Spielen selbst auf schnellen Rechnern nicht möglich, zu viele Bugs trüben den Spielspaß. Wenigstens kann auch eine Mehrspielerpartie mittels Pausenfunktion unterbrochen werden, damit jeder Spieler in Ruhe seine Befehle geben kann.

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Nicht nachzuvollziehen ist das Fehlen einer Duellmöglichkeit für zwei Spieler. Dies gehört seit Jahren zum Standart für Strategiespiele und wird hoffentlich nachgereicht.