Adventures sind antiquiert. Sie passen nicht in das Hier und Jetzt, eine Zeit, in der Modern Warfare 2 und Dragon Age die Schlagzahl vorgeben. Still und heimlich haben sie sich in eine Nische verzogen und verweigern seit Jahren die notwendige Frischzellkur, um endlich den Sprung ins Jahr 2010 zu schaffen.

Einzig Machinarium hat gezeigt, wie moderne Adventures aussehen können, immerhin. So Blonde: Zurück auf die Insel zeigt jedoch keine Spur von Erneuerung, sondern setzt auf ein bewährtes Rezept: Point’n’Click, kombiniere Ding A mit Ding B, um dann im Ergebnis Ding C zu erhalten. Eine einfache Formel, bei der man nicht viel falsch machen kann. So Blonde ist im besten Sinne nostalgisch – im schlechtesten hoffnungslos veraltet.

Blondinenwitze Ahoi

Das klingt harsch, aber letztendlich sind Adventures nur für ein kleines Publikum, welches Veränderungen nur selten wohlwollend begrüßt – sozusagen die Manowar-Fans unter den Gamern. Auch So Blonde wird nur einen eingeschworenen Kreis ansprechen, der daran glaubt, dass es nach LucasArts noch irgendwie weiterging mit dem Genre. Denn genau auf diesen Fundus greift So Blonde zurück und geht damit den Weg des geringsten Widerstands. Das Spiel verlässt sich zu jeder Zeit auf die traditionellen Mechanismen - bis hin zum wenig einfallsreichen Piraten-Setting.

So Blonde - Zurück auf die Insel - Was ist eine Blondine in der Badewanne? Eine Insel mit zwei Bergen...

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Auch das steht im Handbuch für Adventures: Schwertduelle. So Blonde ist nicht sehr einfallsreich.
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Denn die blonde Heldin mit dem sprechenden Namen Sunny Blonde verschlägt es unfreiwillig auf eine Insel, auf der sich ein paar Piraten aufgrund eines Fluches die Zeit vertreiben müssen. Sunny will allerdings einen Weg zurück in die Zivilisation finden, schließlich ist ihr Handy-Akku leer. Auf genau diesem Niveau bewegt sich auch der restliche Wortwitz, gegen den die Sprecher stets ankämpfen müssen. Tapfer mühen sie sich durch dröge Jokes über ungeschminkte Blondinen und kernige Piraten mit weichem Hirn, stranden letztendlich aber trotz angenehmem Voice-Acting an den flachen Gestaden schaler Humorigkeit.

Wer also über ein ständig nörgelndes Blondchen lachen kann, das sich wortreich darüber beschwert, dass ihr ein Fingernagel abgebrochen ist: Bitte, hier gibt es reichlich Gelegenheit. Kommt man mit der verkrampften Interpretation dessen, was die Autoren von So Blonde als Humor auffassen, klar, verbirgt sich hinter dem Titel sogar ein recht passables Adventure. Denn zumindest von der Spielmechanik ist das Game ansprechend und kann mit reichhaltiger Rätselkost aufwarten.

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Nicht im Bild: Die titelgebende Blondine, die an diesen Strand angespült wurde.
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Es geht also wie immer darum, möglichst alle Gegenstände zu finden und diese dann mehr oder minder sinnvoll zu kombinieren. Das klappt meistens gut, manchmal stiften jedoch kleine Schnitzer Verwirrung. So Blonde: Zurück auf die Insel verzichtet nämlich nicht auf die genre-typischen waghalsigen Kombinationen. Zudem führen einige Fehler in der Namensgebung auf die falsche Fährte. So will gleich zu Anfang eine Muschel von einer Planke gelöst werden. Die Nagelfeile? Fehlanzeige. Der Bootshaken? Nope. Kreditkarte? Iwo. Am Ende ist es der „Kiesel“, der die Muschel aus der festen Verankerung löst. Ein Kiesel? „Stein“ wäre vielleicht die bessere Wortwahl gewesen.

Kombinieren, kombinieren, kombinieren

Unlogische Rätsel ist man als Adventure-Spieler ebenso gewöhnt wie Lösungsansätze, die nur eine Möglichkeit zulassen. Wasser holt man sich schließlich bei dem tropfenden Rinnsaal in der Höhle und nicht am Meer, auch wenn die Interaktion mit dem großen Nass möglich ist. Auch bei So Blonde gilt also das alte Prinzip: Alles mit allem durchprobieren, dann kommt man schon ans Ziel.

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Warum müssen es eigentlich immer Piraten sein?
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Denn eine Hilfefunktion gibt es leider nicht. Durchhänger sind dadurch schwerer zu bewältigen – auch wenn diese äußerst selten vorkommen, denn das Rätselniveau ist nicht gerade hoch. Als Ersatz kann man sich die Hotspots anzeigen lassen, um keine wichtigen Gegenstände oder Interaktionsmöglichkeiten zu verpassen – eine große Hilfe, denn die Umgebung ist zwar detailliert, einige Gegenstände gehen jedoch in den schönen Zeichnungen unter. Keine große Hilfe ist leider das merkwürdige Bildschirmformat: So Blonde kann kein 16:9, sondern streckt sein etwas dürres 4:3 ein wenig. Unschöne vertikale schwarze Balken sind die Folge auf einem 16:9-Gerät.

Blondine im neuen Outfit

An der Vorlage des Adventures, welches bereits für den PC erhältlich ist, dürfte es weniger liegen, denn für die Wii-Version hat man die gesamte Kiste aufgebohrt, Rätsel wie auch Grafik und Schauplätze wurden grundlegend renoviert, es ist sogar eine gänzlich andere Geschichte. So verwundert es ein wenig, warum die 16:9-Unterstützung nicht so wirklich funktionieren will. Zumal die Grafik in dieser Form nicht gerade auf der Höhe der Zeit ist. Der Comic-Look ist zwar liebvoll und schön gestaltet, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass So Blonde: Zurück auf die Insel selbst für die Wii kein grafisches Meisterwerk ist.

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Die liebvollen Zeichnungen sind ein Highlight von So Blonde: Zurück auf die Insel.
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Das gilt auch für die Mini-Spiele, die in einigen Situationen auftauchen und übersprungen werden können. Von der Möglichkeit sollte man auf jeden Fall Gebrauch machen, denn die Minispiele bewegen sich häufig auf dem Niveau primitivster Browser-Games aus den Urtagen der Flash-Programmierung – die Intermezzi hätte man sich wirklich schenken können.