Steht 'ne Blondine vor der Uni und sagt…nein, lassen wir das. So groß die Verlockung auch ist, den folgenden Artikel bis unter den Rand mit Blondinenwitzen zu bepflastern, können wir uns die Mühe eigentlich sparen. Denn „So Blonde“, das neue Adventure von „Baphomets Fluch“-Schöpfer Steve Ince, übernimmt das Ausschlachten jedes noch so abwegigen Blondinenklischees schon ganz allein.

Abgebrochene Fingernägel, fehlender Handyempfang und verlaufene Schminke – die Problemliste der 17-jährigen Sunny könnte oberflächlicher kaum sein. Ob sich das auf das Spiel überträgt? Zugegeben: Wir waren skeptisch, ob „So Blonde“ mehr kann, als flache Witzchen zu reißen. Doch nach mehreren Stunden Spielspaß zeigt sich: Der erste Eindruck trügt – und zwar gewaltig.

So Blonde - Video-Interview mit Steve Ince2 weitere Videos

Blond und blauäugig

Sunny. Schon der Name verrät, dass sich die Hauptdarstellerin des Tropenabenteuers „So Blonde“ am besten in die Kategorie „Paris Hilton“ einordnen lässt. Will heißen: Sie ist reich, verwöhnt und trägt oberhalb des Halses keinen unnötigen Ballast mit sich herum – von mehreren Schichten Schminke mal abgesehen. Eigentlich also keine Person, über die man große Geschichten erzählen müsste.

So Blonde - Blond, aber bei Weitem nicht blöd: Wir streifen mit Strandnixe Sunny durch das Adventure-Paradies.

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Der Anfang allen Übels: Sunny strandet auf einer unbekannten Insel - ohne Telefone.
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Wie es der Zufall jedoch will, verschlägt es die herrlich naive Cheerleaderin nach einem Schiffsunglück auf ein tropisches Eiland – ohne Nahrung, Orientierung und (vor allem) ohne Handyempfang. Ihre einzigen Sorgen drehen sich dann auch nicht um ihre baldige Rettung, sondern wie man um Himmels Willen in dieser Ödnis die neuesten Modetrends von der besten Freundin erfährt. Probleme gibt’s…

Unsere erste Aufgabe besteht denn auch darin, ein verlorenes Schminkset zu beschaffen. Ohne ihre Wimperntusche traut sich Sunny nämlich nicht aus dem Schatten der Palmen heraus. Wer nun glaubt, im Spiel wird einfach plump jeder erdenkliche Blondinenwitz herunter gespult, irrt. Statt ellenlang auf den typischen Klischees herum zu reiten, verpackt das Entwicklerteam Wizarbox das Ganze in clever-ironische Dialoge, viel augenzwinkernden Humor und vergisst auch die nötige Ernsthaftigkeit nicht.

Packshot zu So BlondeSo BlondeErschienen für PC, DS und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Denn: Immer wieder beweist Sunny, dass sie nicht nur furchtbar blond ist, sondern auch reichlich kess und clever agieren kann. Gerade in besonders brenzligen Situationen glänzt die Strandnixe mit viel Wortwitz und Ideenreichtum. So mausert sich Sunny im Verlauf des Adventures tatsächlich zur veritablen Heldin, statt als wandelnde Gagparade verheizt zu werden. Gut so: Wer fiebert schon gern mit einer hohlen Rotzgöre mit?

Blondinen haben eben doch mehr Spaß: So Blonde fegt durch das angestaubte Adventure- Genre wie eine frische Sommer-Brise.Ausblick lesen

Die Nadel im Heuhaufen

Gerätselt wird in „So Blonde“ im klassisches Point & Click-Stil. Sunny stopft sich vom Schießpulver bis zur Angelrute alles in die knappen Hosen, was nicht niet- und nagelfest ist, kombiniert Objekte und quasselt munter auf umstehende NPCs ein. Wizarbox verzichtet dabei größtenteils auf Experimente – Actioneinlagen gibt es keine, auch in Punkto Steuerung bietet man Altbewährtes.

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Hier soll sich noch einer zurecht finden: Viele Rätsel arten in Suchereien aus.
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Das Problem an den Rätselparts: Viele Szenerien sind derart überfüllt mit Objekten, dass es bisweilen in nervige Kleinarbeit ausartet, diese zu finden. Oftmals klickt man sich minutenlang per Trial-and-Error-Verfahren durch dutzende Pflanzen, Steine und Kokosnüsse, testet ob Sunny mit ihnen interagieren kann, nur um im Falle des Erfolgs doch nicht zu wissen, was man denn jetzt eigentlich damit anfangen soll.

Denn viele Gegenstände, die man früh im Spiel einsammelt, werden erst wesentlich später gebraucht. So lässt sich meist erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennen, an welcher Stelle man ein Objekt verwenden kann – zumal viele Rätsel sich nur durch stetes Ausprobieren lösen lassen und nicht immer logisch sind. Profis wird das sicherlich begeistern, für Anfänger ist „So Blonde“ aber wahrscheinlich eine Ecke zu knifflig.

Spaß im Kleinformat

Ganz allein muss sich Sunny allerdings nicht durch ihr Abenteuer schlagen: Max, ein putziges Nagetier, steht ihr in scheinbar ausweglosen Situationen zur Seite und lässt sich sogar vom Spieler steuern. So gelangt man auch an eigentliche unerreichbare Orte oder darf den Ottermischling während einem der zahlreichen Minigames steuern. Diese kurzen Intermezzi sind direkt in die Handlung verwoben und lockern das Spielgeschehen deutlich auf.

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Strip-Armdrücken ist nur eines der vielen Minigames.
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Ein Beispiel: Sunny versucht die starke Insel-Bodybuilderin zu überreden, das letzte Paket Zucker herauszurücken. Diese willigt jedoch nur ein, falls Sunny sie in einem Ausdauerwettbewerb schlägt. Das Spiel schaltet nun zu einem der Minigames um. In diesem Fall rennt ihr unter Zeitdruck einen Parcours ab, an anderer Stelle müsst ihr beim Strip-Armdrücken die Pfeiltasten so schnell wie möglich drücken oder beim Dartspiel punktgenau zielen. Simpel, aber abwechslungsreich.

Fast noch wichtiger als die Rätseldichte eines Adventures ist ja bekanntlich der Humor. Steve Ince, geistiger Vater der „Baphomets Fluch“-Reihe, ist also genau der richtige Mann, um die nötige Portion Pfeffer in Sunnys Strandgeplänkel zu bringen. Die Dialoge sprühen vor Charme, die Charaktere sind liebevoll-skurrile Chaoten und wer genau hinsieht, findet vielleicht die eine oder andere Anspielung auf frühe Adventure-Klassiker.

Buffy auf der Insel?

Als besonders gelungen kann man die Vertonung bezeichnen. Für die deutsche Fassung hat man ein paar namhafte Sprecher aus Funk und Fernsehen engagiert. Vor allem Sitcomfans dürfen sich freuen: Sowohl Christiane Pappert als auch Thomas Karallus (Carrie und Doug aus „King of Queens“) leihen ihre markanten Stimmen einem Charakter. Für Oberblondine Sunny wird derzeit noch nach einer passenden Sprecherin gesucht. Wir plädieren an dieser Stelle für Sarah Michelle Gellars Synchronstimme.

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Grafisch kann "So Blonde" auf jeden Fall überzeugen.
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Schön, dass man sich auch grafisch an den Adventures vergangener Tage orientiert: Sperrige 3D-Umgebungen gibt es nicht, dafür sorgen die berauschend schön gezeichneten Hintergründe für perfekte Tropenatmosphäre. Auch hier wird das Gespür der Entwickler für Details deutlich: Ob Dschungellandschaften mit ausladender Vegetation, prachtvolle Gärten oder dunkle Minen – für neugierige Augen gibt es stets etwas zu entdecken.