Mal gilt es als tot, dann wieder als quicklebendig, wirklich weg war es nie, innovativ aber nur in den seltensten Fällen: Das Adventure-Genre gilt seit Jahren als Sorgenkind unter den PC-Spielern, an ihre - vorwiegend durch die LucasArts-Meisterwerke eingeleitete – Hochzeit Anfang der 90er, können sich heute nur die wenigsten Gamer überhaupt noch erinnern.

Da ist es umso erstaunlicher, dass es immer wieder kleine Entwicklerstudios gibt, die noch mit Liebe und Hingabe derartige Projekte realisieren. Eines wie So Blonde zum Beispiel. Das nimmt nicht nur die gängigen Klischees um reiche Superblondchen gekonnt auf die Schippe, sondern punktet auch spielerisch durch Witz und Charme.

So Blonde - Video-Interview mit Steve Ince2 weitere Videos

Oops, I did it again

Irgendwie haben wir uns schon immer gefragt, wie das wohl so ist als blondes Partymäuschen und Papas verzogener Liebling in Personalunion. Wenn man von Sorgen der Marke Steuererklärung, Überstunden oder Ratenzahlung nie etwas gehört hat und stattdessen abgebrochene Fingernägel oder splissiges Haar zum täglichen Super-GAU geraten. So wie es all die Hiltons, Spears und Richies dieser Welt uns täglich vorleben.

So Blonde - Sexy Blondchen auf der einsamen Insel - Sunnys Abenteuer unterhält ausgezeichnet.

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Allein auf der vergessen Insel: Blondchen Sunny hats nicht leicht.
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Oder Sunny. Auf den ersten Blick passt die kokette Blondine im besten „Unterhöschen- Vergesser“-Alter perfekt in die Riege dieser Persönlichkeiten. Mit einem Unterschied: Sunny ist nach einem Schiffsunglück auf einer einsamen Insel gestrandet und muss nun ohne Luxus oder Handyempfang auskommen. Keine leichte Aufgabe: Die Bewohner des idyllischen Eilands haben von Hygienevorschriften oder öffentlichem Nahverkehr scheinbar noch nie etwas gehört.

Wer nun glaubt, Sunnys folgende Suche nach einem Weg, die Insel zu verlassen, wäre der Startschuss für eine beispiellose Blondinenwitz-Parade, irrt gewaltig. Mit rotzig-frechem Humor und einer ganzen Wagenladung Charme witzelt sich die holde Schönheit durch amüsante Dialoge, gibt clevere Kommentare oder kontert mit kühler Schlagfertigkeit dümmliche Sprüche der männlichen Inselbewohner.

MacGyver für Mädchen

Als typisches Adventure der alten Schule wagt auch So Blonde wenig Neues: Geknobelt wird im klassischen Point & Click-Stil, per Rechtsklick werden Aktionen wie „Benutzen“ oder „Untersuchen“ ausgewählt, am unteren Bildschirmrand werden wichtige Gegenstände im Inventar verstaut. Da darf die Zuckerschnute dann so lange fröhlich drauflos kombinieren, bis selbst MacGyver blond vor Neid wird.

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Mit der Karte kann leider nicht navigiert werden - das kostet satte vier Prozentpunkte.
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Für den Spieler läuft das leider nur selten wirklich betulich ab: Die Rätsel sind allesamt ziemlich knackig, vor allem da in den Dialogen nur selten auch brauchbare Hinweise gestreut werden. Da könnte man zwar auf die Hilfefunktion zurückgreifen, die auf Tastendruck alle nützlichen Objekte mit einem Stern markiert. Leider werden oft aber einfach sämtliche Gegenstände besternt, mit den Sunny interagieren kann – so müssen wir trotzdem häufig per Trial & Error-Verfahren durch allerlei Kokosnüsse, Steine und Bambusröhrchen klicken.

Ein Beispiel für derartige Suchorgien: Im Dschungel sollen wir eine bestimmte Pflanze finden. Wie sich das für einen echten Urwald gehört, ist dieser aber über und über mit den buntesten und schönsten Pflanzen bewuchert. Statt uns nun zu helfen, offenbart der panische Griff zur Hilfefunktion das ganze Ausmaß des Grauens – jede einzelne Knospe wird markiert dargestellt. Frust pur…

Old School ohne Mätzchen

Wenn dafür der Humor in den Dialogen oder die nötige Portion Augenzwinkern nicht fehlt, lässt sich das allerdings verschmerzen. Steve Ince, Schöpfer der Baphomets Fluch-Reihe, zeichnet höchstpersönlich für die Story verantwortlich. Dementsprechend bissig geht es häufig zur Sache, besonders aber die liebenswert-schrulligen Charaktere haben wir sofort ins Herz geschlossen.

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Na, findet ihr die richtige Pflanze?
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Wie etwa den kleinen Nager Max, der Sunny in brenzligen Situationen zur Seite steht oder die prollige Piratenbande von Oberschurke One-Eye. Unterstützt wird die charismatische Charakterriege durch die sehr gelungene Vertonung: Neben bekannten Sprechern aus Funk & Fernsehen, gefällt vor allem Gabrielle Pietermann als Blondchen Sunny, die schon in den Harry Potter-Filmen Hermine Granger ihre markante Stimme lieh.

Tropischer Knobelspaß für Profis: Trotz viel Humor und skurriler Charaktere sind Anfänger bei So Blonde schnell reif für die Insel.Fazit lesen

Den größten Anteil an der paradiesischen Inselatmosphäre des Tropenabenteuers hat jedoch die wundervolle Grafik. Seit Monkey Island gab es wohl nur wenige Adventures, die derart detailverliebt und farbenfroh gestaltet waren. Schön, dass hier auf pseudo-moderne 3D-Spielereien verzichtet wurde und stattdessen gezeichnete Hintergründe zum Einsatz kommen. Die führen euch von sonnigen Stränden über finstere Gruben bis zur Spitze eines brodelnden Vulkans.

Spaziergang mit Unterbrechung

Der größte Kritikpunkt neben dem recht harten Schwierigkeitsgrad sind die vielen Ladezeiten. Denn: Sämtliche Orte sind – wie im Adventure-Genre üblich – in abgetrennte Bereiche unterteilt. Möchte man diese wechseln, lädt So Blonde kurz nach. Die Ladezeiten waren auf unserem Testrechner zwar nur ungefähr fünf Sekunden lang, die schiere Fülle dieser Unterbrechungen nervt aber auf die Dauer ungemein.

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Nicht nur die Zwischen- sequenzen regen zum Schmunzeln an.
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Hinzu kommt erschwerend, dass ihr die Übersichtskarte der Insel, die Sunny bereits im ersten Kapitel bekommt, nicht dazu nutzen könnt, direkt zu einer Location zu springen. Da diese aber jederzeit frei begehbar sind, müsst ihr gerade in späteren Kapiteln sehr lange Laufwege auf euch nehmen, um von einer Seite des Eilands zur anderen zu kommen – natürlich begleitet von unzähligen Ladepausen.