Eigentlich wäre es der perfekte Urlaubsort: strahlend blauer Himmel, Sandstrand, glasklares Wasser, die Flora sprießt und blüht - Eigentlich will man sich jetzt einen Bahama Mama schnappen und die hart antrainierte Plautze in die Sonne recken. Falscher Traum. Denn ich krieche hier im Ghillie-Anzug zum Rand einer Böschung, ein Scharfschützengewehr im Anschlag. Knallt weniger als der Bahama Mama - rummst dafür aber umso mehr.

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Vor mir ein halb im Wasser gebautes Wachhäuschen. Kurz die Lage überblicken. Fünf Feinde auf unterschiedlichen Etagen. Einer der Wachen entfernt sich von seinen Kollegen, um sich gemütlich eine Fluppe anzuzünden. Smoking Kills. Nie war der Spruch wahrer als in diesem Moment. Ich zoome hinein, korrigiere die durch den Wind verfälschende Flugbahn, atme aus und drücke laaangsam den Abzug. Treffer. Da waren's nur noch vier. Es war nicht heldenhaft, es war nicht Rambo-mäßig, ich habe am Ende nicht die Prinzessin bekommen – aber so ist das Leben eines Scharfschützen nunmal.

Drei Millionen Exemplare des Vorgängers sind über die Ladentheken gegangen, was also die Frage aufwirft, warum der Teil so erfolgreich war. An den unzähligen Bugs und den abwechslungsarmen Schauplätzen mag es kaum gelegen haben. Es mag vielleicht daran liegen, dass das Shooter-Genre heute von pompös inszenierten, dauergeskripteten Call of Dutys, Medal of Honors und Battlefields beherrscht wird, die einen wortwörtlich von einer Mission zur nächsten peitschen. Und da war „Sniper: Ghost Warrior“ anders.

Hier war unentdeckt zu bleiben Trumpf. Man brauchte Geduld, wusste, dass man bei direktem Feindkontakt aufgeschmissen ist. Gleichzeitig fühlte man sich bei entsprechendem Spot gegenüber dem Feind wie Gott, der über Leben und Tot entscheidet – nur eben in einer Glasrüstung.

Aufgebohrte Optik, mehr Schauplätze, mehr Handlung, mehr Gegner-Intelligenz.Ausblick lesen

Hier hat sich in „Sniper: Ghost Warrior 2“ nicht viel geändert, was das Spielprinzip betrifft. Ihr spielt Cole Anderson, um den es sich in diesem Teil dreht. Im neuen Teil soll sich die Hauptgeschichte im Gegensatz zum Vorgänger noch mehr um den Hauptcharakter drehen. Die Spielszene zu Beginn der Vorschau mag zwar Erinnerungen an den ersten Teil wecken, allerdings geht es jetzt auch mal in das kriegsgepeinigte Sarajevo oder die sauerstoffärmeren Höhen des Himalaja, welche dank der Cry Engine 3 nun auch grafisch in der Gegenwart angekommen sind.

Sniper: Ghost Warrior 2 - Von drauß' vom Walde komm ich her, im Gepäck: das Scharfschützengewehr

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Einsamer Wolf: Ein Ghost Warrior agiert im Verborgenen.
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Das Gesundheitssystem wiederum bleibt bei seinen Leisten, es ist also nicht regenerativ, sondern verlangt den Einsatz von Medipacks. Zwar werdet ihr in einigen Missionen von einem Spotter unterstützt, seid aber den Großteil des Spiels auf euch allein gestellt.

Packshot zu Sniper: Ghost Warrior 2Sniper: Ghost Warrior 2Erschienen für PlayStation Vita, Wii U, PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Für diese Fälle bekommt ihr jetzt ein Fernglas an die Hand, mit dem ihr die Gegend auskundschaften und bis zum mittleren Schwierigkeitsgrad sogar markieren könnt. Ein weiteres technisches Gadget ist das Nachtsichtgerät, das euch bei Dunkelheit und schlechten Sichtverhältnissen, zum Beispiel durch massiven Rauch oder dünne Wände hindurch, jederzeit zeigt, wo sich weitere Feinde versteckt halten.

Kein Machinegun: Rambo Warrior

Solltet ihr es ungünstigerweise doch versieben und die Feinde auf euch aufmerksam machen, seht ihr durch einen Sichtbarkeitsring, wann der direkte Sichtkontakt des Gegners zu euch unterbrochen wird, was logischerweise nur durch einen Versteckwechsel möglich ist. Was jetzt aber nicht bedeutet, dass die Widersacher zurück zur Tagesordnung übergehen. Je größer die Gruppe, desto sicherer sind sie sich ihrer Überzahl und durchkämmen in Gruppen das Gebiet nach euch. Sie wissen, dass ihr bei deren Tempo nicht alle gleichzeitig erledigen könnt, bevor sie sich nahe genug an euch herangearbeitet haben, um euch dann mit ihren automatischen Waffen einzuheizen.

Anders ist es, wenn es nur vereinzelte Wachen sind, die euch entdeckt haben. Sie wissen, dass sie nur Kanonenfutter sind, wenn sie jetzt blindlings auf euch zu stürzen, verschanzen sich, und ihr seid dazu gezwungen, euch etwas einfallen zu lassen. So könnt ihr euch jetzt auch an die letzten Unbeugsamen heranschleichen und hinterrücks mit einem Stealth-Kill ausschalten. Solltet ihr dennoch ins Gras beißen, beginnt ihr am letzten Checkpoint, der vom Schwierigkeitsgrad abhängig ist – je höher der Schwierigkeitsgrad, desto weniger Checkpoints, logisch.

Im Gegensatz zum Vorgänger habt ihr jetzt nicht mehr die Möglichkeit, Waffen der Gegner aufzuheben. Meiner Meinung nach völlig richtig, da die Möglichkeit, beim Vorgänger noch einfach mit der AK-47 alles klein zu schnetzeln das gesamte Spielprinzip verwässerte und man das Spiel dann auch „Machinegun: Rambo Warrior“ hätte nennen können.

Auch das Zusammenspiel aus Puls und Luftanhalten wurde modifiziert. Während der Puls beim Vorgänger nur für die ruhige Hand beim Zielen eine Rolle spielte, ist die neue Lungenvolumen-Leiste nun vom Puls abhängig – je höher der Puls, desto schneller leert sich die Leiste, da der Körper bei erhöhtem Pumpen ja logischerweise mehr Sauerstoff verbraucht.

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Leise und bedacht: Wer wie ein Rambo vorgeht, hat keine Chance.
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„Sniper: Ghost Warrior 2“-Produzent Michael Sroczynski erzählte mir beim Anspielen, dass man sich dazu entschieden hatte, das Maximum des Puls auf ca. 150/160 anstatt wie noch beim Vorgänger 200 zu senken, da das näher an der Realität wäre. Dann hat er noch nie „TV Total Pokernacht“ und Elton mit einem 160er Puls gesehen. Im Sitzen, wohlgemerkt. Neben der ruhigen Pumpe ist jetzt aber auch wichtig, den Abzug nicht einfach nur durchzudrücken, sondern ihn langsam zu ziehen. So verhindert ihr, dass das Gewehr zu sehr hoch zieht und der Schuss ins Leere geht.

Wem das noch nicht realistisch genug ist, der kann natürlich auch in diesem Teil wieder auf höchstem Schwierigkeitsgrad auf die Zielhilfe verzichten und darf sich dann mit der manuellen Miteinberechnung des Windes, der Distanz und des Pulses herumschlagen und dem Feind die Locken aus dem Bart raspeln.

Für gelungene Treffer kommt auch diesmal die Bullet-Cam zum Einsatz, die die Kugel in Zeitlupe aus eurem Gewehrlauf bis in das, sagen wir mal „Zielobjekt“ verfolgt. Während den Gegnern bei der letzten Präsentation noch die eigenen Arme und Beine um die Ohren geflogen sind, wurde darauf mittlerweile verzichtet - man möchte nicht in Richtung Gore gehen, heißt es dazu bei CI Games. Verzichtet wurde leider auch auf die Möglichkeit, am Gewehr herumzuschrauben. Ihr könnt nichts modifizieren oder mit fortschreitendem Missionsverlauf aufrüsten.

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Sniper: Ghost Warrior 2 hat aus den Fehlern des Vorgängers gelernt.
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Schade, denn wenn man schon das ganze Spiel über auf „sein Baby“ angewiesen ist, hätte man dem Spieler die Möglichkeit geben können, dieses im Stile eines „Ghost Recon: Future Soldier“ vor einer jeden Mission neu auf den Einsatz abzustimmen und zu individualisieren. Denn selbst in eher engen Arealen wie Sarajevo bleibt euch nur das Scharfschützengewehr, eure Pistole und das Kampfmesser. Hier rückt ihr dann schleichend mit Unterstützung vor, erledigt Feinde hinterrücks oder schleicht euch einfach an einem gegnerischen Tross vorbei, ohne diesem auch nur ein Haar zu krümmen.