Fast elf Monate sind vergangen, seit Sniper Ghost Warrior für die Xbox 360 und den Heim-PC erschien. Eine Menge Zeit also, die 'kleineren' Mängel zu beseitigen und aus einem Spiel mit gutem Ansatz, aber viel zu vielen Fehlern einen wirklich guten Titel zu machen. Aber wie soll das gehen? In 'nur' elf lausigen Monaten? Da setzt man die Zeit doch lieber dafür ein, neue Bonusinhalte zu entwickeln...

Das Erste, was ich mir dachte, als ich das Spiel in die Playstation legte und erst mal munter drauflos gespielt habe: “Habe ich das richtige Spiel erwischt? Ist es das, wovon Seb gesprochen hat?". Also noch mal in den Artikel geguckt, und ja, tatsächlich, da steht es: „Schwaches Figurenverhalten, Bugs, Glitches und der kümmerliche Versuch, eine Geschichte zu erzählen – muss man nicht haben".

Sniper: Ghost Warrior - Enttäuschung: jetzt auch für die PS3! Yeeeaah...

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Auch auf der PS3 kein gutes Spiel: Sniper Ghost Warrior.
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Das stimmt leider auffallend. Klar, City Interactive hat nie versprochen, uns das Gelbe vom Ei zu liefern, aber man hat zumindest behauptet, dass es besser als Mist wäre. Und, tut mir leid, das ist es nicht. Zu viele Fehler, zu wenig Mühe.

Die Geschichte zu diesem Drama im Drama ist schnell erklärt: In einem politisch gebrochenen Land herrscht ein eiskalter Diktator über einen Haufen verängstigter Namenloser. Dabei hilft ihm seine Armee von Gesichtslosen, die allesamt im Intelligenztest durchgefallen sind und damit die Aufnahmeprüfung zu seiner Spezialeinheit geschafft haben.

Ich bin einer der besten Scharfschützen, die unser Land zu bieten hat, und um das zu beweisen, vergeige ich gleich die erste Mission und mein Partner wird gefangen genommen. Also auf in den Kampf. Holen wir den nutzlosen Kerl, der mir nie hilft, zurück und töten einen Diktator, der mir herrlich schnuppe ist.

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Eine Grafik wie ein Schlag ins Gesicht

Exklusiver PS3-Inhalt: verbesserte Grafik. Bitte? Wo ist die denn zu finden? Muss ich dafür erst einen DLC herunterladen? Die Grafik ist leider so alt, dass man befürchten muss, 'Sniper' hieß der Dinosaurier, auf dem der Typ geritten ist, der diese grafische Beleidigung zu verantworten hat.

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Auf den Screenshots sieht alles schöner aus als letztendlich im Spiel selbst... Ich will die Screenshots spielen!
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Ich will nicht behaupten, dass es das Schlechteste wäre, was ich an vergleichbarem Material je gesehen hätte, aber es kratzt doch schon stark am Fußboden zum Keller. Die Umgebung ist an sich sogar nett anzusehen, da haben sich die Jungs wirklich Mühe gegeben, einen realistischen Dschungel zu kreieren, und die Weitsicht ist manchmal sogar als fantastisch zu bezeichnen. Aber bei diesem Ansatz bleibt es leider auch.

Alle Effekte wirken unfertig. Das konnte man vor einem Jahr noch irgendwie rechtfertigen, aber sollte man nach beinahe elf Monaten nicht bemerkt haben, dass die Texturen unruhig sind und ständig alles in Bewegung zu sein scheint, zuckelt und flimmert? Schaue ich mir einen Schatten von einem Baum an, springt dieser ständig vor meinem Auge hin und her. Die Kanten sind pixelig, jeder Levelabschnitt wurde mit Texturfehlern überhäuft und Gegenstände sowie Personen sind alles andere als schön animiert.

Da hat sich nicht wirklich was getan. Aber für die neuen Funktionen und Waffen auf der PS3 gibt es einen Punkt mehr.Fazit lesen

Zudem scheint City Interactive das mit dem 'Ghost Warrior' zu ernst genommen zu haben. Ich kann durch alles hindurchgehen und auf die Kollisionsabfrage pfeifen, bei allem, was kleiner als ein Baum ist: Äste, Pflanzen, große Blätter, kleine Bäume. Das ist so traurig, dass ich es nicht mehr schaffe, Bewunderung dafür zu finden, dass sich die Flora wenigstens schön im Wind wiegt.

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Mitunter die verpeilteste KI seit langer Zeit. Dafür haben sie schicke Sonnenbrillen.
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Die meisten Hütten sind einfach leer, und wenn doch mal etwas den Weg in die vier Wände gefunden hat, wirkt es seltsam deplatziert. Ich kann auch nichts zerschießen. Alle Einrichtungsgegenstände sind völlig unbeeindruckt, wenn ich mit einer Cheytac M200 auf sie ballere. Dafür kann ich jedes Tier umbringen, was mir vor den Lauf... läuft.

Sollte ich aber nicht tun. Denn die Art, wie die armen Kleinen sterben, ist noch hässlicher als bei den bösen Soldaten vom noch böseren Diktator. Ein Papagei fällt beispielsweise durch die Gitterstäbe seines Käfigs hindurch, nur um im Anschluss mit halbem Körper im Tisch stecken zu bleiben. Aua. Einzige Ausnahme: recht ansehnliche Wasseranimationen, die aber leider an einem potthässlichen Strand verenden.

Und ein Spiel wie ein Tritt in die Weichteile

Tja. Die spielerische Seite. Auch hier wurden Verbesserungen für PS3-Nutzer versprochen und auch hier habe ich keine gefunden. Das Beeindruckendste an dem Titel war, dass der Protagonist die Waffe an den Körper drückt, wenn er Gefahr läuft, sie gegen ein Hindernis kratzen zu lassen. Und sonst? Gucken wir mal.

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Ich bin ein Sniper. Ich kann auch durch kleine Bäume hindurchlaufen...
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Ich bin ein Sniper! Eins mit der Natur - die immer noch halb aus meinem Körper herausragt, wenn ich mich in ihr verstecke. Ich schleiche mich an einen Gegner heran, um ihn lautlos mit dem Messer zu erledigen. Uh! Ah! War ich zu laut? Der Kerl dreht sich um, kurz bevor ich ihn erreicht habe. Er sagt nichts. Es verzieht keine Miene. Er kann halt einfach nicht. Er schlägt mit seiner Waffe zu, ohne damit auch nur den Pups eines Geräusches zu erzeugen. Er tötet mich. Hmmmm...

Egal! Weiter. Ich jage den bösen Diktator, der offenbar auf ein Boot geflüchtet ist, das stundenlang im Hafen anliegt, da ich keine Lust habe, ihn zu verfolgen. Mag mir lieber die Landschaft und die leeren Hütten angucken. Hab ich mich aber dann doch dazu entschlossen, ihn zu jagen, fährt das Schiffchen natürlich kurz vorher los. Ohne eine einzige Person an Bord. Ohne eine einzige gottverdammte Person am Steuerrad...

Egal! Kann passieren. Also immer fröhlich gerade aus. Immer lustig den Schlauchleveln folgen, so lange, bis es vorgesehen ist, vom Hauptweg abzuweichen. Die 85% im Spiel, wo es nicht beabsichtigt ist, hält mich eine unsichtbare Wand auf und sendet folgende Worte in meinen Geist: "Du! Kannst nicht.... Vorbei!". Währenddessen habe ich um die 300 Schuss 7.62-mm-Munition in Reserve und krieche auf dem Boden geradeaus, ohne die Hände zu benutzen; die halten immer noch die Waffe fest umklammert. Merkt ihr, worauf ich hinaus will!?

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Hier! Ich weiß die Antwort: Was ist schlechte Spielmechanik?
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Ich könnte mit diesen Logikfehlern ewig weitermachen. Von strutzedoofer KI über Clipping-Fehler bis hin zu Bugs aus einer anderen Dimension. Sniper Ghost Warrior bietet eine Fülle an Fehlern und unsichtbaren Wänden, die mein Weiterkommen behindern. Das ist unglaublich schade. Denn die Idee, im Urwald hinter Buschwerk zu hocken und als Sniper einen Feind nach dem anderen auszuschalten, dann weiterziehen, neue Position suchen und weitermachen - das hat was. Das könnte groß werden. Aber nicht so.

Und der ganze Rest

Was hat die PS3-Version noch zu bieten? Bonusmissionen für den Einzelspielmodus! Na, ja. Erzählerisch ist die leider auch nicht besser als alle anderen und hat mit den gleichen Fehlern zu kämpfen, wie lausiger Grafik, blöder KI à la „Oh, mein Kumpel ist umgefallen... Geh ich doch mal in die Hocke und laufe so, mit dem Arsch zuerst, in die Richtung, aus der der Schuss gekommen ist!' und Glitches.

Des Weiteren gibt es zwei exklusive Scharfschützengewehre, die das Eisen aber auch nicht mehr aus dem Feuer holen können. Das schmort nun fröhlich vor sich hin, bis es verschwunden und in Vergessenheit geraten ist.

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Der Mehrspielermodus ist so aufregend wie alles andere. Nämlich gar nicht.
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Und dann haben wir da ja noch die exklusiven Mehrspielerkarten und -Modi. Vielleicht einer Hauptgründe, sich den Scharfschützentitel zu holen? Mitnichten! Auch am Mehrspielermodus hat sich seit dem Release im letzten Jahr nichts getan. Und die neuen Möglichkeiten wie 'Capture the flag' sind so unpassend und schnöde umgesetzt, dass mir bereits nach einer knappen Stunde die Lust vergangen ist.... Für immer.