Wenn sie eine Wahl haben, bevorzugen viele Spieler in Actionspielen die Rolle des Scharfschützen. Sie kauern "campend" im Hintergrund und warten auf die sicheren "Kills". Es ist daher fast ein Wunder, dass es erst in den vergangenen Jahren spezielle Ballerspiele gibt, die diese Vorliebe in den Mittelpunkt rücken. Das britische Studio Rebellion Developments tut das mit Sniper Elite V2 bereits zum zweiten Mal.

Sniper Elite V2 - Cinematic TrailerEin weiteres Video

Und fährt damit - entgegen meiner Befürchtung - gar nicht so schlecht. Erwartet habe ich einen Billig-Shooter von der Stange. Im Endeffekt macht das Ding aber ziemlich viel richtig und ist sogar häufig spannend.

Gerade die erste Hälfte des Spiels ist recht abwechslungsreich inszeniert: als namenloser US-Soldat sollen wir den Start einer Giftgas-V2 verhindern und damit die perfiden Pläne der Nazis durchkreuzen. Auf dem Weg zum Finale am Brandburger Tor - das zerbombte Berlin des Zweiten Weltkriegs dient als Schauplatz für die Actioneinlagen - gibt es allerhand zu tun. Ich beseitige ranghohe Offiziere und Wissenschaftler, stelle Sprengfallen, lauere Konvois auf oder jage gar Brücken in die Luft. Zum Ende hin geht dem etwa elf Stunden langen Sniper-Abenteuer aber leider deutlich die Luft aus.

Viel Abwechslung

Ein Grund, weshalb die Bewältigung der zehn Levels durchaus unterhaltsam ist, liegt im Spieldesign. Anstatt mir die Ziele auf einer mobilen Schlachtplatte zu servieren, muss ich mich schon selbst in die beste Abschussposition bequemen. Meinen Hintern durch die Ruinen der Reichshauptstadt bewegen, dabei Fallen umgehen, patrouillierenden Wachen ausweichen oder sie mit Steinwürfen ablenken, ihre Bewegungsmuster via Fernglas analysieren, feindliche Scharfschützen aufspüren und die Geräuschkulisse zu meinem Vorteil nutzen.

Sniper Elite V2 - Snyper, Snyper!

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Lautloses, taktisches Vorgehen ist das A und O.
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Blase ich etwa einem Widersacher die Rübe weg, wenn gerade eine Bombe fällt oder die Kirchenglocke läutet, überhören meine Gegner den Schuss und ich kann zumindest so lange weiterschleichen, bis die Leiche entdeckt wird.

Damit das nicht passiert, schleppe ich erledigte Wehrmachtssoldaten, aber auch getötete Sowjets, in dunkle Nischen - aber das ist natürlich kaum möglich, wenn die Leiche 200 Meter weit weg liegt.

Ich kann mich aber auch entscheiden, auf das ganze Schleichen zu verzichten, und die Sache offensiv angehen. Neben einem Scharfschützengewehr tragt ihr auch stets eine Schnellfeuerwumme sowie eine Pistole bei euch. Snipe Elite V2 lässt einem die Option offen, sich auf einen der vielen Wege durch die verworrenen Fabrikhallen und zerstörten Gebäude festzulegen. Versuche ich, mein Ziel still und lese zu erreichen oder baller ich einen nach dem anderen ab? Wer offen vorgeht, weckt aber die Aufmerksamkeit der feindlichen Armee, die meist direkt die eigene Position attackiert.

Sniper Elite V2 - Snyper, Snyper!

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Ganz schön was los hier.
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Dagegen könnt ihr euch jedoch teilweise schützen, indem ihr Zugänge vermint, Sprengfallen legt oder Dynamit gewandt einsetzt. Auf diese Weise lässt sich auch der eigene Rückzug decken, denn Rotarmisten und Deutsche laufen dann in diese Fallen hinein. Häufig verhalten sich die computergesteuerten Widersacher bei der Annäherung geschickt und nutzen das Ruinenmeer als Deckung. In anderen Situationen agieren sie aber wenig glaubhaft und stürzen ungeschützt auf immer denselben Routen ins tödliche Feuer. Außerdem vergessen sie teilweise nach ziemlich kurzer Zeit, dass es überhaupt eine Gefahr gibt.

Da ist der Scharfschütze!

Am meisten Spaß macht es aber natürlich, sich möglichst ungesehen an das Ziel heranzuschleichen und aus einer gesicherten Stellung den Auftrag zu erledigen. Die Schwierigkeit ist dabei überschaubar. SE V2 unterstützt mich beispielsweise durch die Fokuszeit: Für einige Sekunden reguliere ich Atmung und Herzschlag und die Zeit verlangsamt sich auf diese Weise - zudem erhalte ich einen visuellen Hinweis, wie sehr ich über den Kopf halten muss, um den Fall der Kugel auszugleichen. Ein Volltreffer ist deshalb selbst unter ungünstigen Bedingungen kaum einmal problematisch.

Viele dieser Blattschüsse werden mit speziellen Action-Sequenzen in Szene gesetzt, um den Abschuss noch weiter zu betonen. Die Xray-Kill-Cam wurde in Deutschland bei der PC-Version aber glücklicherweise herausgeschnitten. Eine Röntgen-Darstellung, wie die Kugel wichtige Organe, das Hirn oder das Rückgrat durchschlägt, braucht niemand und bereichert das spielerische Erlebnis wohl kaum. Auf eine Konsolenversion verzichtet man aus diesem Grunde hierzulande daher komplett.

Das Spiel kann zwar nicht über die gesamte Länge Top-Unterhaltung bieten, aber zeitweise ist es richtig spannend und unterhaltsam inszeniert.Fazit lesen

Allerdings leidet das Stealth-Ambiente unter der schwachen Anzeige, die nur ungenügenden Aufschluss darüber gibt, ob die Feinde bereits auf mich aufmerksam geworden sind. Außerdem scheint es kaum Unterscheidungen zu geben, ob ich im Schatten herumturne oder im gleißenden Licht: Wachen erspähen mich meist sofort, wenn ich in offener Sichtlinie unterwegs bin. Egal, ob ich fünf Meter entfernt bin oder 200.

Sniper Elite V2 - Snyper, Snyper!

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Ganz ehrlich: die martialische Kill-Cam braucht kein Mensch.
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Auch wenn Sniper Elite V2 sicher nicht moderne Top-Grafik bietet, ist das Setting dennoch gelungen. Gerade das Zusammenspiel der ansehnlichen Rauch- und Feuereffekte sowie von Licht- und Schattenspielereien verleihen dem Spiel eine oft dramatische Atmosphäre. Rebellion patzt aber ein wenig beim Sounddesign, denn die wichtige akustische Umsetzung der Schussgeräusche oder beim Aufheben von Munition klingt oft nur metallisch hohl und das zerrt an der spielerischen Gesamtqualität.

Verlängern lässt sich die Sniper-Geschichte noch im Koop-Modus, wo ihr einzelne Missionen mit einem Kumpel an der Seite absolviert oder euch auf die Suche nach versteckten Gegenständen macht. Die Spannung hält sich dabei jedoch meist genauso in Grenzen wie bei den "Herausforderungen", in denen ihr Wellen von Feinden eliminieren sollt.