Was würde wohl passieren, wenn Göttervater Zeus, unterstützt von seinen Söhnen Apollo und Ares, auf den ägyptischen Sonnengott Ra träfe, mit Anubis und Isis im Rücken? Und wie wäre es, wenn Hindu-Göttin Kali auf der einen Seite mitmischte und der nordische Donnergott Thor auf der anderen? Mit Sicherheit sagen kann das nur, wer regelmäßig SMITE spielt.

In DotA sind es teils skurrile Helden, die sich in der klassischen Online-Arena die Köpfe einschlagen, in League of Legends mächtige Champions und in Infinite Crisis die typischen Spandex-Träger aus dem Universum von DC. Doch so mächtig all diese Gestalten in ihren Spielen auch sein mögen - mit den Göttern selbst könnten sie es wohl nicht aufnehmen. Oder doch?

Eine göttliche Lizenz

Wozu Helden erfinden, wenn da draußen in der Welt doch eine riesige Liste von teilweise wirklich genialen und obendrein lizenzfreien Göttern existiert, für deren Konzeptionierung längst verstorbene Entwickler der Weltgeschichte eine unermessliche Vorarbeit geleistet haben? Das mag man sich in den Hi-Rez Studios gedacht haben, als man dereinst den Grundstein einer neuen Arena auf dem Olymp legte, die im kommenden März ihr Richtfest feiern soll.

SMITE - Das hässliche MOBA-Entlein: Was zählt, sind die inneren Werte

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Die Versoftung von Hindu-Göttin Kali bescherte Hi-Rez bereits einiges an Ärger.
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Und wer nun glaubt, dass man sich bei den Hi-Rez Studios mit einem MOBA-Spiel auf dem ohnehin schon überfüllten Marktsegment gehörig vergaloppiert hat, der irrt. Im Gegenteil hat das kleine Studio seine Existenz allein SMITE zu verdanken, denn nachdem die Online-Shooter Global Agenda und das mittlerweile eingestellte Tribes: Ascend kaum genügend Umsatz genieren konnten, um die hungrigen Mäuler der Entwickler zu stopfen, tut das früher eher als Seitenprojekt gehandelte SMITE dies seither recht erfolgreich - trotz Beta-Status.

Konkurrenz aus eigenem Hause?

So erfolgreich, dass irgendwann auch der chinesische Mega-Publisher Tencent auf das Spiel aufmerksam wurde und im vergangenen Sommer einen Partnervertrag für SMITE unterzeichnet hat. Doch warum in aller Welt interessiert man sich bei Tencent überhaupt für das Götterspektakel, wo man dort doch mit League of Legends über die stärkste aller MOBA-Lizenzen verfügt?

Packshot zu SMITESMITEErschienen für PC

Der Grund liegt wohl im Gameplay von SMITE, das in der Theorie zwar den gleichen Ansatz hat wie das von DotA, LoL, HoN und Konsorten, in der Praxis jedoch auf eine Portion mehr “Skill” setzt, indem es die der Echtzeitstrategie entliehene Point-&-Klick-Steuerung durch die eines Third-Person-Rollenspiels ersetzt, in der zumindest ein Mindestmaß an Bewegungs- und Treffsicherheit gefragt ist, denn zielen muss man schon selbst - immerhin ist man ein Gott!

SMITE - God Reveal - Aphrodite, Goddess of Beauty 16 weitere Videos

Wer nicht trifft, der nicht gewinnt

Generell gilt jedoch: Wer ein MOBA kennt, weiß, wie SMITE im Kern funktioniert. Man tritt einem Spiel bei, wählt einen Helden aus, in diesem Fall eben einen Gott, und hilft den computergesteuerten Truppen, dass sie sich in Richtung der feindlichen Verteidigungstürme vorkämpfen. Fallen die, steht der Zugang zur Basis offen und das Ende der Runde meist unmittelbar bevor.

Im Laufe einer Runde sammeln die Götter Erfahrung, die sie in ihre Skills stecken - verdientes Gold wird in Ausrüstungsgegenstände investiert, die sich ausbauen lassen und die meist auch erst ab der dritten Ausbaustufe wirklich nützlich werden. Wer sich nicht mit derlei Details abplagen möchte oder noch neu im Spiel ist, überlässt Skillung und Einkäufe der KI.

Mögen die Spiele beginnen

Neben dem klassischen “DotA-Modus” wartet SMITE noch mit dem obligatorischen Gemetzel mit zufälligen Helden auf einer einzigen Lane auf, mit einem Domination-Modus sowie mit einem wirklich gelungenen Arena-Modus, bei dem das Team die Aufgabe hat, die computergesteuerten Gladiatoren daran zu hindern, durchs gegenüberliegende Tor zu laufen. Eine prima Sache, wenn man neue Götter ausprobieren möchte.

Beim Teutates! Da klammert sich ein untergehendes Studio an den letzten Strohhalm und zieht dabei nicht nur sich, sondern auch noch ein göttliches Spiel aus dem Genre-Sumpf.Ausblick lesen

Das liegt vor allem daran, dass es in der Arena keine nennenswerte Aufbauphase gibt, die zwar auf professioneller Ebene nötig ist, für manchen Einsteiger jedoch zu viel Action aus dem Spiel nimmt. Profis und E-Sportler werden trotz allem den klassischen Conquest-Modus bevorzugen, den man ab Stufe 30 dann wahlweise auch im Ranking-System spielen darf.

Win to play

Zuvor braucht es jedoch eine ganze Menge Spiele, in denen man den Account nach oben bringt und sich Stück für Stück neue Götter freischaltet. Anders als bei Dota 2 und Heroes of Newerth steht der Helden-Pool nämlich nicht von Anfang an komplett offen - vielmehr ist eine kleine Auswahl an Göttern freigeschaltet und rotiert in regelmäßigen Abständen - eine wohl bedeutsame Einnahmequelle für Hi-Rez, jedoch nicht mehr wirklich konkurrenzfähig.

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Neben den Göttern selbst gibt es noch diverse kosmetische Variationen gegen Echtgeld zu kaufen, die leider teilweise zu stark an der Thematik vorbei gehen und die an sich geniale Idee mit den Göttern ins Lächerliche ziehen. Kein Wunder also, das hier und da schon Anhänger der einen oder anderen noch aktiven Religion gegen die Überzeichnung verehrter Gottheiten in SMITE protestierten.

Das allerdings schert die Spieler wohl weniger, freuen die sich doch über die Vielfalt an Gottheiten und Religionen, die Aufnahme ins Spiel gefunden haben. Zudem die Götter zum Großteil wirklich beeindruckend kreativ umgesetzt sind und ihre Fähigkeiten nicht einfach unter anderer Bezeichnung immer wieder neu verwurstet werden, wie bei manch anderem neuen MOBA-Spiel, sondern sie sich tatsächlich zu einem thematischen und spielerischen Gesamtbild zusammenfügen.

SMITE - Das hässliche MOBA-Entlein: Was zählt, sind die inneren Werte

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Hi-Rez hat das Problem erkannt und bessert Stück für Stück nach. Die überarbeiteten Helden können sich durchaus sehen lassen.
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Ganz entspannt aufpolieren

Bis zum 25. März haben die Jungs von Hi-Rez noch Zeit, das spielerisch schon jetzt äußerst abwechslungsreiche und konkurrenzfähige SMITE auf Hochglanz zu polieren. Wenngleich man die Unreal Engine 3 technisch absolut im Griff zu haben scheint, hinkt man optisch nämlich noch immer weit abgeschlagen hinter dem her, was manch andere Studios aus ihr herauskitzeln.

Die Animationen sind nicht sonderlich ansprechend, die Farbpalette ist gar abschreckend und das User-Interface insgesamt so fürchterlich anzusehen, dass mit Sicherheit so mancher das Spiel nach dem ersten Einloggen sofort wieder von der Platte wirft, weil er denkt, in eines der berüchtigten, drittklassigen MMOGs aus Fernost geraten zu sein. Und damit tut man SMITE Unrecht und sich selbst keinen Gefallen.