Als die Hi-Rez Studios vor drei Jahren kurz vor der Firmenpleite mit einem MOBA-Modus für Global Agenda experimentierten, ahnten sie noch nicht, dass daraus einmal ein eigenständiges Spiel werden würde. Das heißt heute SMITE und erzählt nicht nur die Geschichte von Göttern, sondern auch die eines verzweifelten Entwicklerteams, das für Kreativität und Wagemut belohnt wird.

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Smite, smote, smitten

To smite someone - der Ausdruck gehörte bislang nicht zum Standardvokabular eines Fremdsprachenschülers. Dabei sollten die Lehrbuchverlage darüber nachdenken, dieses englische Verb mit in die Liste der wichtigen Wörter aufzunehmen, denn angesichts der zunehmenden Bedeutung des gleichnamigen MOBA-Games wird SMITE früher oder später ohnehin in aller Munde sein.

Und bevor nun der eine oder andere seinen alten Englischlehrer anruft: “I smite you” bedeutet in etwa so viel wie “ich befalle, peinige, quäle oder schlage dich”. Klingt grausam, passt aber durchaus zum Gameplay eines typischen MOBA- oder Arena-Games. Wobei - ganz so typisch ist SMITE gar nicht, auch wenn es sich vom grundsätzlichen Design her durchaus beim altehrwürdigen DotA bedient hat.

SMITE - Delikate Götterspeise

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Mit Skill alleine wird man auch bei SMITE nicht gewinnen können - auch auf das richtige Setup kommt es an.
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Das Beste aus zwei Welten

Genau wie die Vorlage bietet SMITE unter anderem die klassische Karte mit den drei Pfaden, auf denen die computergesteuerten Truppen der beiden Fraktionen aufeinanderprallen, um mit Hilfe der Helden, Champions oder Götter zur jeweils gegenüberliegenden Basis durchzustoßen und diese zu zerstören. Dazu hat jeder Gott eine Handvoll individuelle Skills sowie allerlei Ausrüstungsgegenstände, die er im Laufe der Runde erwerben kann, die nach dem Match jedoch wieder weg sind - schließlich handelt es sich hier nicht um ein MMOG.

Dabei gibt es spielerisch durchaus Parallelen zu modernen MMOGs. Man sieht den Avatar aus der Schulterperspektive und nicht aus der Vogelperspektive wie bei Dota und Konsorten. Zudem steuert man via ‘WASD’ und damit dann auch komplett anders als in gängigen MOBA-Games, die auf Point-and-Click setzen.

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Das Schlachtfeld wirkt aus der ungewohnten Perspektive zunächst etwas seltsam.
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Skill oder Nichtskill, das ist hier die Frage

Im Gegensatz zu MMOGs der ‘Generation WoW’ sieht man bei SMITE jedoch ein Fadenkreuz vor sich und muss entsprechend aktiv zielen - ob es sich nun um Nah- oder Fernkampfattacken handelt, spielt dabei keine Rolle. Und wenngleich das Zielen nicht ganz so anspruchsvoll ist wie bei einem Shooter, gilt auch in SMITE: Wer immer wieder danebenhaut oder -schießt, wird nicht viele Siege davontragen.

“Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte. SMITE hat seine Nische im umkämpften MOBA-Genre gefunden.”Fazit lesen

Gleiches gilt auch für lauffaule Zeitgenossen, denn SMITE setzt neben dem obligatorischen Auge fürs Gesamtgeschehen auch ein Mindestmaß an Beweglichkeit voraus. Wer den gegnerischen Beschuss überleben will, sollte sich nicht auf Rüstungswerte verlassen, sondern die virtuellen Beine in die Hand nehmen, ausweichen, Haken schlagen, sich freilaufen, um dann aus sicherer Position neu zum Angriff überzugehen - fast ein wenig wie bei guten Ballsportarten.

Stark, sexy, besoffen

Anders als im Sport gibt es bei SMITE jedoch nicht nur fünf verschiedene Klassen, sondern obendrein noch eine Vielzahl von zum Teil sehr gut ins Spiel eingebundenen Göttern aus sieben verschiedenen Epochen bzw. Kulturkreisen. Mit dabei mehr oder weniger antike Gottheiten der Maya, Ägypter, Chinesen, Griechen, Römer, Skandinavier sowie Hindu - letztere nicht ganz unproblematisch, weil es Glaubensangehörige nicht gerade begrüßen, wenn sie Todesgöttin Kali reichlich sexy dargestellt in SMITE wiederfinden.

Die mittlerweile über 50 Gottheiten unterscheiden sich nicht nur optisch voneinander, sie können auch auf ein höchst individuelles Arsenal von Skills zurückgreifen - ganz wie man das von der jeweiligen Gottheit erwartet. So labt sich erwähnte Kali als klassische Nahkampf-Assassine am Blut ihrer Feinde, während Göttervater Zeus wütend mit Blitzen um sich schießt und Bacchus, der Gott des Weines und des Rausches, den Drunk-O-Meter aufbaut und feiernderweise seinen ebenso fülligen wie widerstandsfähigen Leib einsetzt, um seinem Team Platz und Zeit zu verschaffen.

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Die Arena bietet kurzweilige Gefechte mit vergleichsweise wenig Aufbauarbeit.
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Göttliche Vielfalt

Die Spielweise der einzelnen Götter ist dabei so unterschiedlich, dass man als Einsteiger durchaus mit etwas Einarbeitungszeit zu rechnen hat - allerdings ist das Spiel so freundlich und gibt schon vorab eine Wertung ab, wie schwierig der jeweilige Gott im Einsatz zu spielen ist und welcher Rolle er am ehesten gerecht wird.

Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder Gott in jedem Spielmodus gleichermaßen gut funktioniert, doch sind Arena- und Assault-Modus, ohnehin zur actionreichen, kurzweiligen Unterhaltung für Zwischendurch gedacht - die Königsdisziplin, die auch im E-Sport vorwiegend gespielt wird, ist nach wie vor der klassische Conquest-Modus.

“Schon wieder Ulti!?”

Wie in den meisten MOBA-Games stehen jedem Gott drei normale Skills sowie ein ‘Ultimate’ zur Verfügung, der eine entsprechend längere Abklingzeit hat. Klingt einfach, doch kann es in der Praxis ein paar Runden dauern, bis man den Bogen raus hat. Doch das ist mit Sicherheit kein Nachteil, sondern ein wesentliches Merkmal guter MOBA-Games.

Da kommt es dem Anfänger sicherlich gelegen, dass er den Kauf der obligatorischen Items automatisieren und sich somit voll aufs Kampfgeschehen konzentrieren kann. Und was die Items betrifft - die kommen, anders als bei Dota oder Heroes of Newerth, vorwiegend ohne zusätzlich auslösbare Skills aus.

Ich kauf mir einen Gott!

Anders als bei den beiden genannten Titeln ist SMITE auch hinsichtlich des Geschäftsmodells. Hi-Rez folgt hier eher der Route von League of Legends, gibt dem Anfänger nur Zugriff auf einen kleinen, rotierenden Heldenpool. Weitere Götter müssen in SMITE gekauft oder mühselig freigespielt werden. Wer also, wie in Dota 2 oder HoN, von Beginn an mit Freunden ein cleveres Setup spielen möchte, wird in die Tasche greifen müssen.

Allerdings wird das ‘Ultimate God Pack’ mit allen derzeitigen und zukünftigen Göttern zu einem recht fairen Preis von 23,99 Euro angeboten. Davon und vom Verkauf kosmetischer Kinkerlitzchen, die man zum Großteil übrigens nicht freispielen kann, können die Jungs von Hi-Rez derzeit offensichtlich recht gut leben und das Spiel weiter hegen und pflegen.

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Jeder Gott wartet mit verschiedenen, teils sehr kreativen Fähigkeiten auf.
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Austariert und feingeschliffen

Das ist bei einem MOBA-Game wichtiger als in den meisten anderen Genres, denn hier kommt es nicht nur auf feine Effekte an, sondern auf ein absolut stimmiges Konzept, gutes Balancing und Feinschliff hinsichtlich Menüführung und Optik. Was letztere betrifft, so sind meine Zeilen aus der Vorschau im Januar mittlerweile recht überholt, denn die Designer haben fleißig nachgearbeitet.

Das Spiel heute noch als “hässliches Entlein” zu bezeichnen, täte SMITE unrecht. Obschon es noch immer keinen Schönheitspreis gewinnen würde, geht die Optik mittlerweile in Ordnung und SMITE punktet hier und da mit einer ordentlichen Portion Humor. Humor, für den man natürlich auch offen sein muss und Anhänger antiker Gottheiten werden das möglicherweise anders sehen als atheistische E-Sportler. Die finden in SMITE eine durchaus interessante Alternative zu LoL, Dota 2 und HoN, müssen im Gewinnfall allerdings mit einem Zehntel des Preisgeldes auskommen.