Tennis ist schwer angesagt. Besonders als Konsolensport erfreut sich die Filzballerei einer großen Beliebtheit, und mit »Virtua Tennis« und »Top Spin« sind zwei außerordentlich gute Simulationen am Start. Hersteller Namco versucht jetzt, auf den Erfolgszug aufzuspringen und hat mit »Smash Court Tennis 3« für die PSP eine weitere Filzballdrescherei auf den Markt geworfen. Wir haben uns angeschaut, ob das Programm den Referenztiteln das Wasser reichen kann.

Smash Court Tennis 3 - Trailer: FunkyEin weiteres Video

Kampf dem Filz
»Smash Court Tennis 3« wartet genretypisch mit einem ganzen Füllhorn von Spielmodi und Optionen auf und hat lizenztechnisch die Crème de la Crème des internationalen Tennisgeschehens versammelt, darunter Martina Hingis oder Roger Federer. Neben dem üblichen Durchspielen einer Karriere vom Rasenputzer zum Filzballkönig warten außerdem noch Arcade-Matches, schnelle Spiele, ein umfassender Trainingsmodus sowie einige schräge Minispiele darauf, durchgezockt zu werden.

Smash Court Tennis 3 - Roger Federer wäre enttäuscht: Dieser Filzball-Schlägerei fehlt es an Schwung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Neuer Sommersport: Glühwürmchen schlagen
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Man sollte allerdings bei der Auswahl des Spieltyps mit Bedacht vorgehen. Tennisfans, die bereits andere Titel durchgezockt haben, werden sich vermutlich sofort ins wilde Karrieregeschehen stürzen - und laufen Gefahr, die PSP nach wenigen Minuten mit einem gelungenen Aufschlag durch das geschlossene Fenster zu katapultieren. Denn das Geschehen auf dem virtuellen Platz spottet zunächst scheinbar jeder Beschreibung: Die eigene Figur bewegt sich derart langsam, das Returns zum reinen Glücksspiel werden.

Schläge werden ungenau platziert, und außerdem donnert man mit schöner Regelmäßigkeit die Bälle viel zu weit ins Aus oder macht bei dem Versuch, den Ball beim Aufschlag anzufälschen, einen Doppelfehler. Glücklicherweise ist nicht alles so, wie es zunächst scheint. »Smash Court Tennis 3« nimmt für sich in Anspruch, eine echte Simulation zu sein. Dadurch hat man es bereits zu Beginn seiner Karriere mit echten Gegnern zu tun, während man selbst noch blutiger Anfänger ist.

Deshalb ist es unbedingt empfehlenswert, vor dem Start in eine virtuelle Karriere einige intensive Trainingseinheiten zu absolvieren. Damit stärkt man nicht nur seine eigenen Fertigkeiten, sondern für erfolgreich absolvierte Einheiten gibt es Talentpunkte, die man sinnvoll in die unterschiedlichen Fähigkeiten seines Schützlings investiert.

Smash Court Tennis 3 - Roger Federer wäre enttäuscht: Dieser Filzball-Schlägerei fehlt es an Schwung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
"Haaach ich kriege Dich, Du tuffiges Bällchen!"
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Denn das Level-up-System ist ausgefeilt und bietet zahlreiche Optionen. Hier kann man unter anderem das Grundlinienspiel verbessern, die Schlagfähigkeiten heraufsetzen oder sogar spezielle Balltechniken fördern. Kohle kann man übers Trainieren freilich nicht einsacken, dafür hagelt es dann später bei den Turnieren fette Preisgelder vom Feinsten - wenn man sich gegen die wirklich guten Gegner durchsetzen kann.

Schlägeridylle
Die Jungs von Namco haben für das Programm eine Steuerung entwickelt, die zwar zunächst zickig zu handhaben ist, doch nach einer gewissen Phase der Einarbeitung gut von der Hand geht. Nicht nur der Augenblick, in dem der gewünschte Schlagbutton gedrückt wird, ist hier entscheidend, sondern auch, wann man ihn loslässt.

Konkret bedeutet dies, dass man für seinen Return nicht wartet, bis die Filzkugel in Reichweite ist und dann aufs Knöpfchen hämmert, sondern die Taste schon vorher gedrückt hält und in genau dem Moment wieder loslässt, in dem der Ball heran ist. Je mehr Zeit man hierfür hat, desto präziser wird nämlich der beabsichtigte Schlag ausgeführt.

Egal ob man einen Volley, Lob oder Topspin spielt, das richtige Timing zwischen Drücken und Loslassen der Taste ist entscheidend. Natürlich sollte man dabei auch den analogen Joystick nicht außen vorlassen, denn damit steuert man nicht nur seinen Spieler, sondern lässt in Kombination mit der gewählten Schlagtaste die Filzmurmel auch in die gewünschte Richtung fliegen. Die Steuerung lässt sich glücklicherweise im Tutorial eingehend üben. Außerdem kann man dort auch in Ruhe Spezialschläge einstudieren, mit denen man bei der geschätzten Konkurrenz für manches Erstaunen sorgen kann.

Smash Court Tennis 3 - Roger Federer wäre enttäuscht: Dieser Filzball-Schlägerei fehlt es an Schwung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
"Ja ich sagte, ich will eine Sandburg haben, aber..."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Natürlich bringen auch gewonnene Matches Erfahrungspunkte mit sich, die genauso auf die unterschiedlichen Fähigkeiten verteilt werden wie die im Training erworbenen. Je besser der eigene Spieler wird, desto schneller gehen die Matches auch vonstatten. Kriegt man anfangs ohne Training nahezu keinen Ball fehlerlos über das Netz oder hechelt fiesen Smashes der Gegner hinterher, kann man im Laufe der Zeit immer besser mithalten. Tennisfans, die von anderen Spielen her schnelle Anfangserfolge gewöhnt sind, müssen hier gründlich umdenken oder lassen besser gleich die Finger von diesem Titel.

Im Arcade-Modus sieht die Sache allerdings ein wenig anders aus. Da man hier aus den vorhandenen Spitzensportlern sein Alter Ego auswählt, verfügt dieses zwar bereits über alle Fähigkeiten, um erfolgreich zu sein, doch bleibt auch hierbei die Steuerung erhalten. Insofern nützt es wenig, wenn man seinen Roger Federer emsig über das Feld rennen lässt, ohne sich zuvor mit den Eigenheiten von »Smash Court Tennis 3« vertraut gemacht zu haben.

Bombiger Spaß
Kaum zu glauben, aber wahr: die integrierten Minispielchen machen richtig Laune. Wer vom seriösen Ballgefilze die Nase voll hat, der kann hier eine Runde Pac-Man-, Galaga- oder Bombentennis zocken. Bei den Erstgenannten wurden die namensgebenden Spielhallenklassiker in das normale Tennisgeschehen einbezogen. So spielt man beim Pac-Man-Tennis mit dem kleinen gelben Pillenfresser als Ball und muss ihn die Punkte im gegnerischen Feld aufsammeln lassen. Geister verlangsamen den eigenen Spieler, und Energiekapseln sorgen dafür, dass die Störenfriede bevorzugt beim Gegner auftauchen. Derjenige, der einen Schlagabtausch gewinnt, erhält die bis dahin eingesackten Punkte gutgeschrieben.

Smash Court Tennis 3 - Roger Federer wäre enttäuscht: Dieser Filzball-Schlägerei fehlt es an Schwung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
Madonna hat auch schon bessere Tage gesehen
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Beim Galaga-Tennis darf man sich während eines normalen Matches mit den Galaxianern auseinandersetzen und muss deren Raumschiffe im gegnerischen Feld mit dem Tennisball abschießen. Wer in den Beamstrahl eines UFOs gerät, wird eingesaugt und verliert ein Leben.

Besonders spaßig ist Bombentennis. Dabei duelliert man sich in einem normalen Tennismatch mit handlichen Bomben anstatt des Balls. Da die Dinger äußerst empfindlich sind, gehen sie bei zu starken Schlägen gerne in die Luft, und man verliert ein Leben. Macht man einen Spielfehler, hagelt es Bömbchen, die in der eigenen Hälfte landen und aus Solidarität explodieren, wenn sie von der Spielbombe getroffen werden.

Ruhe im Glied!
Leider flacht das Rasengeschehen in technischer Hinsicht etwas ab. Zwar ist die Grafik nett anzuschauen, doch leider sind die Gesichter der Akteure maskenhaft starr. Lediglich während einer Siegersequenz wird man mit einem sparsamen Lächeln verwöhnt, ansonsten herrscht konzentrierte Gesichtskälte vor.

Smash Court Tennis 3 - Roger Federer wäre enttäuscht: Dieser Filzball-Schlägerei fehlt es an Schwung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 35/401/40
"Hey, das Suspensorium gehört eigentlich nicht auf den Kopf..."
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ähnlich diszipliniert geht es auch in den Zuschauerrängen zu. Natürlich ist bei einem Tennismatch Ruhe oberste Pflicht. Doch offenbar hat für aufwendiges akustisches Brimborium die Entwicklerkasse nicht mehr gereicht, denn der Beifall ist derart sparsam, dass man meinen könnte, eine Privatvorstellung im heimischen Wohnzimmer rufe mehr Begeisterung hervor als ein Tennismatch in diesem Spiel.

Die Musik ist unauffällig gewählt und geht in Ordnung. Völlig unpassend ist aber der Kommentator, der mit seiner teilweise albern anmutenden Freude über gelungene Spiele eher an einen Comedian erinnert als an einen seriösen Sprecher. Wer sich mit den Eigenheiten des Programms anfreunden kann, dem bietet Namcos Filzkugel-Gefetze einige interessante Ansätze. Die können das Spiel zwar nicht in der absoluten Spitzenklasse etablieren, aber toleranten Tennisnaturen eine ganze Weile Spaß bereiten.