Es war wohl im Frühjahr 2010, als ich einer Präsentation von True Crime: Hong Kong beiwohnte. Der damalige Publisher Activision trennte sich jedoch Anfang 2011 von dem ehrgeizigen Open-World-Actionspiel; das erst 2007 gegründete kanadische Entwickler-Team United Front Games (Mod Nation Racers) stand vor einem Scherbenhaufen. Doch auch wenn man schlafende Hunde nicht wecken sollte, sicherte sich Square Enix die Rechte an dem Spiel, das allerdings in Sleeping Dogs umfirmiert wurde.

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An der grundlegenden Prämisse hat sich aber trotz des Publisher-Wechsels nichts verändert: Nach wie vor dreht sich in diesem Sandbox-Actiondrama alles um die Welt der asiatischen Triaden, ganz im Stile von Kino-Vorbildern eines John Woo.

Wer auch nur einen kleinen Eindruck von der Machart bekommen möchte, sollte sich den fulminanten Live-Action-Trailer anschauen und weiß sofort, worum es geht. Nämlich brachialen Actioneinlagen, die auf drei Säulen fußen:

1. Martial Arts

Zwei Dinge stehen im Mittelpunkt des "intuitiven Kampfsystems". Zum einen die kinderleichte Kampfmechanik, die (momentan) eigentlich nur zwei Buttons benötigt und sehr an das Nahkampfsystem von Batman: Arkham City erinnert. Mit einem Knopf teilen wir entweder kurze Haken und Tritte aus - drücken wir dieselbe Taste etwas länger, knallt Protagonist und Undercovercop Wei Shen den Bösewichtern harte Hiebe und Kicks um die Ohren.

Sleeping Dogs - Bellende Hunde schlafen nicht

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Hong-Kong-Action im Stil von John Woo steht im Mittelpunkt.
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Erscheint bei Angreifern plötzlich ein Warnsymbol über dem Schädel, heißt es: aufgepasst! Wie bei den aktuellen Batman-Spielen ist es ein Zeichen für die nahende Attacke, gleichzeitig aber auch die Chance, bei rechtzeitiger Reaktion einen effektiven Konter anzubringen und besonders schlagkräftige Spezialattacken ins Ziel zu bringen. Gefühlt ist das Zeitfenster für die Reaktion in diesen Fällen sogar ein wenig spielerfreundlicher als bei den Abenteuern des dunklen Ritters. Ich wurde jedenfalls deutlich seltener in meinen Aktionen unterbrochen.

Ziemlich cool ist auch, dass man in einen Kampf hineinsprinten und dann mit einem klassischen Kung-Fu-Flugtritt den ersten Widersacher ausknocken kann.

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Die zweite Seite dieses Kampfsystems betrifft interaktive Interaktion mit der Umgebung. Weil man es häufig mit einer oder mehreren Gruppen von Gegnern zu tun bekommt, sind in der unmittelbaren Nachbarschaft oft etliche Gegenstände platziert, die man zum sofortigen Ausschalten der Feinde einsetzt.

Ich freue mich sehr auf den Action-Ausflug nach Hong Kong. Hyiaa!Ausblick lesen

Ob man das Opfer nun in einen elektrisch geladenen Schaltkasten schubst, einen Ventilationsschacht missbraucht, eine heiße Herdplatte umfunktioniert oder einen Müllcontainer Zweck entfremdet, bleibt der eigenen Fantasie überlassen.

2. Feuergefechte

Natürlich geht es nicht nur in Jet-Li-Manier mit den Fäusten gegen die Schurken zur Sache, denn die setzen schließlich ihrerseits ebenfalls Bleispritzen ein. Entscheidend ist zwar nicht die schiere Anzahl der Feuerwaffen, aber in unserer etwa 30-minütigen Spielsession ballerten wir mit allerhand unterschiedlichen Modellen herum. Ist eine Wumme leer geballert, schnappt man sich einfach fix das nächste Schießeisen - auch in diesem Punkt steht Sleeping Dogs absichtlich ganz im Zeichen der fernöstlichen Actionmovies.

Außerdem geben zwei Features den Schießereien den nötigen Kniff: Erstens hilft mir ein Deckungsfeature, diese Situationen besser zu überstehen. Praktisch jede Säule, Kiste oder anderes Hindernis taugt als Schutzwall gegen die feindlichen Geschosse. Selbstverständlich jage ich eigene Bleigarben aus solch geschützten Stellungen in Richtung der Triaden-Mitglieder. Allerdings sollte man sich dabei nicht zu sicher fühlen, denn viele Gegenstände lassen sich zerstören - so auch diese künstlichen Barrieren.

Ein Zeitlupen-Modus steht außerdem auf der Liste nützlicher Spielelemente, ähnlich wie ihr es vielleicht aus Max Payne kennt (Max Payne 3 Preview). Hüpfe ich beispielsweise in einem Gefecht über eine Box und drücke rechtzeitig die passende Taste, jage ich die Projektile während einer Art "Bullet Time" ins virtuelle Fleisch meiner Kontrahenten.

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Heiße Autorennen gehören bei einem Open-World-Spiel einfach dazu.
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3. Auto-Rennen

Wie sollte es auch anders sein - heiße Kisten stehen bei Sleeping Dogs ebenfalls hoch im Kurs, auch wenn es wohl keinerlei lizenzierte Karossen geben wird. Die Fortbewegung fühlt sich grundsätzlich recht sauber umgesetzt an - kein Wunder, es befinden sich schließlich auch einige Ex-Mitarbeiter des Need-for-Speed-Produzenten Black Box im Entwicklerteam.

Im Vergleich zu ähnlichen Genre-Konkurrenten fällt dieser Teil des Spiels qualitativ sicher nicht ab. Das ist auch deshalb wichtig, weil eine ganze Reihe von Rennmissionen Teil des Spielablaufs sein werden. Ich durfte etwa an einem typischen Straßenrennen teilnehmen, das an Kontrollpunkten entlang durch die teils sehr engen, aber im Neonlicht der allgegenwärtigen Werbeschildchen gut beleuchteten Gassen Hong Kongs führte.

Die Steuerung hinterließ tatsächlich einen sehr ordentlichen Eindruck. Allerdings war der von vielen gefürchtete Gummiband-Effekt doch sehr stark spürbar. Hier sollten die Entwickler einen besseren Mittelweg zwischen Fahrspaß und Anspruch finden, zumal die starre Kameraperspektive nicht immer von Vorteil ist. Gut gefällt mir dagegen das "Hijack"-Feature, mit dem ich in voller Fahrt von einem Fahrzeug zum nächsten springe und dieses kapere. Kennt man zwar auch bereits von Spielen wie "Wheelman", macht mir aber trotzdem viel Spaß. Boiiing!

Ins Gesicht

Von diesen drei Haupt-Gameplay-Streben abgesehen haben wir bisher nur einen recht eingeschränkten Eindruck von Sleeping Dogs erhalten. Die Zwischensequenzen wirken jedoch mit ihrem asiatischen Flair ziemlich atmosphärisch und leiten die Missionen stilsicher ein. Auch Hong Kong als vibrierende Metropole mit abwechslungsreichen Locations kommt glaubhaft rüber und bietet zudem den immensen Vorteil eines unverbrauchten Settings.

Von der Handlung wissen wir immerhin schon, dass der Haudrauf namens Wei Shen als Undercoverbulle in das undurchsichtige Netz der Triaden-Geheimbünde eingeschleust wird. Diese beschäftigen sich traditionell mit kriminellen Machenschaften wir Drogenhandel, Prostitution oder Glücksspiel - ein Milieu, in das ihr mit unzähligen Haupt- und Nebenaufgaben tief eintauchen dürft.

Von hoher Bedeutung ist zudem ein System, das euch je nach Erfolg Punkte in der Rubrik "Face" beschert. Ihr kennt sicherlich die asiatische Eigenart, dass man das "Gesicht" nicht verlieren will. Je nachdem, wie man sich also in bestimmten Situationen verhält, steigt oder fällt der Respekt in den Bereichen „Polizei", "Triaden" und "Face".

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Der Schauplatz Hong Kong wirkt sehr authentisch nachgebildet.
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In Nebenmissionen sichert ihr euch darüber hinaus "Favor" - eine weitere Wertung, die Einfluss auf das Standing der Hauptfigur in diesem Kuddelmuddel aus Gewalt und Freundschaftsdiensten hat. Wer sich - zufällig oder nicht - in einen der Tea-Shops verirrt, versorgt sich dort übrigens kostengünstig mit speziellen Getränken, die einem für befristete Zeit Buffs verleihen. Also etwa 15 Minuten lang eine gesteigerte Resistenz gegen Schaden aller Art.

Auch wenn Sleeping Dogs selbstverständlich über ein aktives Map-System verfügt, wie es Open-World-Games klassischerweise besitzen, legen die Kanadier noch einen drauf: Ein Handy-Trackingtool unterstützt euch bei der Verfolgung und beim Aufspüren von wichtigen Zielpersonen.