Autor: Tobias Wüst

Während Stefan Raab in Kürze mit dem »Großen TV Total Parallelslalom« sein nächstes innovatives Sportevent zelebriert, gucken wir buchstäblich in die Röhre. Lediglich 14 Stars und Sternchen dürfen an der Gaudi teilnehmen. Die große Masse dagegen kann auf »Ski Alpin Racing 2007« aus dem Hause JoWooD zurückgreifen und erspart sich somit Knochenbrüche, blaue Flecken und andere Verletzungen.

Die Altstars Bode Miller und Hermann Maier sollen mit ihren Namen für einen reißenden Absatz sorgen. Ob dies gleichzeitig auch ein Qualitätssiegel für »Ski Alpin Racing 2007« ist, erfahrt Ihr in unserem ausführlichen gamona-Review.

Ski Alpin Racing 2007 - Trailer

Von der schwarzen Piste zum Weltcup-Sieger
Noch vor einem Jahr durften Skisportfans zwischen den Produkten »Ski Racing 2006« von JoWooD und »RTL Ski Alpin 2006« von 49 Games wählen. Dieses Jahr wurde dem Endverbraucher die Entscheidung kurzerhand abgenommen, denn beiden Spielereihen sind mittlerweile unter dem Titel »Ski Alpin Racing 2007« zusammengelegt worden. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn sich dadurch auch die Stärken beider Titel verbinden würden und ein echter Tophit entsteht. Soviel zur Theorie, werfen wir doch einfach mal einen Blick auf die Praxis.

Ski Alpin Racing 2007 - Skier gewachst, der Berg ruft - aber der Schnee ist von gestern...

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"Sagt mal, wo kommt ihr denn her?" - "Aus Schlumpfhausen, bitte sehr..."
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Wie es sich für ein alpines Ski-Rennspiel gehört, stehen alle vier Hauptdisziplinen zur Verfügung. Als da wären die Abfahrt, der Super-G (Super-Riesenslalom), der Riesenslalom und natürlich auch der Slalom. Der Spieler kann sich nun in verschiedenen Modi den Abhang hinunterstürzen. Neben dem Schnellstart, dem Übungsmodus und einem Arcade-Modus, welche alle drei nur für ein kurzes Spiel in der Mittagspause zu empfehlen sind, bildet der Karriere-Modus das eigentliche Herzstück von »Ski Alpin Racing 2007«. Der aufmerksame Leser wird an dieser Stelle bereits feststellen, dass sich die Auswahl zu 100% mit der der Vorgänger deckt. Echte Innovationen haben sich die Entwickler also nicht einfallen lassen.

Sei's drum, schauen wir uns den Karriere-Modus einmal genauer an. Zuerst gilt es, einen neuen Fahrer zu kreieren, dessen Werdegang wir von der Junioren-Liga bis zum späteren Gewinn des Weltcups mitverfolgen wollen. Alternativ können wir an dieser Stelle auch auf die beiden Altstars Bode Miller oder Hermann Maier zurückgreifen, die allerdings zurückgestuft wurden und ebenfalls in der Junioren-Liga starten müssen. Frei nach dem Motto: Gleiches Recht für alle!

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Hermann Maier hat's faustdick auf den Ohren.
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Wer bereits das Schwester-Produkt »RTL Skispringen 2007« sein Eigen nennen darf, wird sich im Karriere-Modus innerhalb kürzester Zeit zu Recht finden. Auch in »Ski Alpin Racing 2007« gilt es, seinen Schützling durch optimale Trainingsleistungen, gute Platzierungen in den Rennen und das Kaufen besserer Ausrüstungsgegenstände an die Weltspitze zu befördern. Auf das Verhandeln mit Sponsoren müssen wir dagegen leider verzichten, obwohl es auf der Verpackung als Feature versprochen wird. Ebenfalls nicht enthalten sind ein Quiz und die beliebten Zufallsereignisse, wodurch der Karriere-Modus nicht vollends zu überzeugen weiß. Schade!

Monotone Streckenführung
Im spielerischen Bereich hat sich im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls wenig getan. In den bereits genannten Disziplinen, die sich während der Saison permanent abwechseln, müssen wir versuchen, aufs Stockerl zu Fahren und wertvolle Punkte zu sammeln, um am Ende des Winters in die nächste Klasse aufzusteigen.

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Baum auf 0 Uhr. Und 0:01 Uhr, und 0:02 Uhr...
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Wirklich herausfordernd sind die einzelnen Rennen nicht, ähnelt »Ski Alpin Racing 2007« doch eher einem Arcade-Racer als einer echten Skisport-Simulation. Die eigentliche Schwierigkeit liegt im Wechsel zwischen den einzelnen Wettbewerben. Gerade der Umstieg von einer Speed-Disziplin, wie der Abfahrt oder dem Super-G, auf eine technische Disziplin, wie dem Slalom oder dem Riesenslalom, erweist sich oftmals als harte Nuss. Schnell sind die ersten Tore verfehlt und unser Athlet, je nach Schwierigkeitsgrad, disqualifiziert oder mit so vielen Strafsekunden belastet, dass das Siegerpodest in weite Ferne gerückt ist. Wer sich dadurch zu Saisonbeginn zu viele Fehler erlaubt, hat schnell den Anschluss zur Spitze verloren und darf im nächsten Weltcup wieder in derselben Liga antreten.

Schade ist zudem, dass sich die Streckenverläufe von Jahr zu Jahr nicht ändern. Hier wäre es wünschenswert gewesen, in jedem Rennen einen zufällig generierten Parcours auf dem Hang abzustecken. Dies würde für mehr Abwechslung sorgen und vor allem zu einem höheren Realitätsgrad führen, schließlich sind die Kurse im echten Weltcup auch von Saison zu Saison verschieden. Eventuell lässt sich da bei einer möglichen Neuauflage in »Ski Alpin Racing 2008« etwas mehr rausholen.

Speed-Downhill und Free-Ride
Eine schöne Neuerung in »Ski Alpin Racing 2007« sind dagegen die beiden Disziplinen Speed-Downhill und Free-Ride, welche unter anderem im Training zur Verfügung stehen. In teilweise halsbrecherischen Manövern müsst Ihr schwarze Pisten bewältigen und dabei versuchen, eine vorgegebene Zeit zu unterbieten oder auf eine bestimmte Geschwindigkeit bzw. Sprungweite zu kommen. Falls die Aufgabe des Trainers erfüllt werden kann, winken als Belohnung einige Bonus-Punkte, die wiederum auf die unterschiedlichen Fähigkeiten unseres Skiläufers (Fitness, Technik, Kraft und Motivation) verteilt werden können.

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Echte Skicracks fahren auch nachts.
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Schade hingegen ist, dass die Anzahl der Strecken stark begrenzt ist und man die Kurse bereits nach kurzer Spielzeit auswendig kennt. Anstatt immer und immer wieder dieselben Pisten runter zu brettern, beschränkt man sich daher schnell auf die eigentlichen Rennen und nimmt schlechtere Trainingsergebnisse in Kauf. Auch hier haben die Entwickler noch deutlich Luft nach oben.

Verbesserungswürdige Präsentation
In Sachen Präsentation bewegt sich »Ski Alpin Racing 2007« ungefähr auf demselben Level wie »RTL Skispringen 2007«. Grafisch und bei den Ladezeiten hat es sogar eindeutig die Nase vorn. Negativ aufgefallen ist uns dagegen die Menüführung. Was von den Entwicklern vermutlich als moderne, flippige Navigation geplant war, entpuppt sich in der Praxis als nervig. So kann man im Shop beispielsweise nur neue Produkte ausfindig machen, wenn man mit dem Mauscursor über die einzelnen Buttons fährt. Warum es dem Spieler derart kompliziert gemacht wird, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis von 49 Games.

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Unten im Bild: die Bretter, die die Welt bedeuten.
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Gut gemeint und auch gut umgesetzt sind die Kommentatoren, die während eines Rennens öfter mal eine Anekdote über Hermann Maier zum Besten geben. Bei zunehmender Spielzeit werden diese allerdings schnell nervtötend. Der gute Wille ist jedenfalls zu spüren, und eventuell können fürs nächste Jahr etwas mehr Sample eingespielt werden.