Mit „Skate“ hat es das kanadische Entwicklerteam Black Box im September 2007 geschafft, die alt eingesessene Tony-Hawk-Videospielreihe mit ordentlichem Rumms vom Skateboard zu schubsen. Neben dem realistischen Setting mit authentischem Spielablauf sorgte „Skate“ vor allem dank des revolutionären „FlickIt“-Kontrollsystems für Begeisterungsstürme und Lobhudeleien bei Fachpresse und Spielern.

Nun steht alsbald der Nachfolger in den Regalen, und viele „Skate“-Fans fragen sich, ob Black Box den hohen Erwartungen standhalten kann oder mit Verschlimmbesserungen um sich schmeißt. In unserem Test erfahrt ihr mehr.

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FlickIt! ist zurück

Dank der genial-intuitiven „Flickit“-Steuerung, die zudem das Gefühl größter Interaktion vermittelte, konnte man bei „Skate“ unzählige Spielstunden einfach nur damit verbringen, planlos durch San Vanelona zu skaten und an allen möglichen und unmöglichen Kanten, Bänken oder Treppen seine Kickflips und Varial Heelflips zu üben. Das rumskaten an sich war bereits so überzeugend, dass einem Herausforderungen und Wettkämpfe zunächst egal waren.

Skate 2 - Das brettert!

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Das intuitive und authentische Fahrgefühl ist ab der ersten Sekunde wieder mit dabei.
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Die gute Neuigkeit vorweg: Auch „Skate 2“ vermittelt von der ersten Sekunde an dieses tolle Gefühl umfassender Interaktion, das für ein superbes Fahrgefühl sorgt. Während der linke Analogstick der Körpersteuerung dient, kontrolliert der rechte das Skateboard. Wollt ihr also einen Ollie vollführen, zieht ihr den rechten Stick nach unten und drückt ihn dann schnell nach oben. Bei einem Kickflip zieht ihr erstmal nach unten und dann nach oben links.

Black Box haben also beim Nachfolger an der genialen Spielmechanik glücklicherweise nichts verändert. Immer noch ist es eine Freude, einfach rumzuskaten und die intuitive, aber letztlich schwer zu meisternde Steuerung fortwährend besser zu beherrschen. „Skate 2“ wartet dabei mit einer erweiterten Trickpalette auf, so dass einem nun auch Lip Tricks, One Foots, Hippy Jumps und Finger Flips zur Verfügung stehen. Die neuen Moves ergänzen das alte Trickrepertoire auf gelungen Art und Weise und wurden auch steuerungstechnisch hervorragend implementiert.

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In New San Vanelona gibt es unzählige und lohnenswerte Spots zu entdecken.
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Groß angekündigt und heiß ersehnt ist die Möglichkeit, vom Skateboard steigen und frei herumlaufen zu können. Erstmal eine begrüßenswerte Neuerung, gestaltet sich doch dadurch das Erforschen von New San Vanelona viel einfacher. Stehen euch wieder einmal Stufen oder Randsteine im Weg, hüpft ihr nun mit einem Druck auf Y schnell vom Skate und bewältigt das Hindernis ohne Probleme – eurem Entdeckungsdrang steht also nicht mehr im Weg.

So weit die trägen Füße tragen

Unverständlich bleibt hingegen, wieso diese Laufeinlagen so klobig umgesetzt wurden. So fließend und realistisch die Bewegungen des Skaters beim Fahren wirken, so plump und ungelenk kommt einem das Laufen vor. Hier merkt man der Steuerung von „Skate 2“ an, dass sie an sich nur für die Skate-Action auf dem Brett konzipiert wurde.

Mit der neuen Lauffreiheit wurde auch die Möglichkeit implementiert, Gegenstände wie Rampen, Tische oder Bänke verschieben zu können. So werden gewisse Herausforderungen überhaupt erst machbar, indem man sich bspw. während einem Fotoshoot eine hilfreiche Rampe zunutze macht. Darüber hinaus könnt ihr, egal wo in New San Van ihr gerade rumskatet, Gegenstände nach Belieben aufstellen, mittels Spot-Editor die Größe dieses Spots „markieren“ und im Online-Modus anderen Spielern zur Verfügung stellen.

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Die Möglichkeit vom Skate steigen zu können und Gegenstände zu verschieben ist ein tolles Feature...
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Sich an den eigenen Spots mit anderen Mitspielern zu messen oder die eigene, schwer zu meisternde Line nach harter Übung endlich mal zu packen, macht Laune. Solche Erfolgserlebnisse sorgen durchaus für jede Menge Glücksgefühle und Motivation. Trotz der steifen und unnatürlichen Laufmotorik des Skaters geht ein solcher Aufbau doch recht zügig vonstatten. Bedauerlicherweise kann man die platzierten Objekte nicht fest verankern, so dass diese bei Kontakt immer wieder verschoben werden.

Trotz träger Laufsteuerung: Für den Sofa-Skater führt kein Weg an „Skate 2“ vorbei.Fazit lesen

Äußerst praktisch ist wiederum der Session-Marker, der einem das Teleportieren zu einer davor markierten Stelle ermöglicht. Die beweglichen Objekte können zudem dem Session-Marker zugewiesen werden. Wenn man sich also zur Markierung zurückversetzt, werden auch umgekippte Rampen oder Bänke wieder so aufgestellt, wie man sie vor dem Versuch aufgebaut hatte. Der Abstand, innerhalb dessen man sich ohne Ladezeit zur Markierung zurückversetzen kann, wurde außerdem um einiges vergrößert.

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...leider fühlen sich die Laufeinlagen sehr träge und ungelenk an.
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Beim Karrieremodus hat sich kaum was verändert. Man reist von einer Herausforderung zur nächsten, misst sich mit bekannten Profiskatern, nimmt an Videodrehs und Fotoshoots teil und zeigt sein skaterisches Können auf Events. Im Gegensatz zum Vorgänger bietet „Skate 2“ die Option, euch direkt von einer Challenge zur anderen zu teleportieren. Auf der einen Seite sehr praktisch, auf der anderen Seite entfällt somit auch die durchaus spannende und lohnenswerte Erforschung von New San Van.

Während der Karriere-Events wollen die Fotografen und Regisseure meistens einen gewissen Trick an einer bestimmten Kante oder Rampe sehen. Bei den Wettkämpfen gewinnt derjenige, der den besten Grind oder Flip hinlegt und somit die höchste Punktzahl erzielt. Ergänzt werden diese Events durch Downhill-Rennen gegen NPCs – eine durchaus nette Abwechslung, jedoch reizen die anderen Herausforderungen sicherlich mehr.

Viva la Skate-Revolución

Manche Herausforderungen, wie die S.K.A.T.E-Challenges gegen bekannte Profiskater, beinhalten durchaus auch Frust-Potential. Auch wenn die Flickit-Steuerung an sich hervorragend funktioniert, fällt es einem dann doch schwer, genau den geforderten Trick hinzubekommen. Dafür gleicht sich die Ausführung der verschiedenen Tricks doch sehr, und oft scheitert man nicht an einem Sturz, sondern daran, wieder einen FS Pop Shuvit anstatt den 360 Pop Shuvit hingelegt zu haben.

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Das erweitere Trick-Repertoire, hier ein Handplant-One-Foot, wurde gekonnt implementiert.
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Teils gestalten sich die Wettkämpfe mit zahlreichen anderen Skatern sehr chaotisch. So muss während eines Events oft ein bestimmtes Geländer oder eine Rampe befahren werden, was an sich ja auch sinnvoll ist. Wenn dies jedoch zehn Fahrer gleichzeitig versuchen, endet dies aufgrund der realistischen Kollisionsabfrage oft in Chaos und Rempelei. Wenn man den bitter nötigen Varial Kickflip 360 nicht landen kann, weil ein gestürzter KI-Skater wieder einmal in der Landezone rumliegt, wird auch der coolste Sofa-Skater schnell einmal zum Berserker.

Erfolgreich absolvierte Herausforderungen bringen Moneten, Sponsoren und somit Zugang zu Kleidung, Accessoires, Decks, Rollen oder Trucks (Achsen). Nach und nach kommt man zu immer prominenteren Auftritten in Skate-Magazinen wie dem „Trasher“ und erschließt sich auch neue Spots und Skateparks. Im Vergleich zum Vorgänger bietet „Skate 2“ eine vielfältigere Missionsauswahl, so dass man, sollte man irgendwo nicht mehr weiterkommen, andere Herausforderungen angehen kann.

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Bis man gezielt einen solchen Crooked-Grind hinlegen kann, vergehen doch einige Übungsstunden.
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Eingepackt ist deine Karriere in einer Geschichte, die vom Schicksal der Stadt San Vanelona erzählt, die vor einiger Zeit von einer Reihe von Naturkatastrophen zerstört wurde. Die Firma MongoCorp, die mit dem Wiederaufbau der Stadt beauftragt wurde, schützt ihre Gebiete mit besonders aggressiv vorgehenden Security-Kräften und verfolgt auf repressivste Art und Weise die Skater, als wären diese Schwerstkriminelle. Die Skater wiederum fühlen sich in dem Umfeld als Rebellen der Neuzeit, die ihre Spots befreien müssen.

Wirklich essentiell für den Spielspaß und die Atmosphäre scheint die Geschichte, wenn auch besser erzählt als im ersten Teil, nicht zu sein. Skate 2 lebt eindeutig von der unübertroffenen Spielmechanik und seinem Fahrgefühl – im Vergleich dazu ist die Hintergrundgeschichte um die Wiederbelebung der Skate-Szene zwar ganz nett, jedoch auch nicht wirklich fesselnd.

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Die Animationen der Skater wirken äußerst real - solange sie auf dem Skateboard bleiben.
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Bei „Skate 2“ von einem Grafikbrett zu reden, wäre mit Sicherheit übertrieben. Dennoch, das Spiel sieht schön aus, und abgesehen von einigen Low-Res-Texturen und dem komisch aussehenden Wasser überzeugt es mit geschmeidigen Animationen – solange die Skater auf dem Board bleiben – und einer detaillierten und vielfältigen Stadt. Immer wieder fallen einem dabei faszinierende Details ins Auge. So wird in den Wiederholungen, die man sich jederzeit ansehen, bearbeiten und speichern kann, erkenntlich, wie sich das Skateboard realistisch neigt und die Achsen bei Kontakt mit einem Rail einfedern. Bei langen Grinds drehen sich die Rollen eures Skates weiter.

Hey Dude, das war der Banger!

Im Vergleich zu diesen atmosphärischen Details wurden die Stürze jedoch kläglich umgesetzt. So fliegt der virtuelle Skater, sobald er die Kontrolle über das Skateboard verloren hat, wie eine leblose Puppe zu Boden. Black Box hätte dieses Manko, das bereits im Vorgänger für Kritik sorgte, durchaus ausbügeln dürfen. Anstatt die Sturzanimationen aufzuwerten, haben sich die Entwickler darauf konzentriert, dass man Stürze nun auch absichtlich und in mannigfaltiger Ausführung selbst auslösen kann. Ziel dabei ist es, mit möglichst spektakulären Stürzen in der „Hall of Meat“ Geld einzukassieren.

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Nach jedem Trick könnt ihr euch eine 30-sekündige Wiederholung ansehen, bearbeiten und speichern.
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Bei den Soundeffekten zeigt „Skate 2“ keinerlei Schwächen. Ein Kickflip hört sich so an, wie er es eben sollte, das Befahren der verschiedenen Untergründe wird akustisch gekonnt umgesetzt, und das Rascheln der rotierenden Rollen in der Luft verleiht einem auch auf dem Sofa das Gefühl, hoch über dem Coping der Vert zu fliegen. Neben den gelungenen Soundeffekten sorgt der hochwertige und lizenzierte Soundtrack für die passende Atmosphäre. Bands wie Motörhead, Rage against the Machine, Public Enemy oder der Wu-Tang Clan tragen ihren Teil dazu bei.

Was jedoch wieder einmal unglaublich nervt – und das scheint die Bürde eines jeden Videospiels aus der Fun- und Extremsportecke zu sein – ist das mit Klischees durchtränkte Vokabular. Von „Yo Homie, bist du down wenn wir die Session hier shooten“ bis hin zu „Hey Dude, das war der banger“, wird so ziemlich alles geliefert, was man sich an pseudo-coolen Peinlichkeiten vorstellen kann.

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In den Skateparks von New San Van bleiben keine Skater-Wünsche unerfüllt.
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Der Offline-Multiplayer-Modus von „Skate 2“ unterstützt bis zu vier Spieler an einer einzigen Konsole. Die können an „Spot Battles“ teilnehmen, wo der beste Trick mit der höchsten Punktezahl den Sieg erbringt oder sich im „Hall of Meat“-Modus austoben, bei der der halsbrecherischste Sturz zählt. Im bekannten S.K.A.T.E.-Modus müssen die vom Mitspieler vorgelegten Tricks kopiert werden. Diese Modi werden allesamt nacheinander und nicht simultan gespielt und den Splitscreen-Modus sucht man leider auch vergebens.

Im Online-Modus könnt ihr die unterschiedlichsten Modi zocken, eure eigenen Spots hochladen und euch mit anderen Spielern auf diesen messen. Den größten Spaß bringen dabei die Koop-Herausforderungen, bei denen ihr ein gemeinsames Ziel verfolgt. Da muss beispielsweise ein vorgegebener, kombinierter Highscore erreicht werden, zu dem jeder Trick eines jeden Fahrers beiträgt. Eine andere Herausforderung besteht darin, dass sechs Skater gleichzeitig ein Treppengeländer grinden. Sollten weder Lags noch überlange Ladezeiten dem Multiplayer-Part einen Strich durch die Rechnung machen, dürfte also für jede Menge Langzeitmotivation gesorgt sein.